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Ausstellung des Duisburger Kunstvereins zeigt wieder Biss

Vielfältig, sinnlich, provokant zeigen sich die Mitglieder des Kunstvereins Duisburg in der neuen Ausstellung, die am 22. November am Weidenweg 10 startet.

Vielfältig, sinnlich, provokant zeigen sich die Mitglieder des Kunstvereins Duisburg in der neuen Ausstellung, die am 22. November am Weidenweg 10 startet.

Foto: Frank Oppitz

Duisburg.  Mit ironischen Kommentierungen zur Lage der Gesellschaft melden sich 50 Mitglieder des Kunstvereins zurück. Ausstellung startet am Freitag

Ganz bedauernswert baumelt der arme Michel an einem Strick an seiner rustikalen Eichengarderobe – die Künstlerin Angela Schäfer hat die Figur aus den Fetzen der Wirtschaftsseite einer Zeitung gefertigt und so einfach wie ironisch „Das kleine Wirtschaftsopfer“ genannt. Autsch. Die just beginnende Ausstellung des Duisburger Kunstvereins mit Beiträgen von rund 50 Mitgliedern zeigt diesmal kräftig satirischen Biss gegen den Brexit, die Kunstszene und provoziert mit Kitsch aus Kunststoff.

Ausstellung zeigt Kunst, die provoziert und sich selbst reflektiert

Zur gesellschaftlichen Reflexion lädt auch diese Auseinandersetzung mit dem Brexit ein: ein gespaltener Totenkopf, dessen Form an die Insel vor Europa erinnert und dessen Farbe an den Union Jack des doch so unvereinten Königreichs. Ein Kunstwerk mit Verfallsdatum oder eine ständig erneut schreckende Fratze? Stark unter doppelbödigem Satireverdacht steht nicht weniger eine archaische Opferszenerie gebildet aus Miniaturfiguren und vor einer Art urzeitlichen Höhlenkulisse aus Kunststoff. Eine – mit Verlaub – wunderbar kitschige Provokation.

Nachdenklich macht Karin Dauerheimers Collage „Radikaler Perspektivwechsel“. Sie reflektiert Me too und die Kunst in einer männerdominierten Kunstszene. Anderswo erzählt eine Bildersequenz die Hängung einer Ausstellung – Kunst führt buchstäblich zu Kunst, reflektiert sich immer wieder selbst. Dann wiederum zeigt Kerstin Phoa, dass sie nicht nur die 1. Vorsitzende des Kunstvereins ist, sondern selbst Künstlerin. Ihr großformatiges Gemälde schildert in groben Farben und Formen die nächtliche Szene von zwei Frauen auf einer Waldlichtung beim Lagerfeuer und bei Mondschein. Die holzschnittartige Darstellung hat seine Gründe: „Es ist eine Erinnerung“, sagt sie. Und die ist immer auch reduziert.

Bildende Kunst zwischen Eleganz und obskuren erforschbaren Figuren

Nicht immer jedoch müssen die erzählten Geschichten derart offen zutage treten. Der Kubus von Martin Sieverding ist nicht nur mit Fasern überzogen wie eine hauchdünne, verletzliche Haut. Er hat auch offene Stellen, durch die man in sein Inneres schauen kann. Der Betrachter muss ihn selbst erschließen, seine eigene Geschichte über das organische wie kantige „Ding“ erzählen, indem er ihn von verschiedenen Seiten erforscht. Zu den Akzenten hat Sieverding bereits diese sich im Blick wandelnden Trans-Figuren gezeigt. Umso ausgiebiger kann man sein Kunstwerk hier bestaunen.

Mit Leichtigkeit und großer Eleganz nimmt die Figur von Peter Laube den Raum ein. Ein aufstrebendes, schlankes Gebilde aus hochpoliertem Birkenholz und Bienenwachs, das an eine Fackel oder Leuchtfeuer erinnert: „Fanal“ hat Laube seine hölzerne Flamme nicht ohne Grund genannt: Flammenzeichen.

Nicht alles der großen Jahresausstellung am Weidenweg provoziert. Manches soll dem ehrfürchtigen Staunen vor der Natur dienen, etwa wenn man in das aufgerissene Maul eines Alligators starrt. Oder aber der Kontemplation, wie die fein geschliffene und strukturreiche Sandsteinfigur von Liselotte Bölthen: Pan.

Die große Bandbreite aus bildender Kunst, aber ebenso der Malerei und auch Fotografie ist zum achten Mal eine mutige und starke Aussage des Kunstvereins geworden.

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