Steinmeier in Duisburg

Steinmeier nach Rundgang: "Die schönen Ecken kenn ich schon"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einem Brautmodenladen während seines Rundgangs durch Marxloh.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einem Brautmodenladen während seines Rundgangs durch Marxloh.

Foto: dpa

Duisburg.  Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm sich Zeit für Marxloh. Verkehrschaos rundherum. Ein Störer wurde festgenommen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender besuchen am Dienstag Marxloh.

Zwei Stunden Zeit haben sie für den Besuch, inklusive Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Duisburg, Gesprächsrunde in der Grundschule Henriettenstraße sowie einem Rundgang mit Ziel Schrottimmobilie und Brautmodenmeile.

Der Besuch von Steinmeier - unsere Beobachtungen:

12.00 Uhr - Die Pressekonferenz

Steinmeier erklärt, dass der Anlass für seine Reise sei, dass er die Unterschiede in NRW sehen wollte. Deshalb habe er sich auf Marxloh gefreut. Er erklärte, dass er um die Probleme durch Zuwanderung und Integration wisse und sie vor allem auf kommunaler Ebene durchschlagen würden. Die Kommunen hätten deshalb Hilfe nötig.

Im Vorfeld hatte es Kritik gegeben, dass ein hoher Politiker kommt und sich "ausgerechnet" wieder Marxloh aussucht. Daraufhin erklärte Steinmeier, er sei schon früher in Duisburg gewesen, da habe er auch die schönen Ecken kennengelernt. "Ich habe hier schon ein Eis gegessen", erzählte er unserer Reporterin.

Kurz nach 12 Uhr ist Steinmeier abgereist. Nächster Stopp: Dortmund.

Polizei nimmt Störer fest

Während des Besuchs von Steinmeier gab es eine Festnahme. Die Polizei Duisburg hat einen 31-jährigen Mann aus Voerde abgeführt, der womöglich strafrechtlich relevante Beleidigungen in Richtung des Bundespräsidenten gebrüllt hatte. Nach Paragraph 90 wird gegen ihn wegen Verunglimpfung des Bundespräsidenten sowie Widerstands gegen Polizeibeamte ermittelt. Zwei Polizisten wurden bei der Festnahme verletzt, blieben aber dienstfähig. Nach seiner Vernehmung wurde der Voerder entlassen. Paragraph 90 sieht vor, dass solche Taten nur mit Ermächtigung des Bundespräsidenten verfolgt werden. Das ist in diesem Fall geschehen.

Der Staatsschutz ermittelt außerdem wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsrecht. Auf der Kaiser-Wilhelm-Straße hatten mindestens sechs Personen demonstriert und Plakate hoch gehalten. Darauf wurde gegen die türkische Militäroffensive in der Provinz Afrin protestiert. Sprüche wie "Deutschland, deine Waffen töten uns!", teils auch auf kurdisch, waren auf den gelben Plakaten zu lesen. Die Plakate seien nicht konfisziert worden, heißt es aus der Polizei-Pressestelle.

11.10 Uhr - Am Brautmodenladen

Nur kurz dauert der Besuch vor der Problemimmobilie. Schnell geht es weiter zum Brautmodengeschäft "Melisam Gelinlik", wo über den Einzelhandel gesprochen werden soll. Inhaber Tercan Küccük begrüßt den Bundespräsidenten.

Derweil müssen sich in der Grundschule die Kinder gedulden. Sie dürfen noch nicht nach Hause gehen. Eine Durchsage informiert sie, dass "sich der Unterrichtsschluss verzögert", weil der Besuch des Bundespräsidenten nicht ganz pünktlich über die Bühne geht. In einem Klassenzimmer wird es im Anschluss an den Rundgang noch ein Pressegespräch geben.

10.40 Uhr - Vor der Problemimmobilie

Der Tross hat sich in Bewegung gesetzt und läuft von der Grundschule aus rund 100 Meter weiter zu einer "Problemimmobilie". Hier will Daniela Lesmeister, ehemalige Duisburger Sicherheitsdezernentin und aktuelle Polizeichefin NRW, das Konzept der Task Force erklären.

10.15 Uhr - In der Grundschule

Vor der Schule ist der Spuk vorbei. Drinnen trägt sich der Bundespräsident ins Goldene Buch der Stadt ein. Frau Apachi und Frau Teichmann wohnen genau gegenüber der Städtisch-Katholischen Grundschule Henriettenstraße. Im ersten Stock saßen sie sozusagen auch in der ersten Reihe.

Verkehrschaos in und um Marxloh

Im Duisburger Norden herrscht derweil Verkehrschaos. Die Duisburger Straße ist schon ab Rathaus Hamborn gesperrt. In Marxloh selbst ist nach Angaben unserer Reporter kein Durchkommen. Auf der A42 knubbelt sich der Verkehr wegen der fehlenden Abfahrtmöglichkeit anscheinend auch.

Steinmeier in Marxloh

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht Duisburg Marxloh. An der Grundschule Henriettenstraße begrüßen ihn trommelnde Kinder.
Steinmeier in Marxloh

Die Bahnen der Linie 903 und 901 fahren zur Zeit zwischen den Haltestellen Heckmann und Hamborn Rathaus nicht, laut DVG wurde ein Busersatzverkehr eingerichtet, der allerdings auch im Stau steht. Die Busse der Linie 935 verspäten sich im Bereich Marxloh aufgrund der Straßensperrungen und Umleitungen ebenfalls. Eine Sprecherin geht davon aus, dass sich der Verkehr ab 12.30 Uhr wieder normalisiert.

Viele Polizeiwagen stehen rund um Marxloh, haben Zufahrten zu Sackgassen gemacht. Höflich werde den gestrandeten Autofahrern beim Wenden und Navigieren geholfen, berichtet ein Kollege.

10.00 Uhr - Ankunft des Bundespräsidenten

Mit Trommelklängen werden Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender vor der Grundschule Henriettenstraße in Duisburg begrüßt. Über 200 Journalisten haben sich akkreditiert, um seinen Besuch begleiten zu können.

In den sozialen Netzwerken wird - wie auch schon beim Besuch von Angela Merkel vor zwei Jahren - kritisiert, dass so eine Stippvisite dem Stadtteil auch nicht helfen würde. Andere ärgern sich, dass die schönen Seiten von Duisburg nie gewürdigt würden.

9.30 Uhr - Die Vorbereitungen laufen

Die Schüler der Grundschule Henriettenstraße haben zur Begrüßung ein Trommelstück einstudiert. Yunnan, Jusos, Vladimir, Rafael und Alfred hocken unter einem Pavillion auf dem Schulhof, gut bewacht von der Polizei.

9.00 Uhr - Die Stimmung in Marxloh

Es ist ein trostloser Morgen. Auf den Straßen sind mehr Polizisten als Marxloher zu sehen. Ein bulgarischer Vater bringt seinen Sohn in die Schule. Er hat gehört, dass der Bundespräsident kommt. "Ich spreche nicht gut Deutsch", sagt er.

Heike Nietsche wohnt in direkter Nachbarschaft zur Grundschule Henriettenstraße. Am Fenster beobachtet sie die Szenerie: "Gestern haben Sie hier schon abgeschleppt. So was sieht man ja nicht jeden Tag." Nietsche wohnt seit fünf Jahren in Marxloh. "Ich habe viele türkische und italienische Freunde." Mit Bulgaren und Rumänen gäbe es mehr Probleme.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (42) Kommentar schreiben