Schülerdemo

Bunter Protest von Schülern der Sekundarschule Rheinhausen

Die Sekundarschule Rheinhausen hat für bessere Bedingungen an Brennpunktschulen protestiert

Die Sekundarschule Rheinhausen hat für bessere Bedingungen an Brennpunktschulen protestiert

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Rheinhausen.  Brennpunktschulen haben es besonders schwer. Darauf haben Schüler der Sekundarschule Rheinhausen mit einer besonderen Aktion aufmerksam gemacht.

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Der Rhythmus aus der mobilen Lautsprecherbox zieht die Blicke der Kunden an. Was die Passanten im Eingangsbereich des Duisburger Forums dann vor Augen haben, lässt sich auch gut sehen, so dass sie die Tüten ihrer Einkäufe vom Weihnachtsmarkt erst einmal auf den Boden stellen und die Darbietung der jungen Tänzerinnen und Tänzer gebannt verfolgen. Was dort gekonnt über den Boden der Mall abläuft, ist kein Pausenprogramm, das sich das Management des Einkaufszentrums einfallen ließ, sondern eine Demonstration der Schüler der Sekundarschule aus Rheinhausen.

Die Kernbotschaft prangt auch auf den bunten T-Shirts der 60 jungen Tänzer: „Wir sind Zukunft“. Klar, das ist eine Binsenweisheit. Aber wenn man es ernst meint mit der Zukunft, dann ist das auch mit konkreten Forderungen verknüpft, die auf Transparenten zu lesen sind, die in der zehnminütigen Aufführung immer wieder in den Vordergrund geschoben wurde. „Für uns: eine Schule zum Wohlfühlen“, „Für uns: eine Schule, die uns zum Denken herausfordert“, „Für uns: Lehrerinnen, die nicht nur Stoff unterrichten“, lauten drei dieser Slogans. Die Choreografie haben die Kinder in den letzten zwei Wochen einstudiert.

Ein Song über das Gemeinschaftsgefühl

Da an der Schule die Kinderbühne Bahtalo angesiedelt ist, lag es nahe, einen künstlerisch ausgerichteten Protest zu initiieren. Den Titel „Kommst du mit?“ haben die Schüler schon vor längerer Zeit als eingängigen Song über das Gemeinschaftsgefühl an der Sekundarschule professionell als Video aufgenommen. „Ein neuer Tag, ein neuer Start. Wenn man keinen kennt, das ist sicher hart; wer ist schon gerne Einzelgänger, also komm aus dem Quark und warte nicht länger,“ rappen die Kinder. Andere Schulen, die sich in dem Bündnis Schule3 – bunt solidarisch stark – zusammengeschlossen haben, machten dagegen mit Menschenketten auf ihre Forderungen aufmerksam, so dass das Thema in den Medien gut präsent war.

Die Landesregierung hat schon reagiert. In der vergangenen Woche hat das Schulministerium angekündigt, dass es 350 Euro brutto mehr gibt. „Wir setzen damit einen zusätzlichen Anreiz und wollen Schulen mit Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung ganz gezielt unterstützen“, ließ Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) verlauten. „Ich sage Ihnen, das wird keinen Erfolg haben. Was bleibt denn davon netto übrig?“, stellt Schulleiterin Martina Zilla-Seifert fest, die Flugblätter verteilt. „Aber ich werte es als Erfolg für unser Bündnis“. Für Lehrer, die an einer solchen Schule drei Mal so viel arbeiten müssen, sei das sicherlich kein finanzieller Anreiz.

Stark gewachsener Förderbedarf an Schulen

Das Netzwerk von Schulen in prekären Lagen, das derzeit rund 25.000 Schüler repräsentiert, leitet Forderungen von der sozialen Wirklichkeit ab: Die pädagogischen Herausforderungen haben sich durch die zunehmend gewachsene soziale Kluft potenziert. Mehr Familien sind abhängig von Hartz IV, die Sprachkompetenz ist gesunken und der Förderbedarf insgesamt gewachsen.

Die Schulen fordern bei der Stellenbesetzung eine stärkere Steuerung durch das Ministerium, aber gleichzeitig auch Raum für Flexibilität und Kreativität für die Lehrer durch pädagogische Freiheiten. Außerdem müssen die „armen“ Kommunen, die für den Schulraum verantwortlich sind, gezielt und stärker vom Land gefördert werden. Und weil die Schüler und Zuschauer so einen Spaß hatten, legen die Schüler vor der Linse einer Fernsehkamera gleich noch einmal los. Hinterher strahlt die Schulleiterin: „Die haben das super gemacht!“

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