Ausstellung

Das Duisburger Museum DKM zeigt große Architekturfotografie

Klaus Kinolds vor seinen großformatigen Fotografien des „Tomba Brion“, das der Architekt Carlo Scarpa entwarf.

Klaus Kinolds vor seinen großformatigen Fotografien des „Tomba Brion“, das der Architekt Carlo Scarpa entwarf.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Architektur mit den Augen des Fotografen: Klaus Kinolds Bilder von einem Privatfriedhof, den Carlos Scarpa als Ort der heiteren Meditation schuf.

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Der 1939 in Essen geborene Klaus Kinold hat Architektur bei Egon Eiermann in Karlsruhe studiert, der die deutsche Nachkriegsarchitektur mitgeprägt hat; populär wurden seine „Hortenkacheln“. Klaus Kinold aber hat nie gebaut, er hat Architektur fotografiert. Die Ausstellung „Architektur mit den Augen des Fotografen“ im Museum DKM zeigt ein architektonisches Meisterwerk.

Der venezianische Architekt Carlo Scarpa (1906-1978) schuf ab 1970 für die italienische Unternehmerfamilie Brion, Eigentümer der Kult-Elektronikfirma Briomvega, in San Vito in Venetien einen Familienfriedhof. Auftraggeberin war Oniora Brion, die Witwe von Giuseppe Brion. Auf 2000 Quadratmetern, angrenzend an den Dorffriedhof, bilden Grablege mit Sarkophagen, Pavillon mit Wasserbecken, Kapelle und der zugleich umschlossene wie offene Raum ein Gesamtkunstwerk, das Kinold eindrucksvoll fotografierte.

„La Tomba Brion“ wurde aus Beton und edlen Materialien errichtet

„La Tomba Brion“ schuf Scarpa vor allem aus Beton, das zwischenzeitliche verpönte und jetzt als Sichtbeton wieder gefragte Material. Kunstvoll geformt, fein abgetreppt, einer klaren geometrischen Sprache, kombiniert mit goldenen Mosaiksteinen, Fenstern aus Alabaster und edlen Steinen und Hölzern, die von traditioneller Handwerkskunst zeugen, hat Scarpa auch Wasser und Pflanzen als Symbole für das Leben einbezogen. „Einen heiteren Ort der Meditation“ wollte er schaffen.

Kinold, der früh vor seinem streng katholischen Elternhaus in Essen nach München geflüchtete ist und dort blieb, wie er gestern vor der Ausstellungseröffnung sagte, hat kongenial fotografiert. Die großformatigen Fotografien, die alle mit einer Hasselblad-Kamera (großformatig und analog) bei diffusem Licht aufgenommen wurden und fast farblos erscheinen, beeindrucken die Sammler und Museumsgründer Dirk Krämer und Klaus Maas mit ihren Details, die sowohl die Kunst Scarpas als auch die Kinolds offenlegen: einen stille Schönheit.

Eine Frühlingstag im Jahr 1985

Entstanden sind die Aufnahmen an einem Tag im Frühling 1985. Noch ist kein Besucher gekommen, die Anlage bröckelt schon, nur den Friedhofsgärtner muss Kinold stoppen, damit der Löwenzahn auf der Wiese bleibt, der auf den Fotografien einige Farbtupfer setzt. Es sind stimmungsvolle Bilder. Scarpa hat einmal scherzhaft gesagt: „Auf diesem Friedhof könnte man sich genauso gut auf den Grasboden legen, den Blick… schweifen lassen und ein Glas Wein genießen.“

In zwei weiteren Räumen sind Schwarz-Weiß-Fotografien von Kinolds Reisen nach Venedig und Verona zu sehen. Hier tauchen zwar Menschen auf, sie stehen aber nicht im Mittelpunkt. Dafür enthüllen die Fotografien auch hier architektonische Details, die man im Vorübergehen leicht übersehen kann.

Dirk Krämer und Klaus Maas, sich als „große Venedig-Fans“ im Veneto viele Gebäude von Scarpa angeschaut haben, sind die Fotografien Kinolds, der viel für Architekturverlage und die Fachpresse gearbeitet hat, zum ersten mal auf einer Messe in Berlin begegnet. Sie erwarben eine Fotografie der Treppenanlage in der Alten Pinakothek in München. Und planen jetzt weitere Ausstellungen mit Klaus Kinold.

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