100 Jahre Bauverein

Der Bauverein bot einen Ausweg aus der Not

Volker Seemann, Vorstandsvorsitzender des Bauverein, führte informativ durch die Geschichte der Genossenschaft. Foto: Bauverein

Volker Seemann, Vorstandsvorsitzender des Bauverein, führte informativ durch die Geschichte der Genossenschaft. Foto: Bauverein

Der Bauverein entstand im ersten Jahr nach dem ersten Weltkrieg. Auch für die Zukunft gibt es für die Genossenschaft große Herausforderungen.

Engagiert, nachhaltig und bescheiden zugleich. So wie in den vergangenen 100 Jahren verliefen jetzt auch die Feierlichkeiten des Bauvereins Rheinhausen. Zuerst wurde es in der gut gefüllten Rheinhausen-Halle offiziell. Eingerahmt von den gewohnt witzigen Darbietungen der Rheinhauser Kult-Musiker „Pfropfen“ wurden Ehrengäste gleich im Dutzend begrüßt. Die Granden des Bauvereins, die von Duisburg-Bürgermeister Volker Mosblech angeführten Repräsentanten aus Duisburg und Moers, die Wohnungswirtschaft der IHK, befreundete Wohnungsunternehmen, viele geschäftlich verbundene Unternehmen und Partner sowie, natürlich, die Mietervertreter.

Besonders hervorgehoben wurde die Organisation Gänseblümchen-NRW, für die der Bauverein zum Jubiläum um eine Spende gebeten hatte. 10.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Das Ziel der gemeinnützigen Einrichtung ist es, an Krebs erkrankten Kindern und deren Familien zu helfen und sie zu unterstützen.

In seiner faktenreichen Festrede beschrieb Vorstandsvorsitzender Volker Seemann das Gründungsjahr - es war das erste Jahr nach dem ersten Weltkrieg- in dem der freie Wohnungsmarkt versagte, so dass er durch die Einführung der „Wohnungszwangswirtschaft“ außer Kraft gesetzt werden musste. Dazu gehörten Instrumente wie Mieterschutz, staatliche Mietpreisregelungen, öffentliche Wohnungsbauförderung und das Wohnungsmangelgesetz, mit dem Zwangseinquartierungen weiter zugelassen und die Altbaumieten auf Vorkriegsniveau eingefroren wurden.

Wichtiger Partner des Staates

Die gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaften avancierten zu wichtigen Partnern des Staates, wurden von der Körperschaftsteuer befreit und durften ihre Mieten unabhängig vom Reichsmietengesetz gestalten. Nach Ende der Weimarer Republik und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde die Gleichschaltung in vielen Lebensbereichen betrieben. Das betraf auch die Wohnbau-Genossenschaften, doch die Bauvereine Rheinhausen und Friemersheim wehrten sich mit allen Mitteln erfolgreich gegen eine Verschmelzung.

Wiederaufbau und Wirtschaftswunder

Es folgten die Nachkriegsjahre mit Wiederaufbau und dann dem Wirtschaftswunder – es wurde gebaut, was die Maurerkellen hergaben. Ein Handicap der besonderen Art gab es Ende der 80er Jahre, als der Staat aufgrund des ausgeglichenen Wohnungsmarktes die Gemeinnützigkeit im Wohnungswesen per Artikelgesetz abschaffte.

Auch für die „nächsten 100 Jahre“ hatte der Bauverein-Kapitän eine Botschaft parat: In Duisburg seien nur 76 Prozent des Wohnungsbedarfs an Neubauten gedeckt, im Visier müsse der Bauverein haben den demographischen Wandel, den Klimawandel, die Digitalisierung und das nachhaltige Wirtschaften mit knappen Ressourcen.

Tags drauf regierte dann das „Hier und Jetzt“. Der Bauverein hatte mit viel Liebe im Volkspark eine kleine Zeltstadt aufgebaut, über 2000 Menschen gaben sich hier ein sonntägliches Stelldichein. Abwechslungsreich das Programm, es musizierten bei bestem Wetter die bereits erwähnten Blödelbarden, der Männer- und Frauenchor Rumeln und die landesweit bekannten „Musical Kids“.

Den Tugenden verpflichtet

In vielen Gesprächen wurden immer wieder die Tugenden deutlich, denen sich die Genossenschaft auch heute noch verpflichtet fühlt: Gemeinnützigkeit, Rechtschaffenheit und Treue.

>>>>>Mieten und Investitionen<<<<<

Die Genossenschaft hat 5483 Mitglieder, die 18.801 Anteile halten. Sie verfügt über rund 3250 Wohnungen in 550 Häusern und rund 100 gewerbliche Immobilien. Die monatliche Durchschnittsmiete beträgt 4,89 Euro pro Quadratmeter. Jüngstes Projekt ist der Wohnpark Bergheim mit 128 Wohnungen und einem Investitionsvolumen von rund 18 Millionen Euro. In die Modernisierung des Bestandes flossen 11 Millionen Euro.

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