Besuch in Marxloh

Der Bundespräsident kommt mit der Limousine nach Marxloh

OB Sören Link, Polizeipräsidentin Elke Bartels und Dezernentin Ex-Dezernentin Daniela Lesmeister waren beim Rundgang ebenfalls dabei.

OB Sören Link, Polizeipräsidentin Elke Bartels und Dezernentin Ex-Dezernentin Daniela Lesmeister waren beim Rundgang ebenfalls dabei.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Prominenter Besuch im Duisburger Norden: Frank-Walter Steinmeier besucht die Kinder der Grundschule Henriettenstraße.

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Yunus, Jusif, Vladimir, Rafael und Alfred hocken auf dem Pausenhof der Grundschule Henriettenstraße und warten. Der Bundespräsident kommt zum Antrittsbesuch nach Nordrhein-Westfalen und sie sollen zur Begrüßung trommeln.

„So zwei Wochen haben wir geübt“, schätzt Vladimir. Vom Bundespräsident hat der Elfjährige aus Bulgarien schon mal gehört: „Cool, dass der kommt.“ Aufgeregt ist er nicht. Klassenkamerad Rafael findet viel interessanter, wie viel Polizei sich rund um die Henriettenstraße postiert. „Kommt der Präsident mit ‘ner Limousine?“ rätselt er. Jawohl. Erst fahren Polizeiautos vor. Dann folgt ein schwarzer Wagen mit Deutschlandfahne. „Standarte heißt das“, erklärt ein Erwachsener den Kindern. „Wallah, der fährt ja BMW“, sagt Rafael ehrfürchtig.

Präsident und seine Frau schreiten über den Schulhof

Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender steigen aus, begrüßen einige Nachbarn und schreitet dann über den Schulhof. Vor dem Pavillon stoppt er und hört sich das Getrommel an. „Toll macht ihr das“, lobt die First Lady. Bei einem kurzen Plausch erzählen ihr die Jungs, dass sie sich über den Besuch freuen. Nur eines will Rafael wissen: „Wer von euch ist denn jetzt der Präsident?“ Steinmeier nimmt es locker: „Das bin ich“, erklärt er dem Jungen. Später schaut er sich die Grundschule an und erfährt von Schulleiterin Regina Balthaus-Küper ohne die Presse, wie der Alltag in der Grundschule mit mehr als 90 Prozent Migrantenkindern läuft.

Draußen wartet die Marxloherin Heike Nietsche. Sie ist Nachbarin der Henriettenstraße. „Herr Steinmeier ist auf jeden Fall sympathischer als Frau Merkel. Die wurde damals ausgebuht.“ Sylvia Brennemann, die sich am Petershof engagiert, hat einen politischen Wunsch: „Es wäre gut, wenn sich die Politiker darum kümmern könnten, dass die Menschen endlich krankenversichert werden.“

Besuch vor einer Schrottimmobilie

Dieter Trogisch wartet ein paar Meter weiter vor der Schrottimmobilie, die ebenfalls auf dem Terminplan steht. „Früher haben wir kaum Schlaf bekommen, es war ständig Palaver“, berichtet er. Doch nun ist Ruhe und „hier lässt es sich ganz gut leben.“ Trogisch hat die Baumscheiben zu kleinen Gärten umfunktioniert. An einen Zaun hat er ein Bild von Herrn Steinmeier und seiner Frau geklebt: „Herzlich willkommen“ steht darauf. Tatsächlich hat er kurz Gelegenheit, ihn anzusprechen. Doch dann schieben die Sicherheitsleute den Bundespräsidenten wieder weiter. Es soll noch ein Brautmodengeschäft besichtigt werden.

Zwei Stunden dauert die Stippvisite. Zurück bleibt die Hoffnung, dass die Wünsche in Berlin gehört werden.

Verunglimpfung am Rande des Besuchs

Die Polizei hat die Straßen von Marxloh während des Besuchs weiträumig abgeriegelt. Die Straßenbahnen konnten zwischen „Heckmann“ und „Hamborn Rathaus“ nicht fahren, stattdessen wurden Busse eingesetzt. Auch Autofahrer mussten Umwege in Kauf nehmen.

Es gab eine Festnahme. Die Polizei hat einen Mann abgeführt, der womöglich strafrechtlich relevante Beleidigungen Richtung Steinmeier brüllte. Gegen ihn wird wegen Verunglimpfung des Bundespräsidenten sowie Widerstands gegen die Polizei ermittelt.

Nicht alle sind begeistert vom hohen Besuch

Nicht alle sind begeistert vom Besuch des Bundespräsidenten. Eine Nutzerin kommentiert auf Facebook: „Das was er zu sehen bekommt ist nicht Marxloh, das ist ein abgesperrtes gesäubertes Gebiet.“ Oberbürgermeister Sören Link zieht indes eine überwiegend positive Bilanz: „Ich freue mich, dass sich der Bundespräsident die Zeit genommen hat, unsere Stadt zu besuchen. Die Gespräche waren sehr offen und konstruktiv. Ich konnte noch einmal deutlich machen, dass wir in den Bereichen Integration, Problemimmobilien und Sauberkeit mit hohem Einsatz auch Erfolge erzielen konnten, wir allein aber die Herausforderung der Integration von über 18 400 Armutszuwanderern in Duisburg nicht stemmen können. Ich hoffe deswegen, dass der Bundespräsident einen realistischen Eindruck mit nach Berlin nimmt und dort auch transportiert, dass es Städte wie Duisburg gibt, in denen es besondere Problemlagen gibt. Für diese Städte muss Unterstützung her - das sind wir den Menschen vor Ort schuldig.

Lesmeister: Duisburg hat besondere Problemlagen

Die ehemalige Dezernentin Daniela Lesmeister, die die Arbeit der Taskforce vorstellte, sagt rückblickend: „Der Bundespräsident war sehr interessiert und sehr gut informiert. Es ist deutlich geworden, dass Duisburg besondere Problemlagen hat, die es nicht in jeder Großstadt gibt und wir Hilfe benötigen.“

Heiner Maschke, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Duisburg, erklärt: „Als Entwicklungsgesellschaft arbeiten wir für Marxloh, aber auch für Hochfeld. Es ist gut, dass wir unsere Arbeit vorstellen konnten und er das Anliegen mit nach Berlin nimmt.“ OB Link betont aber auch: „Duisburg besteht definitiv nicht nur aus Problemimmobilien. Wir hätten unserem prominenten Besuch gerne auch andere Seiten unserer Stadt gezeigt. Ich hoffe, dass sich das beim nächsten Mal realisieren lässt, denn Duisburg hat so viel Positives zu bieten.“

Steinmeier kennt auch die schönen Seiten 

Herr Bundespräsident, warum besuchen Sie Duisburg?

Wir wollen bei unserem Besuch auch sehen, wo es noch was zu tun gibt. Wir wissen natürlich, dass der Strukturwandel und der Wegfall von Arbeitsplätzen in der Stahl und Kohle-Industrie, Zuwanderung und Integration zu Problemen führt. Das ist natürlich Verantwortung von allen staatlichen Ebenen, aber es fällt als erste Aufgabe in den Kommunen an. Deshalb hatten wir Interesse daran, in Duisburg zu sehen, wie geht man mit den Herausforderungen um.

Wie ist Ihr Eindruck?

Natürlich sind die Herausforderungen riesengroß. Aber man sieht auch in diesem Stadtteil, wie viel schon bewältigt worden ist, wie sehr sich die Menschen bemühen. Einerseits Menschen, die ganz privates Engagement zeigen, die versuchen, die neu Angekommenen hier in die Gemeinschaft einzubinden . Wir sehen das aber auch in eine städtische Politik, die sich gerade um diesen Stadtteil sehr bemüht.

Waren Sie denn vorher schon einmal in Duisburg?

Ich bin ja in Detmold geboren. Natürlich war ich auch schon mal in Duisburg und kenne andere Ecken. Wir waren hier mal ein Eis essen. Wenn man Berlin und andere Großstädte in Deutschland kennt, dann ist Marxloh sicherlich kein hässlicher Stadtteil.

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