Analyse

Forscher: Der springende Punkt beim Fußball ist das Geld

Ronaldo verdient bei Juventus Turin fürstlich.

Ronaldo verdient bei Juventus Turin fürstlich.

Foto: Luca Bruno

Duisburg.  Jochen Prinz und Daniel Weimar, Sportökonomen an der Uni Duisburg-Essen, beleuchten die wirtschaftliche Entwicklung des europäischen Fußballs.

Die Wechselfrist ist abgelaufen, die Sommerpause zu Ende, der Ball rollt wieder in den europäischen Fußball-Profiligen. Für den „Campus-Report“ der Universität Duisburg-Essen haben die Sportökonomen Prof. Dr. Joachim Prinz und Dr. Daniel Weimar zum Saisonstart einen Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen 30 Jahre geworfen. Mit ihnen sprachen wir über die wichtigste Nebensache der Welt und ihre Zukunft.

Reichtum

Das Volumen des Geschäfts hat sich enorm ausgeweitet. Bei Profis und Fans ist die Gehaltschere ähnlich weit auseinandergeklafft wie bei Managern und Mitarbeitern in Konzernen. Begonnen hat die Entwicklung hier mit dem Privatfernsehen und der Live-Übertragung der Bundesliga Mitte der 1980er Jahre, in England bereits früher.

Ablösesummen

Seit dem Bosman-Urteil 1996 machen die Vereine keine Rentenverträge mehr mit den Spielern. Auch die Berater sind interessiert an kürzeren Laufzeiten. Die Topstars profitieren besonders, wenn sie jedes Mal neu verhandeln können. Dass durch die Freizügigkeit die Märkte offener geworden sind, begünstigt die Entwicklung. Fernsehgelder und zuletzt die Vermarktung der Internet-Rechte bringen zusätzliches Geld in den Markt. Ein einmal aufgezeichnetes Spiel kann so zu null Kosten mehrfach lukrativ vermarktet werden.

Ronaldo-Transfer

Ich vermute, in zwei Jahren hat Juventus die 117 Millionen Ablöse verdient. Durch Trikot-Verkäufe und Vermarktungsrechte. Und weil über Juve gesprochen wird. Das ist doch seit zehn Jahren nicht mehr passiert. Ein solcher Transfer zieht nicht nur Sponsoren, sondern auch weitere Spieler an. Er ist zwar schon 33, aber ein Ausnahmespieler.

Ausländische Märkte

Manchester United hat sich schon vor 25 Jahren intensiv mit dem chinesischen Markt auseinandergesetzt. Die ersten deutschen Clubs haben darauf erst mit zehn Jahren Verzögerung reagiert. Dieser Vorsprung der Engländer bei der Ausweitung der internationalen Märkte besteht in Asien auch weiterhin.

Grenzen des Wachstums

Mit Plänen, etwa in Spanien, Liga-Spiele in Übersee auszutragen, werden die Fans als Geisel genommen. Ähnliche Phänomene haben wir im Radsport – die Tour de France beginnt auch nicht mehr in Frankreich – und im US-Eishockey und American Football. Aber in diesen Ligen gibt es auch mehr Spiele. Alle Vermutungen, dass sich der Fußball sein eigenes Grab schaufelt, haben sich aber bisher nicht bestätigt. Passiert ist eher das Gegenteil.

Talente

Die Vereine brauchen immer mehr Geld, um die besten Talente zu verpflichten. Es ist ein Rattenrennen. Wer die Kommerzialisierung nicht mitmacht, muss sich irgendwann hinten anstellen. Wenn der erste beginnt, neue Quellen zu erschließen, müssen die anderen mitmachen. Dennoch wird auch weiterhin einer Letzter und steigt ab. Das ist das große Risiko. Wer einmal den Anschluss verpasst, oder weil er zu lange auf das falsche Modell setzt, kommt nicht mehr ran. Dafür gibt es auch im Ruhrgebiet genügend Beispiele.

Zuschauer und Fans

Es wundert uns schon, dass sie das noch mitmachen, diese Preise zahlen. Vor allem die Engländer, die für Dauerkarten und TV-Abos bezahlen, kann man kaum noch verstehen. Gemessen daran ist in der Bundesliga noch viel Luft nach oben.

Financial Fairplay

Das gibt es nicht. Da ist es wie in den Major Leagues der USA. Es macht auch wenig Sinn, das anzustreben, denn die Einzelinteressen der Vereine sind zu groß. Es ist immer jemand da, der frisches Geld hereinbringt. Es wird auch künftig Wege geben, selbst Deals wie den von Neymar noch zu überbieten.

Die Investoren

Es ist viel Liquidität im Markt, deshalb sehen sie mehr Sinn darin, ihr Geld in Fußball zu investieren, als es etwa zu niedrigen Zinsen anzulegen. Es ist ein Geschäft, das vielleicht nicht in erster Linie monetär zu bewerten ist. Es bringt aber Prestige und die Investoren haben eine langfristige Strategie. An Werbeeinnahmen hängen manchmal auch die eigenen Geschäfte. Ein Beispiel ist das Engagement des Software-Herstellers Kaspersky im Radsport – er verspricht sich davon einen Werbeeffekt. Irrational ist das Verhalten also nicht. Es geht auch um Diversifizierung – das eigene Vermögen noch weiter aufzuspalten.

Ökonomischer Nutzen

Die Investiton wird nicht nur monetär bewertet, der Nutzen besteht auch in Image und Prestige. Wenn jemand milliardenschwer ist, freut er sich vielleicht mehr über 10 000 zusätzliche Klicks in sozialen Medien als über eine weitere Million. Wahrscheinlich ändert sich irgendwann einfach die Währung.

Die Zukunft der Bundesliga

Mit der 50+1-Regel kann sie nicht mehr lange ökonomisch erfolgreich sein. Das Rennen verschärft sich weiter. Die Premier-League ist schon ganz weit weg, sie zieht auch die US-Investoren an. Die richtig guten Spieler werden alle dahin gehen, wo das meiste Geld bezahlt wird. Bei den Trainern zeichnet sich das schon ab. Aber wenn sich alles auf England konzentriert dann wäre eine europäische Champions-League vielleicht irgendwann auch nicht mehr spannend für die Zuschauer. Dann könnte es sein, dass sich der Fußball selbst abschafft.

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