Sozialunternehmen

Diakoniewerk Duisburg fürchtet die Folgen der Corona-Krise

Auch die sieben Sozialkaufhäuser des Diakoniewerks mussten während des Lockdowns schließen. Seit Ende April sind die KaDeDi wieder geöffnet.

Auch die sieben Sozialkaufhäuser des Diakoniewerks mussten während des Lockdowns schließen. Seit Ende April sind die KaDeDi wieder geöffnet.

Foto: Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Das Diakoniewerk Duisburg sei gut durch die Corona-Krise gekommen, sagt Geschäftsführer Udo Howat. Der finanzielle Schaden ist dennoch erheblich.

Beim Diakoniewerk ist in der Corona-Pandemie Kreativität gefragt, um an 35 Standorten die etwa 50 verschiedenen Angebote aufrecht zu erhalten. „Es war schwierig, aber wir sind bisher gut durch die Krise gekommen“, berichtet Udo Horwat. Der Geschäftsführer der Einrichtung, die sich um Menschen, am Rande der Gesellschaft kümmert, sorgt sich aber um die Zukunft der Wohlfahrtspflege: „Sozialunternehmen brauchen verlässliche finanzielle Zusagen, um Menschen in Notlagen helfen zu können. Wir fragen uns, ob Kommunen, Landschaftsverbände, Arbeitsagentur und Jobcenter künftig das nötige Geld zur Verfügung stellen können.“

Versorgung für Obdachlose konnte gesichert werden

Die gute Nachricht: Weder bei den gut 500 Mitarbeitern des Diakoniewerks, noch bei den Klienten gab es bisher schwere Erkrankungen durch das Virus. Keine Selbstverständlichkeit besonders in den stationären Einrichtungen, wo Jugendliche, psychisch Erkrankte, Suchtkranke und Wohnungslose betreut werden. Auch in den ambulanten Diensten habe es „kaum Kontaktabbrüche“ gegeben, bilanziert Horwat, „wie haben viel auf telefonische Beratung und digitale Angebote umgestellt, aber auch persönliche Kontakte dort möglich gemacht, wo es nötig war.“

In gemeinsamer Anstrengung mit dem Sozialamt der Stadt, Streetworkern, Vereinen wie Immersatt und „Gemeinsam gegen Kälte“ sei es gelungen, die Versorgung von Wohnungslosen aufrecht zu erhalten. „Für diese Menschen war der Lockdown eine ganz schwere Zeit, weil es Einkommensmöglichkeiten wie Flaschensammeln nicht mehr gab“, erklärt Horwat. Aus dem Notfallpaket von NRW-Sozialminister Laumann bekamen die Duisburger Träger rund 18.000 Euro, damit konnten seit Ostern Gutscheine für Lebensmittel, Kleidung und Hygieneartikel verteilt werden. Der Suchthilfeverbund setzte Spritzentausch, Postausgabe und telefonische Beratung fort.

Gruppenangebote stark eingeschränkt

Stark eingeschränkt waren andere Bereiche: Das „Café Mittendrin“ als offener Treff für psychisch kranke Menschen blieb geschlossen, Gruppen für Familien können nicht angeboten werden, Tagesgruppen arbeiten mit einer Notbetreuung, Ausflüge und Sommerfeste dürfen nicht stattfinden. Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen sind vermutlich frühestens im zweiten Halbjahr wieder möglich.

360 Arbeitsgelegenheiten während des Lockdowns ausgesetzt

Digitale Lernangebote ersetzten in den Qualifizierungs- und Ausbildungsangeboten den Präsenzunterricht, der zumindest für die Abschlussjahrgänge seit Anfang Mai wieder stattfinden kann. Für die termingerechte Abarbeitung von Aufträgen, etwa im Garten- und Landschaftsbau und der Friedhofsgärtnerei, „haben die angestellten Mitarbeiter die Ärmel hochgekrempelt“, berichtet der Geschäftsführer. Ausgesetzt hat die Agentur für Arbeit die 360 Arbeitsgelegenheiten, die das Diakoniewerk in seinen Betrieben und Sozialkaufhäusern anbietet. Seit Ende April sind die Kaufhäusern wieder offen, die Kurzarbeit für die Angestellten ist beendet, auch die Arbeitsgelegenheiten dürfen freiwillig fortgesetzt werden. „Etwa die Hälfte der Teilnehmer hat zugesagt, ab Ende Mai wieder zu arbeiten“, so Horwat.

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Finanziell trifft die Aussetzung des sozialen Arbeitsmarktes nicht nur die Teilnehmer, auch dem Diakoniewerk entgehen wichtige Einnahmen zur Refinanzierung seiner Arbeit. Erhebliche Mindereinnahmen sind auch in anderen Angeboten absehbar, etwa in der Sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft am Bertha-Krankenhaus in Rheinhausen, wo die Anfragen für Plätze von entlassenen Strafgefangenen „massiv rückläufig“ sind. Zwar sehe das Infektionsschutzgesetz die Möglichkeit der Personalkosten-Erstattung vor, das Diakoniewerk werde aber wohl vom Schutzschirm für Sozialunternehmen Gebrauch machen, kündigt Horwat an. „Im Moment können wir die Höhe des finanziellen Schadens noch nicht beziffern.“

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