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Droht dem Wald an der Uni Duisburg-Essen der Kahlschlag?

„Der Erhalt dieses Waldestückes hat für uns oberste Priotität“, sagt Dr. Johannes Meßer, Vorsitzender des Beirates der Unteren Naturschutzbehörde (UNB).

Foto: Lars Fröhlich

„Der Erhalt dieses Waldestückes hat für uns oberste Priotität“, sagt Dr. Johannes Meßer, Vorsitzender des Beirates der Unteren Naturschutzbehörde (UNB). Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Für Wohnen und Gewerbe sollen nach dem Willen der Stadt langfristig 170 Hektar Landschaftsschutzgebiet verbraucht werden. Darunter 15 ha Wald.

„Kahlschlag in Sicht?“, dies ist der alarmierende Titel einer neuen Serie dieser Zeitung, mit der die Redaktion auf die warnenden Protestrufe von Umwelt- und Naturschützern, aber auch auf die deutliche wie kritische Stellungnahme des Beirates der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) zum Vorentwurf des städtischen Flächennutzungsplanes 2016 eingeht.

Hintergrund: Auf der Suche nach neuen Flächen für Wohnen, Industrie und Gewerbe sollen nach dem Willen der Stadtverwaltung und der Ratsmehrheit aus SPD und CDU in den kommenden zehn Jahren bis 2027 stattliche 170 Hektar (= 1,7 Millionen Quadratmeter) an freier Landschaft in der Stadt für neue Bebauung verbraucht werden.

„Eine planerische Sünde ohnegleichen“

Unter den zur Bebauung vorgesehen Flächen befinden sich auch 15 Hektar wertvolle Waldflächen. Wald gegen Gewerbe? Nach Einschätzung des Expertenbeirates der UNB wäre allein dies eine planerische Sünde ohnegleichen, ein „ungehemmter Flächenfrass“, der die Lebensqualität für die Menschen in der Industriestadt nur weiter absenken würde. Wird Duisburg immer grauer?

Die Redaktion stellt in einer kleinen Serie alle drei Waldflächen im Stadtgebiet vor, die die Stadtplaner und die rot-schwarze Ratsmehrheit für künftig geplantes Gewerbe & Co. bereit wären, herzugeben: Hier ist Kahlschlag geplant!

Zum Beispiel eine 40.000 Quadratmeter große Waldfläche (Foto) zwischen dem Parkplatz der Universität zwischen der Carl-Benz-Straße in Neudorf und der Autobahn A3. Aus der Luft betrachtet sehen die vier Hektar Duisburger Alt-Wald wie ein letztes Stück Torte auf einem bereits reichlich abgegessenen Teller aus. „Der Erhalt dieses Waldestückes hat für uns oberste Priotität; die Uni wurde einst in den Duisburger Wald hineingebaut“, sagt Dr. Johannes Meßer, Vorsitzender des Beirates der UNB, „jetzt wird hier eine weitere Fläche für die Hochschule geplant.“

„Politik wie Planungsverwaltung ignorieren eigenen Umweltbericht“

Eine Planung, die aber nicht auf Initiative der Uni fußt. Die Universität, so erklärte gestern ihre Sprecherin Ulrike Bohnsack, habe auf der markierten Waldfläche „keinerlei Vorhaben oder Bedarfe bei der Stadt angemeldet.“

Um so gravierender, dass ein kostbarer Teil des Stadtwaldes, ein gemischter , strukturierter Bestand an kostbaren Alt-Bäumen wie Buchen, Eichen, Linden, Bergahorn und Birken, viele 150 Jahre alt und älter, in dem neuen Plan als Gewerbefläche ausgewiesen wird.

Die Auswirkungen auf Mensch und Natur dieses Flächenverbrauches im Wald, so erklärt der Beirats-Vorsitzende Meßer, seien in einem eigens verfassten Umweltbericht zusammengetragen, der vom Umweltamt der Stadt dem geplanten Flächennutzungsplan beigefügt sei, und der es an warnender Deutlichkeit nicht fehlen lasse. Meßer: „Leider aber ignorieren einfach Politik wie Planungsverwaltung den eigenen Umweltbericht!“

Dieser mahnt: Diese 4 Hektar Wald an der Uni haben eine wichtige Pufferfunktion zu angrezenden Verkehrsachsen. Mit seinem Verschwinden seien Tierarten wie der Waldkauz, die Waldohreule sowie Fledermäuse gefährdet. Die Bio-Diversität stehe hier auf dem Spiel. Zudem sei das Schutzgut „natürlicher Waldboden“ - eine große Rarität in Duisburg - besonders gefährdet.

Appell: Künftig flächensparend bauen

Das Schutzgut „Klima und Luft“ werde durch diesen Eingriff erheblich beeinträchtigt, da ein „Randbereich eines bioklimatischen Ausgleichsraumes beansprucht“ werde. Auch das Schutzgut „Landschaftsbild und Erholung“ sei bedroht.

Und schließlich weiche der städtische Plan an dieser Stelle vom Regionalplan ab. Wieso? Meßer appelliert an die Uni, künftig flächensparend zu bauen, wenn sie denn dort unbedingt bauen müsse. Warum nicht den vorhandenen Parkplatz einfach überbauen? Oben Büros, unten Parkplätze und der Wald könne unbehelligt weiterbestehen.

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