Karneval

Duisburg ganz jeck: Die zehn größten Karnevalsvereine

Ein buntes Bild: Bei den Aufmärschen zum Hoppeditzerwachen – hier in Hamborn – und am Rosenmontag kommen fast alle Duisburger Vereine zusammen.

Ein buntes Bild: Bei den Aufmärschen zum Hoppeditzerwachen – hier in Hamborn – und am Rosenmontag kommen fast alle Duisburger Vereine zusammen.

Foto: Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Rund 6000 Narren sind Mitglied in einer der rund 40 Duisburger Karnevalsgesellschaften. Wir stellen die zehn größten vor.

Am Samstag beginnt mit der Prinzenkürung wieder die Phase des Sitzungskarnevals. Bereits am ersten Januar-Wochenende laufen die ersten Veranstaltungen. Genau der richtige Zeitpunkt, um sich die Vereins-Landschaft einmal näher anzusehen.

Rund 40 Karnevalsvereine gibt es in Duisburg. Unter deren fast 6000 Mitgliedern sind mehr als ein Fünftel Kinder und Jugendliche. Von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, gehören die Vereine dem Bund Deutscher Karneval, dem bundesweiten Dachverband der Narren an. Gut drei Viertel der Gesellschaften sind im Hauptausschuss Duisburger Karneval organisiert.

Und das sind die zehn größten Gesellschaften in Duisburg:

1. KG Grün-Weiß Walsum: 390 Mitglieder

2. KG Südstern Serm: 282 Mitglieder

3. 1. GKG Rot-Weiß Hamborn-Marxloh: 260 Mitglieder

4. KG Rote Funken: 231 Mitglieder

4. KG Alle Mann an Bord „Die Blauen Jungs“: 231 Mitglieder

6. 1. Ruhrorter Karnevalsgesellschaft Weiß-Grün: 210 Mitglieder

7. Narrenzunft Homberg: 207 Mitglieder

8. KG Sonniger Süden Blau-Rot: 187 Mitglieder

9. Prinzengarde der Stadt Duisburg: 183 Mitglieder

10. KG Rot-Weiß Alt-Walsum: 180 Mitglieder

Die Angaben bei den Positionen 2 bis 9 beruhen auf Angaben des Hauptausschusses Duisburger Karneval, dem die Mitgliedsvereine jährlich ihre Mitgliederzahlen melden. Die Zahlen der Positionen 1 und 10 stammen von den beiden Walsumer Gesellschaften.

1. Platz: KG Grün-Weiß Walsum, 390 Mitglieder

Die Karnevalsgesellschaft wurde 1963 gegründet. Von den knapp 400 Mitgliedern ist ein Drittel aktiv. Allein 85 davon wirken in den Programmen mit, die zum größten Teil aus eigenen Reihen bestritten werden. Die Gesellschaft verfügt über ein Männerballett, drei Tanzgarden, Redner, Sänger und zwei Comedy-Gruppen.

Der Verein, der jedes Jahr ein eigenes Prinzenpaar kürt, bestreitet nicht weniger als neun Saalveranstaltungen in der Walsumer Stadthalle, zu denen fast 4000 Besucher pilgern. Hinzu kommt die Open-Air-Veranstaltung auf dem Kometenplatz am Altweibertag.

Grün-Weiß Walsum ist nicht Mitglied im Hauptausschuss Duisburger Karneval. Das hat weniger mit Ressentiments denn mit den möglichen Folgen zu tun: Pro verkaufter Karte müsste dann ein „Zuggroschen“ (tatsächlich ein Euro) zusätzlich erhoben und an den HDK abgeführt werden. Und die Grün-Weißen wären zur Teilnahme am Rosenmontag verpflichtet. Traditionell beschränken sich die Walsumer aber lieber auf den Sitzungskarneval.

2. Platz: Südstern Serm, 282 Mitglieder

Auch im Festzelt in Serm sind noch viele Eigengewächse zu sehen. Die 1947 gegründete Gesellschaft setzt sich aus dem Elferrat, einem Amazonenkorps, der Prinzengarde und der großen und kleinen Tanzgarde – „Südsterne“ und „Sternschnuppen“ – zusammen. Bei der Prinzenkürung wird alljährlich eine neue Vereinstollität vorgestellt. Wer es wird, gehört bis zur letzten Minute zu den bestgehüteten Geheimnissen im Duisburger Karneval. Angeblich wissen davon bis zum Einzug in das Zelt nur drei Personen. In jeder Session gibt es auch ein neues Kinderprinzenpaar.

Der Verein bestreitet ein halbes Dutzend Veranstaltungen im Zelt, das auf vereinseigenem Gelände steht. Alljährlich herrscht am Karnevalssonntag Ausnahmezustand in Serm: Dann ziehen die Südsterne mit zahlreichen Gast-Gesellschaften durch das „Kappesdorf“.

3. Platz: Rot-Weiß Hamborn-Marxloh, 260 Mitglieder

Die 1. Große Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Hamborn-Marxloh erblickte 1958 das Licht der Närrischen Welt. Zu den Korporationen, also den Unter-Abteilungen des Vereins, gehören der Elferrat, die Stadtwache, die persiflierenden „Teuflischen Engel“ und die Tanzgarde. Eine zahlenmäßig starke Kindergarde beweist gute Nachwuchsarbeit. Jedes Jahr laden die Rot-Weißen zu einer Prunksitzung in der Clauberg-Halle und zu einer Damensitzung und gestalten mit der befreundeten KG Marxloher Jecken eine Herrensitzung.

Rot-Weiß war maßgeblich daran beteiligt, ein gemeinsames Hoppeditzerwachen aller im Norden Duisburgs beheimateten Karnevalsgesellschaften ins Leben zu rufen. Seit mehr als zehn Jahren wird – nach einem karnevalistischen Gottesdienst in der Hamborner Abteikirche – zu Sessionsbeginn gemeinsam gefeiert. Und nicht zuletzt richten die Hamborn-Marxloher – im Auftrag des Hauptausschuss Duisburger Karneval – alljährlich den Kinderkarnevalszug aus, der am Karnevalssonntag durch Hamborn zieht.

4. Platz: Rote Funken, 231 Mitglieder

Die roten Husaren werden wegen ihrer über der linken Schulter getragenen Überjacke - der Uniform-Fachmann nennt das Pelz-, scherzhaft auch „halbe Jacken“ genannt. Die 1949 gegründete Karnevalsgesellschaft ist die einzige in Duisburg mit einem Traditionstanz: Beim „Stippeföttkes“ werden nicht nur die Sitzflächen herausgestreckt, sondern ein eigenwilliger humpelnder Marschtritt persifliert auch den Gang eines betrunkenen Funken - mit einem Bein auf dem Gehweg und einem im Rinnstein.

Der Funkenball im „Duisburger Hof“ gehört zu den glanzvollsten Karnevalsveranstaltungen in Duisburg, was vor allem durch die im „Corps de Chevaliers“ vereinten Geldgeber ermöglicht wird. Daneben gibt es eine Kindersitzung und eine Kostümveranstaltung. Erfolgreich wurde jüngst das beliebte „Funkenkonfetti“ wiederbelebt, eine legendäre Sause, die vor vielen Jahren in der Mercatorhalle begangen wurde. Neben dem Elferrat, der Garde und der Tanzgarde gehören zum Verein die singenden „Charlys“.

4. Platz: KG Alle Mann an Bord „Die blauen Jungs“, 231 Mitglieder

Duisburgs 1955 gegründete maritime Karnevalsgesellschaft ist einer der erfolgreichsten Karnevalsvereine. Und das nicht nur wegen der ausgesprochen schicken Uniform. Fast die Hälfte der in Buchholz beheimateten „Blauen Jungs“ und Mädels ist aktiv. Eine gemischte Tanzgarde bewegt sich auf hohem Niveau, altgediente „Seebären“ tanzen etwas mühsamer. Und alle zusammen – das ist in Duisburg einmalig – sind ein großer närrischer Chor, der für jede Session neue Lieder einstudiert.

Stark ist der Verein auch in der Nachwuchsförderung: Die Kadetten der Kindergarde zählen mehr als 30 Mitglieder. In der Aula des Mannesmann-Gymnasiums in Huckingen präsentiert die „Alle Mann an Bord“ alljährlich eine Auftaktsitzung, eine Herren- und eine Damensitzung sowie das Bordfest. Zu Beginn der Session wird ein großes Biwak auf dem Buchholzer Marktplatz veranstaltet.

6. Platz: Weiß-Grün Ruhrort 210 Mitglieder

Seit 69 Jahren feiern die Weiß-Grünen im Zeichen des „Tönnekes d’Ritters“. Die Schreibweise sollte nicht von der dahinter stehenden Narretei ablenken: Gemeint ist schlicht ein Tonnenscheißer. Was sich damit erklärt, dass Ruhrort erst sehr spät ein öffentliches Abwasserkanalnetz bekam. Auch das Vereinslied, das die Weiß-Grünen bei jeder sich bietenden Gelegenheit schmettern, greift dieses Thema auf.

Mit den „Lollypops“, die in drei verschiedenen Formationen tanzen, verfügt die Gesellschaft über eine sehr erfolgreiche Tanzgarde. Neben einer Reihe interner Veranstaltungen wird derzeit aber nur eine öffentliche Sitzung beworben, nämlich eine Herren-Matinee.

7. Platz: Narrenzunft Homberg 207 Mitglieder

Die Narrenzunft Homberg ist seit 1957 traditionell auch Richtung Moers und dessen „Grafschafter Karneval“ orientiert und gehört sowohl dem Hauptausschuss Duisburger Karneval als auch dem entsprechenden Verband im Nachbarkreis an. Alljährlich laden die Homberger zu einer Herrensitzung, einer Kindersitzung und einer Damensitzung, die an einem Wochenende am selben Veranstaltungsort, nämlich der Glückauf-Halle, stattfinden. Auch der Sessionsauftakt wird mit einer Sitzung gefeiert, zu der in die Aula der Erich-Kästner-Schule Vertreter vieler befreundeter Vereine kommen.

Besonders stark sind die Narren von der linken Rheinseite im Tanz: Es gibt drei altersmäßig gestaffelte Formationen, die auf die schönen Namen „Mini Flames“, „Teenie Flames“ und „Eternal Flames“ hören. Bei Meisterschaften wurden bereits zahlreiche vorderste Plätze ertanzt.

8. Platz: Blau-Rot Sonniger Süden 187 Mitglieder

Die seit 1953 in Wanheimerort beheimatete KG Blau-Rot verdankt ihre Farben wie den Beinamen „Sonniger Süden“ dem Umstand, dass viele Gründungsmitglieder Feuerwehrleute waren. Die trugen blau-rote Uniformen und weil es beamteten Rettern nicht schlecht ging, fuhren sie regelmäßig mit dem Volkswagen in den Italien-Urlaub.

Nachdem die Gesellschaft einige Zeit in einer Flaute steckte, geht es seit einigen Jahren wieder steil bergauf: Innerhalb recht kurzer Zeit verdoppelte sich der Mitgliederbestand, von dem ein hoher Anteil aktiv ist. Neben einem beneidenswert jungen und zahlenmäßig starken Elferrat verfügt der Verein über eine Tanzgarde und seit 2019 auch über eine Kindertanzgarde. Neben der Prunksitzung bieten die Blau-Roten ihren Fans eine Damensitzung und seit drei Jahren mit großem Erfolg eine Kindersitzung.

9. Platz: Prinzengarde 183 Mitglieder

Die 1937 gegründete „Ehrengarde des Prinzen Karneval“ gilt immer noch als das exklusivste Korps. Das liegt zum einen an der Rolle als ständiger Begleiter des Duisburger Stadtprinzen. Zum anderen zeichnet dafür vor allem das „Corps a la suite“ verantwortlich, dem die Geldgeber des Vereins sowie viele prominente Ehrenmitglieder angehören, darunter der ehemalige Regierungspräsident Franz Josef Antwerpes, Weihbischof Franz Grave, CDU-Mann Friedrich Merz und der „König von Mallorca“ Jürgen Drews, um nur einige zu nennen.

Knapp ein Drittel der Mitglieder ist aktiv. Stets ausverkauft ist die Prunksitzung der Prinzengarde im Stadttheater, die aus rechtlichen Gründen nur noch „...Opernhaus“ und nicht mehr „lachendes Opernhaus“ heißen darf (kein Scherz). Daneben bietet die Prinzengarde eine Damen- und eine Herrensitzung sowie eine Kostümsitzung.

10. Platz: Rot-Weiß Alt-Walsum 180 Mitglieder

Die Gesellschaft blickt auf eine lange Karnevalstradition. 1947 neu gegründet reichen die Wurzeln des Vereins – der übrigens eine Organisationseinheit im Gesamtverein „Kirchenchor St. Dionysius Alt-Walsum“ ist - bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Zwei Drittel der Mitglieder sind aktiv. Und so überrascht es nicht, dass ein erheblicher Teil der Programme bei den sechs Veranstaltungen in der Walsumer Stadthalle und der Gaststätte „Zum Johanniter“ aus den eigenen Reihen bestritten werden. Höchste Repräsentanten der Alt-Walsumer ist ein eigenes Prinzenpaar, das jährlich neu gewählt wird.

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