Kommentar

Duisburg-Image: Selbstbewusst erzählen, was es nur hier gibt

Philipp Wahl kommentiert Duisburgs Image und das neue Stadtmarketing.

Philipp Wahl kommentiert Duisburgs Image und das neue Stadtmarketing.

Duisburger haben gute Gründe, ihre Stadt kritisch zu begleiten – aber auch etliche, sie selbstbewusst(er) nach außen zu vertreten. Ein Kommentar.

Duisburgs neues Stadtmarketing kann langfristig helfen, Firmen und Familien in die Stadt zu locken. Duisburg braucht Steuerzahler, aber der Ruf der Pechmarie im Ruhrgebiet schreckt viele ab. Soll die Imagekampagne Erfolg haben, darf sie keinesfalls Schönfärberei sein. Mit weich gezeichneten Aufnahmen von Tiger & Turtle gewinnt man Herzen im Blender-Netzwerk Instagram – aber keine neuen Arbeitgeber und Bürger. Das neue Stadtmarketing sollte stattdessen im besten Sinne verkaufen, was es Besonderes in Duisburg gibt – noch besser: was es nur hier in Duisburg gibt.

Viertel wie Marxloh und Hochfeld gibt’s nur hier, mögen einige Duisburger nun spotten. Zumal es nicht ungewöhnlich ist, dass Einwohner ihre Stadt schlechter sehen als sie ist (und den Lokalpatrioten in sich erst entdecken, wenn sie Gästen ihre Heimat zeigen).

Marxloh veranschaulicht, was das Bild einer Stadt prägt: Es sind Geschichten und Mythen. Marxloh hat Journalisten über Jahre hinweg furchteinflößende und spannende, traurige und kuriose Geschichten geliefert. So wurde ein Stadtteil bekannter als viele Städte und erzeugt bei Journalisten und Menschen zwischen Flensburg und Konstanz Bilder im Kopf.

Stärken, die Journalisten und Einheimische leicht übersehen

Es braucht einen langen Atem, um für eine Marke neue Geschichten und Bilder im Langzeitgedächtnis der Empfänger zu etablieren. Das ist die schwierige Aufgabe von „Duisburg Kontor“. Soll Image-Arbeit fruchten, muss sie gute Geschichten und Alleinstellungsmerkmale aufgreifen.

Die gibt es hier!

Duisburg hat den größten Binnenhafen Europas und ist eine weltweit bedeutende Logistik-Drehscheibe. Journalisten übersehen solche Erfolge – wie Einheimische – leicht, weil sie abgelenkt sind. Wer auf der A 59 im Stau steht, hat keinen Sinn für die Verkehrslage, um die viele Standorte Duisburg beneiden:

Wir liegen im Herzen Europas, mitten in einem einmalig dichten Autobahn- und Schienennetz, direkt an Rhein und Ruhr und am Flughafen Düsseldorf.

Geschichten wie diese können nicht nur bezahlte Öffentlichkeitsarbeiter erzählen. Alle Duisburger prägen das Bild ihrer Stadt. Sie haben Gründe, sie kritisch zu begleiten – aber auch etliche, sie selbstbewusst nach außen zu vertreten.

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