MSV Duisburg

Duisburg: Millionen sollen Arena-Gesellschaft und MSV retten

Geht die Stadionprojektgesellschaft pleite, würde das auch das Aus für den MSV Duisburg bedeuten.

Geht die Stadionprojektgesellschaft pleite, würde das auch das Aus für den MSV Duisburg bedeuten.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Ohne frisches Geld von der Stadt geht die Stadiongesellschaft pleite, der MSV Duisburg stünde vor dem Aus. Die Bank stellt ein Ultimatum.

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Umschuldung der MSV-Stadionprojektgesellschaft: Der zweite Tagesordnungspunkt der nicht-öffentlichen Sondersitzung des Duisburger Rates hört sich auf den ersten Blick fast harmlos an. Nach Informationen dieser Redaktion geht es am Montag, 16. Dezember, aber darum, die Insolvenz der Stadiongesellschaft abzuwenden – und damit in letzter Konsequenz auch das Aus für den MSV, den aktuellen Herbstmeister der Dritten Fußball-Liga.

Wie aus mehreren zuverlässigen Quellen zu erfahren war, hat die Hamburg Commercial Bank, bis Februar 2019 noch HSH Nordbank, zuletzt massiv darauf gedrängt, die noch ausstehenden Verbindlichkeiten aus dem Bau der MSV-Arena zurückzuzahlen. Von einst rund 30 sind demnach noch 6,2 Millionen Euro übrig. Nach mehreren Aufschüben gibt es nun ein Ultimatum von der Bank: 31. Dezember 2019. Die Dringlichkeit ist also groß.

Stadt Duisburg soll rund 2,5 Millionen Euro aus dem Haushalt dazu schießen

Klar ist, dass die finanziell klamme Arena-Gesellschaft den restlichen Kredit alleine nicht ablösen kann. Nach Informationen der Redaktion soll deshalb die Stadt, mit 50,1 Prozent ohnehin Mehrheitseigner der Stadiongesellschaft, rund 2,5 Millionen Euro aus dem Haushalt dazu schießen. Ein Teil der anderen Gesellschafter wie Schauinslandreisen soll sich bereit erklärt haben, weitere rund 600.000 Euro zu stemmen.

Bleiben noch 3,1 Millionen Euro: Das Land NRW soll signalisiert haben, rund 2,5 Millionen Euro als Bürgschaft zu übernehmen. Auf die restlichen rund 600.000 Euro soll die Bank verzichten.

Das Land würde damit der Stadionprojektgesellschaft zum zweiten Mal nach 2013, als der MSV vor dem Aus stand und zwangsweise den Gang in die Dritte Liga antreten musste, aus der Patsche helfen. Die Stadt hat dies ebenfalls bereits mehrfach getan – sie schoss zuletzt noch vor dieser Saison eine Million Euro in die Stadiongesellschaft. Damit sollten Mindereinnahmen aus einer reduzierten Stadionmiete nach dem erneuten, in diesem Falle sportlichen Abstieg in Liga drei kompensiert werden. Der MSV musste damals seine Finanzen zurecht zurren, um die Lizenz zu bekommen.

Hitzige Debatte in einer Sondersitzung des Rats

Der Rat folgte damals im Mai diesen Jahres, ebenfalls in einer Sondersitzung, nach hitziger Debatte dem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung. Nach Informationen der Redaktion wird die Politik auch nun wieder grünes Licht geben. Andernfalls wären die Folgen für Verein, Fans und Stadt gravierend.

Eine Insolvenz der Stadionprojektgesellschaft würde gleichzeitig das Aus für die „Zebras“ bedeuten. Der aktuelle Drittliga-Tabellenführer wäre ohne Stadion, müsste vom Spielbetrieb abgemeldet werden. Dieses Szenario haben der Redaktion mehrere zuverlässige Quellen auf Nachfrage bestätigt. Dies liegt demnach daran, dass auch der Verein für das Stadion bürgt.

Kosten bei einem leerstehenden Stadion von rund einer Million Euro pro Jahr

Hinzu kommt, dass in der Arena aus baurechtlichen Gründen – mal abgesehen von Ausnahmeregelungen sowie (Firmen-) Veranstaltungen im Businessbereich – grundsätzlich nur eine Sportnutzung erlaubt ist. Das hat unter anderem mit Lärmschutz zu tun. Der MSV ist derzeit der einzige Mieter des Stadions, das ohne die „Zebras“ leer stehen und trotzdem Kosten für Instandhaltung und Sicherheit verursachen würde. Von rund einer Million Euro pro Jahr ist die Rede.

Nun gab es bereits in der Vergangenheit jene, die lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende favorisieren. Der Bund der Steuerzahler etwa hat immer wieder gerügt, wenn Steuergelder auf diese Weise verwendet werden. Dies ist aktuell nicht anders. „Es ist eine schwierige Gemengelage“, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage. „Uns ist auch klar, dass niemand dem MSV einfach das Stadion wegnehmen will. Allerdings kann es nicht sein, dass hier ständig Geld da ist, aber gegebenenfalls für andere, kleinere Vereine oder andere Investitionen nicht.“

Arenamiete vor der aktuellen Saison bereits von 600.000 auf 50.000 Euro gesenkt

Fakt ist, dass das Stadion mit Spielbetrieb nach Informationen der Redaktion Kosten von zwei bis zweieinhalb Millionen Euro pro Jahr verursacht. Und Fakt ist auch, dass der MSV dies in der dritten Liga auch aufgrund von niedrigen Fernsehgeldern nicht stemmen kann. Dies erklärt den städtischen Zuschuss von einer Million Euro vor der der aktuellen Saison und die Senkung der Arenamiete von 600.000 auf 50.000 Euro.

In der zweiten Liga soll das Stadion zumindest kostenneutral sein. Davon ist der MSV derzeit zumindest nicht weit entfernt. Viel besser sähe es natürlich bei einem Aufstieg des MSV in die Bundesliga aus. Dann würde auch die Stadt von der Arena profitieren und die Darlehen beziehungsweise Zuschüsse in die Stadionprojektgesellschaft hätten sich richtig gelohnt.

Hamburg Commercial Bank hat noch nicht grünes Licht gegeben

Derzeit geht es allerdings nur um maximale Schadensbegrenzung. Noch soll die Hamburg Commercial Bank für den Vorschlag, der jetzt auf dem Tisch liegt, nicht grünes Licht gegeben haben. Alle Beteiligten gehen aber davon aus, dass dies nach einer positiven Entscheidung des Rats am Montag der Fall sein wird.

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