Konzert

Duisburg: Schreck beim Konzert des Mercator-Ensembles

Das Mercator-Ensemble bei seinem Neujahrskonzert  – hier beim Auftritt in Wesel.

Das Mercator-Ensemble bei seinem Neujahrskonzert – hier beim Auftritt in Wesel.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Das Mercator-Ensemble hat in der Rheinhauser Bezirksbibliothek sein Neujahrskonzert gegeben. Doch dann brach ein Zuschauer zusammen.

„Verspätet – aber immer noch im Januar“, begrüßte Hanno Fellermann, Kontrabassist des vierköpfigen Mercator-Ensembles, die etwa 120 Gäste in der Galerie der Rheinhauser Bezirksbibliothek zu einer neujährlichen „Wiener Melange“. „Wir freuen uns immer als Teile der Duisburger Philharmoniker auch in anderen Stadtteilen spielen zu dürfen, ich sage jetzt absichtlich nicht Außenbezirke“, drückte sich der Mittdreißiger charmant aus. Denn es ist eine wechselseitige Beziehung, das Rheinhauser Publikum sorgte auch beim vierten Auftritt des Streichquartetts dafür, dass alle Plätze in der Galerie besetzt waren.

Ohne Klischees von Sachertorte und Stephansdom zu bedienen, legten die vier Musiker direkt mit „Liebesfreud“ aus den „Alt-Wiener Tanzweisen“ von Fritz Kreisler, „einem Wunderkind der Stadt“, los. „Er soll über eine spektakuläre Geigensammlung verfügt haben, er nannte sechs Stradivari und mindestens fünf Guaneri sein eigen, sagt man“, plauderte Fellermann über den virtuosen Geiger und Komponisten, der später nach New York auswanderte und dort 1962 verstarb. Das Mercator-Ensemble spielte darauf einen getragenen Walzer aus der Feder des Wieners Joseph Lanner, der durch seine Kompositionen und Interpretationen an der Geige den Walzer auf den Vormarsch brachte.

„Feuerfest“ von Josef Strauss

„Er war das, was man gemeinhin einen ‚Bratgeiger‘ nannte – Johann Strauss Vater soll sogar in seiner Kapelle mitgemischt haben“, weiß Fellermann. Von dem eher den Naturwissenschaften zugetanen Josef Strauss, einem Bruder von Johann Strauss Sohn, stammt der Walzer „Feuerfest“. „Den hatte Strauss zu einer Feier einer Firma aufgespielt, die Tresore herstellte“, sagt der Kontrabassist. „Normalerweise wurde das Werk mit einem richtigen Amboss begleitet.“

Den Effekt eines Dampfhammers besorgte Hanno Fellermann am Kontrabass mit seiner pochenden Spielweise selbst, während Matthias Bruns an der ersten Geige feine Dreiklänge mit seinem Mitstreiter, dem Zweiten Geiger Peter Bonk, auflöste. Für aufwühlende Zwischenspiele sorgte Eva-Maria Klose an der Viola.

Schreckmoment im Publikum

Doch dann ein Schock, wahrscheinlich waren die Sechs-Achtel-Takt-Rhythmen des Stücks „Die Werber“ von Joseph Lanner etwas zu treibend. Ein älterer Zuschauer brach mit Herz-Kreislaufstörungen zusammen, sofort leistete ihm ein Rettungssanitäter aus dem Publikum Erste Hilfe, das Konzert wurde unterbrochen. „Alles ist sehr professionell abgelaufen, die Leute haben super reagiert“, lobte später Jutta Flaßhove, Leiterin der Bibliothek. Der Mann wurde etwa zehn Minuten später ins Krankenhaus gebracht. Jutta Flaßhove gab Entwarnung: „Es geht ihm wieder besser.“

„Wir spielen jetzt weiter, bis sie nicht mehr können“, sagte Matthias Bruns nach der unfreiwilligen Pause. Es gab noch „Schön, Rosmarin“ und natürlich „Liebesleid“ aus den „Alt-Wiener Tanzweisen“ von Fritz Kreisler zu hören. Natürlich durfte die Tik-Tak-Polka aus der Feder von Johann Strauss Sohn nicht fehlen. „Darin sind viele Themen aus „Die Fledermaus“ enthalten“, weiß Hanno Fellermann. Das Mercator-Ensemble verabschiedete sich mit Lanners‘ „Die Schönbrunner“, einem Stück, das aus verschiedenen Walzerketten besteht – und manch’ ein Gast wähnte sich wohl dabei am Schloss Schönbrunn.

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