Geschichte

Duisburg sucht Laienhistoriker für Stadtteil-Geschichten

Duisburg sucht den Stadtteil-Historiker: Dietmar Bleidick (l.) und Klaus Becker (Bürgerstiftung Duisburg) wollen Projekte über den Kiez und ihre Menschen anstoßen.

Duisburg sucht den Stadtteil-Historiker: Dietmar Bleidick (l.) und Klaus Becker (Bürgerstiftung Duisburg) wollen Projekte über den Kiez und ihre Menschen anstoßen.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Bürgerstiftung und die Treuhand der GLS-Bank suchen in Duisburg fünf Stadtteil-Historiker: Schulen und Laien erhalten 1500 Euro Recherchebudget.

Wer kennt die Geschichte seiner Straße, wer kennt die Geschichten seines Stadtteils und die der Menschen dort? Ein neues Projekt für Stadtteil-Historie soll das Wissen im Mikrokosmos „Kiez“ zutage fördern. Gesucht werden Menschen, die sich mit ihrem Umfeld geschichtlich und wissenschaftlich auseinandersetzen wollen. Und das wird sogar bezahlt: 1500 Euro Recherchebudget bekommt ein solches Stipendiat.

Stadtteil-Historiker: fünf Projekte aus Duisburg gesucht

20 Projekte sollen damit ruhrgebietsweit angestoßen werden, wenigstens fünf davon in Duisburg entstehen. Die Treuhand der Bochumer GLS-Bank fördert dies finanziell. Inhaltlich betreut Dietmar Bleidick, Privatdozent für Wirtschafts- und Technikgeschichte, die „Kiez-Forscher“ vor Ort in Kooperation mit der Bürgerstiftung Duisburg.

„Wir sprechen damit Laienhistoriker, Geschichtsvereine und auch Schulprojekte an, die sich mit Aspekten in ihrer Stadt beschäftigen“, sagt Bleidick. Wichtige Voraussetzung: Es sollte vorzugsweise um die Menschen gehen, die Geschichten sollten originell, also noch nicht erzählt, möglichst interessant und vor allem in 18 Monaten abzuschließen sein.

Das Vorbild des „Stadtteil-Historikers“ ist in Frankfurt zu finden. Seit 2007 forschen dort Laien regelmäßig etwa über das „Allerheiligenquartier“, das „kleine Häuschen in der Fressgass“, die jüdische Gemeinde Hessen-Nassaus oder schildern „die wilden Jahre 1967 bis 70“ anhand der Berichte in der Frankfurter Rundschau. Wie diese Aspekte am Ende ausgewertet werden – als Geschichte, Film oder Vortrag – ist dabei den Autoren überlassen.

Jury mit Klaus Becker bestimmt 20 Projekte

Doch bevor es an die Arbeit geht, müssen die Forscher eine Bewerbung für ihr Projekt beim Koordinator Bleidick einreichen. Eine fünfköpfige Jury wird unter den Bewerbungen dann 20 geeignete Projekte bestimmen. Unter ihnen ist etwa Stefan Berger, Direktor des Instituts für Soziale Bewegung an der Ruhruniversität Bochum, Heinrich Theodor Grütter vom Ruhr Museum in Essen und Angela Kühnen, Vorstand der Gerda Henkel Stiftung in Düsseldorf.

Im Frühjahr 2021 sollen die Projekte abgeschlossen und vorgestellt werden.

Für Duisburg sieht Klaus Becker, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung und auch Jury-Mitglied, keine Probleme, gute Geschichten zu finden, zumal es etliche Laienhistoriker bereits gibt. Interessant wäre aus Sicht von Bleidick etwa eine Aufarbeitung der Einwanderungsgeschichte in den Stadtteilen und auch die Erfahrung von Frauen mit Migrationshintergrund der zweiten Generation.

Fragen nach Identität und Heimat

Woher kommt der Wunsch nach diesen kleinen Kiez-Geschichten? Bleidick glaubt, „es geht um die Frage von Identität und Heimat, gerade angesichts von Globalisierung und Diversität.“

Das Projekt will aber nicht zurück zu kulturellen Unterschieden, sondern moderne Antworten für eine moderne Gesellschaft, neue Identitäten aufzeigen.

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