Corona-Massentest

Duisburg: Warum bei DPD nicht auch Zusteller getestet werden

Im Duisburger DPD-Paketsortierzentrum werden etwa 550 Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet, nicht aber die für Subunternehmer arbeitenden Zusteller.

Im Duisburger DPD-Paketsortierzentrum werden etwa 550 Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet, nicht aber die für Subunternehmer arbeitenden Zusteller.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Bei DPD werden sogar 550 Mitarbeiter auf Corona getestet, nicht aber 400 Zusteller der Subunternehmen. Das sagen Mitarbeiter, DPD und die Stadt.

Das Corona-Testteam der Feuerwehr Duisburg hat am Mittwoch im DPD-Paketzentrum Hüttenheim weitere 150 Mitarbeiter der Kernbelegschaft auf das Coronavirus getestet, nachdem es dort am Tag zuvor bereits 400 Abstriche genommen hatte. Der Anlass waren sieben Sars-CoV-2-Infektionen in der Belegschaft des Paketdienstes in den vergangenen drei Wochen (wir berichteten). Ein Lagerarbeiter des Logistikunternehmens kritisiert nun, dass nur DPD-Angestellte getestet werden, nicht aber die etwa 400 Zusteller auf dem Gelände, die bei Subunternehmen angestellt sind.

DPD-Sortierzentrum Duisburg: Mitarbeiter fühlt sich „nicht ausreichend geschützt“

„Dabei haben die Paketboten Kontakt zu den Mitarbeitern im Depot und zu den Kunden“, gibt der DPD-Angestellte zu bedenken. Sein Name ist der Redaktion bekannt. Er fühle sich zudem „nicht ausreichend geschützt“, weil „ein Großteil der Mitarbeiter die Maskenpflicht nicht einhält, sobald die Vorgesetzten wegschauen oder Feierabend haben“, behauptet er. Der Mann bestätigt zwar umfangreiche Infektionsschutzmaßnahmen seines Arbeitgebers, der etwa Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel stellt, kritisiert jedoch die Einstellung vieler Kollegen – und dass es auf den Toiletten nach wie vor „oft keine Seife gibt“.

Auf die Vorwürfe des Mitarbeiters antwortet DPD-Sprecher Peter Rey. Der Corona-Reihentest schließe die Zusteller aus, weil unter diesen „bislang kein Positivfall bekannt“ sei. „Daher beschränken sich die Tests auf das Umschlagpersonal“, sagt Rey. „Sämtliche Mitarbeiter, die in den vergangenen Wochen positiv getestet worden sind, waren im Paketumschlag im Einsatz.“

DPD-Sprecher: „Keinerlei Toleranz bei Verstößen gegen Corona-Maßnahmen“

Das bestätigt Stadtsprecherin Anja Kopka: Getestet werde die „Kernbelegschaft, die theoretisch mit den Infizierten hätte in Kontakt treten können“. Die Kontaktpersonen seien identifiziert und unter Quarantäne gestellt worden: „Eine grundsätzliche Quarantäne vor Ort ist nicht nötig, da nach derzeitiger Einschätzung das Hygienekonzept greift.“ Aktuell befinden sich 15 Mitarbeiter in Quarantäne. Wie sich die sieben Infizierten angesteckt haben, ist noch unklar. DPD-Sprecher Rey geht zurzeit nicht davon aus, dass dem Duisburger Depot wie dem in Hückelhoven (Kreis Heinsberg) wegen eines Corona-Ausbruchs eine Schließung droht: „Dafür gibt es keine Anzeichen.“

Rey betont zur Maskenpflicht, dass es auch in Hüttenheim „Corona-Beauftragte“ gebe, „deren oberste Priorität die Umsetzung und Kontrolle der vorbeugenden Corona-Maßnahmen“ sei. Es gebe „keinerlei Toleranz bei Verstößen gegen unsere Corona-Maßnahmen und die Maskenpflicht. Entsprechende Anweisungen an die Mitarbeiter hängen nicht nur in Deutsch aus, sondern auch in zahlreichen anderen Sprachen.“ Der wirksamste Schutz aller sei gleichwohl das Problembewusstsein jedes Einzelnen.

DPD-Mitarbeiter kritisiert DVG und Fahrgäste: Viele Verstöße in der 903

Zum Vorwurf, es fehle Seife, verweist Rey auf einen „unangekündigten Ortstermin“ des Gesundheitsamtes am 29. Mai. Das Amt habe bestätigt, dass es im Betrieb zahlreiche Sanitärbereiche gibt, „die in hoher Frequenz gereinigt und mit Desinfektionsmitteln, Seife und Papierhandtüchern ausgestattet werden“. Anlass der Kontrolle war offenbar die Beschwerde eines Angestellten. Was DPD-Sprecher Rey bedauert: „Wir bieten intern die Möglichkeit für Kritik an den Schutzmaßnahmen und zu deren Verbesserung.“ Zudem stimme die Firma alle Maßnahmen mit dem Betriebsrat ab.

Der DPD-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, gibt seinem Arbeitgeber beim Infektionsschutz alles in allem „eine Drei minus“. Das Unternehmen kümmere sich immerhin intensiver als die DVG. Mit deren Straßenbahnlinie 903 fahren viele DPD-Mitarbeiter abends oder nach der Nachtschicht morgens von Hüttenheim Richtung Innenstadt: „Spätestens wenn wir in Hochfeld ankommen, trägt jedes Mal ein Drittel der Fahrgäste in der Bahn keinen Mund-Nase-Schutz.“ Kontrollen? „Fehlanzeige.“ Ordnungsamt und DVG hatten nach Beschwerden zuletzt Schwerpunktaktionen in Bahnen angekündigt.

>> CORONA-REIHENTESTS IN FIRMEN UND KONTAKTLOSE ZUSTELLUNG

• Das Gesundheitsamt testet in Unternehmen wie nun bei DPD und HKM nur, wenn es Anhaltspunkte für Infektionsherde gibt. Ansonsten verfolgt es weiter die Schwerpunkttestung von vulnerablen Gruppen in Alten- und Pflegeeinrichtungen.

• Auch der Paket- und Expressdienst DPD verzeichnet in der Corona-Krise mehr Aufträge. Zusteller und Paketempfänger sollen durch die kontaktlose Zustellung geschützt werden.

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