Altweiber

Duisburg: Wilde Sause auf dem Kometenplatz in Walsum

Auf dem Kometenplatz in Duisburg-Walsum feiern Frauen und Männer Altweiber.

Auf dem Kometenplatz in Duisburg-Walsum feiern Frauen und Männer Altweiber.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg-Aldenrade.  Altweiber ist längst keine reine Frauensache mehr. Auf dem Kometenplatz in Duisburg-Walsum tritt eine Männertanzgruppe auf – und begeistert.

Krümelmonster, Krankenschwestern und Clowns liegen sich auf dem Kometenplatz in den Armen. Sie schunkeln und exen giftgrünen Schnaps aus Plastikpinnchen. Es riecht nach Zigarettenqualm. Ein riesenhafter Matrose knutscht eine pink gekleidete Frau mit Tattoo im Nacken. Zum 40. Mal findet die Walsumer Altweiber-Party bereits statt. Rund 1500 Jecken sind dabei – und dass, obwohl im benachbarten Dinslaken zeitgleich Mickie Krause auftritt.

Kurz vor ihrem Auftritt, es ist 12.30 Uhr, versammelt sich die Männertanzgruppe „Gentlemen“ in einer Versicherungsfiliale, direkt am Kometenplatz. Sie tragen dunkle Anzüge, Fliegen mit einem Kunstdiamanten und Zylinder. Viele Wochen haben sie sich auf die Altweiber-Party auf dem Kometenplatz vorbereitet. Zusammen mit zwei Trainerinnen haben sie jeden Donnerstag und Samstag geübt. „Eher moderne Hits, Michael Jackson und what is love“, sagt Rolf, 65, einer der Tänzer.

Aus Berlin angereist für die Party auf dem Kometenplatz

„Die Jungs sind schon ganz fickerig“, ruft Inge Hanssen, Vorstandsmitglied beim Karnevalverein „Die Pils - Sucher“. Zu dem gehört auch die Männertanzgruppe. Man wisse ja nie, sagt sie, was die Frauen wieder mit ihnen vorhätten. „Bei einem Auftritt wurden sie mit BHs und Tangas beschmissen.“

Gerda, verkleidet als Gorilla, und Marianne mit silbernem Hut, beide um die 60, ist das Bühnenprogramm nicht so wichtig. Vor dem Getränkewagen bewegen sie sich etwas halbherzig zur Karnevalsmusik. „Für uns ist das hier nur der Auftakt“, sagt Marianne, die extra aus Berlin angereist ist. Eigentlich waren sie immer zu dritt feiern, aber ihre Freundin ist letztes Jahr verstorben. „Wir feiern für sie mit“, sagt Gerda.

Walsumer Närrinnen lassen ihre Männer zu Hause

Erstmals 1980 hat Bezirksbürgermeister Willy Bernarding zusammen mit dem Karnevalsverein Gruen-Weiss Walsum die Party auf dem Kometenplatz organisiert, „um das Rathaus zu entlasten und den Andrang der Karnevalisten zu stoppen“, sagt Udo Winnekendonk, aus dem Vorstand des Vereins.

Als die Gentlemen auf die Bühne kommen, jubelt das Publikum. Unter ihnen auch Krümelmonster Julia und Clown Bärbel. Sie finden es gut, dass zur Altweiber-Party immer mehr Männer kommen. Nur ihre eigenen Männer sind nicht dabei. „Die schmollen zu Hause“, sagt Bärbel.

An Altweiber feiert in Walsum auch die Polizei mit

Ein älterer Polizist aus Homberg folgt der Tanzeinlage der Gentlemen. Mit seiner dunklen Uniform fühlt er sich nicht verkleidet. „Dafür bin ich schon zu lange im Dienst“, sagt er. Als Polizist habe er Hausbrände, Morde und Unfälle mit Kindern erlebt, da sei Karneval ein Kontrast.

Dann ist der Auftritt vorbei. Die Möhnen jubeln, als sich die Gentlemen verabschieden. „Jeder Tag sollte so fröhlich sein wie heute“, sagt der Polizist.

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