Neue Seidenstraße

Duisburg: Wissenschaftler diskutieren über Chinas Wirtschaft

Dr. Saskia Hieber (Politische Akademie Tutzing), Matthias Kamp (NZZ), Prof. Dr. Joanna Ciesielska-Klikowska (Uni Lodz), Prof. Dr. Christof Hartmann und Moderatorin Prof. Dr. Dr. Nele Noesselt (beide UDE) bei der Diskussion in der Mercatorhalle.

Dr. Saskia Hieber (Politische Akademie Tutzing), Matthias Kamp (NZZ), Prof. Dr. Joanna Ciesielska-Klikowska (Uni Lodz), Prof. Dr. Christof Hartmann und Moderatorin Prof. Dr. Dr. Nele Noesselt (beide UDE) bei der Diskussion in der Mercatorhalle.

Foto: Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Duisburg.  China-Fachleute diskutierten beim Forum zur „Neuen Seidenstraße“ über chinesisch-europäische Kooperationen. So sehen Experten die Entwicklung.

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Mit der Initiative „One Belt – One Road“ erschließt China über Schienen- und Seewege den Wirtschaftsraum zwischen Asien und Europa. Birgt die „Neue Seidenstraße“ – einer ihrer Endpunkte ist der Duisburger Hafen – für die Anrainer eher Chancen oder Risiken? Diese Frage diskutierten internationale Fachleute von renommierten Universitäten und Forschungszentren auf Einladung des In-East-Instituts der Universität Duisburg-Essen (UDE) in der Mercatorhalle.

Keine klar definierte chinesische Strategie

Eine klare Strategie, einen genauen Fahrplan, den gibt es für China nicht – soweit herrscht Einigkeit unter den Experten. „Die Initiative ist in sechs Jahren schnell gewachsen mit globalen Investitionen“, sagt Prof. Yuan Li (UDE): „Es ist kein statisches, sondern ein dynamisches Projekt, das bei Bedarf flexibel angepasst wird.“

Als Meilenstein auf dem Weg zu einer neuen ökonomischen Weltordnung sieht Prof. Markus Taube (UDE) die chinesische Initiative: „Duisburg ist ein Hauptbahnhof der neuen Seidenstraße, aber es geht nicht nur um Transportkanäle, sondern um ein neues industrielles Netzwerk.“ Ost-Europa blicke stärker in Richtung China: „Man lernt dort nun Chinesisch, statt Englisch oder Deutsch.“ Das bestätigt Prof. Joanna Ciesielska-Klikowska (Uni Lodz): „Die polnischen Häfen wie Danzig und Stettin wollen Teil einer maritimen Seidenstraße sein.“

Möglicher Interessenkonflikt für deutsche Unternehmen

Für in China wie den USA engagierten deutschen Unternehmen – etwa Siemens – stelle sich die Frage, ob ihnen künftig Nachteile drohen, weil sie in „Belt and Road“-Projekten investieren, so Taube mit Blick auf den US-chinesischen Handelskonflikt. In Europa strebe China nach Kooperationen, meint Matthias Kamp. Der Wirtschaftschef der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) nennt den Hafen Piräus und verweist auf weitere, mit der EU gemeinsam finanzierte Infrastruktur-Projekte: „Wir werden davon noch mehr sehen.“

Mit seinen Investitionen versuche China aber auch, international seinen Einfluss auszubauen und seine Rolle in der Staatengemeinschaft zu stärken, glaubt nicht allein Dr. Saskia Hieber (Pol. Akademie Tutzing). „China ist bestrebt, seine Bedeutung in der globalen Wertschöpfungskette zu steigern“, sagt Prof. Yang Laike (East China Normal University, Shanghai): „Es gibt die Angst, auf einem niedrigen Niveau zu verharren.“ Eine klare umfassende Strategie kann aber auch er nicht ausmachen: „Vielleicht gibt es keine.“

Chinesische Wissenschaftler: China-Handel ist keine Einbahnstraße

Wer werden Gewinner und Verlierer sein? Europa müsse seine Haltung gegenüber China definieren, meint Markus Taube: „Spielen wir das Spiel der Kooperation, oder der Konfrontation.“ Hoffnungen die sich in Duisburg an den China-Handel knüpfen, erfüllen sich etwa in Tschechien nicht: „Es gibt dort geradezu eine China-Allergie“, berichtet Prof. Jeremy Garlick (University of Economics, Prag).

Für eine fehlende gemeinsame Wirtschafts- und Sicherheitsstrategie sei allerdings nicht China verantwortlich zu machen, betont Saskia Hieber: „Die EU ist da 20 Jahre zurück.“ Es sollte nur Gewinner geben, sagt Yang Laike und sein Landsmann Yuan Li empfiehlt, in Europa auf die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur zu setzen, „damit immer mehr Waren aus der EU nach China exportiert werden können.“

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