Gericht

Duisburger (21) will in Notwehr geschossen haben

Die Anklagebank im Saal 201, dem historischen Schwurgerichtssaal  des Landgerichts Duisburg. Hier nahm der wegen versuchten Totschlags angeklagte 21-Jährige zu Prozessbeginn Platz.

Die Anklagebank im Saal 201, dem historischen Schwurgerichtssaal des Landgerichts Duisburg. Hier nahm der wegen versuchten Totschlags angeklagte 21-Jährige zu Prozessbeginn Platz.

Foto: Foto: Udo MILBRet

Duisburg.  Durch einen Schuss verletzte ein Rheinhauser (21) im Dezember 2018 in Hochfeld einen Mann. Wegen versuchten Totschlags steht er nun vor Gericht.

In Hunderten Krimis und Western kommt die Szene vor, in der sich jemand schützend vor einen anderen wirft oder ihn zur Seite schubst und dabei selbst getroffen wird. So soll es, zumindest laut Anklageschrift, auch bei einem Vorfall gewesen sein, der sich am frühen Morgen des 22. Dezember 2018 auf der Eigenstraße in Hochfeld ereignete. Der Schütze steht seit gestern wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz.

Der 21-jährige Rheinhauser soll mit zwei Begleitern nach Hochfeld gefahren sein, um dort den betrunkenen Bruder eines Bekannten abzuholen, der zuvor in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein soll. Dabei soll es zum Streit mit einer Gruppe junger Männer gekommen sein. In dessen Verlauf soll der 21-Jährige aus der halb geöffneten Türe eines Autos nach hinten geschossen haben. Die Anklage geht davon aus, dass der Geschädigte seinen Bruder aus der Schusslinie schubsen wollte und dabei selbst getroffen wurde. Das Projektil blieb in der Hüfte des Mannes stecken.

Angeklagter: „Die gingen mit Messern auf uns los.“

Der Angeklagte stellt die Tat als Notwehr dar. „Die gingen mit Messern auf uns los.“ Voller Angst seien er und seine Begleiter zum Auto geflüchtet. Der Fahrer würgte es mehrfach ab, bevor endlich die Flucht gelang.

Bis dahin, so der Angeklagte, hätten die Angreifer das Fahrzeug eingeholt, die Rückscheibe eingeschlagen und mit Messern gefuchtelt. „Ich hatte Panik, habe die Pistole genommen und unter meinem rechten Arm hindurch geschossen.“ Er will die Waffe dabei nur schräg auf den Boden gerichtet haben.

Pistole will der 21-Jährige vor Jahren „gefunden“ haben

Die Waffe, beteuert der Angeklagte, habe er zwei oder drei Jahre zuvor abseits einer türkischen Hochzeit in Hochfeld „gefunden“. Er beschreibt allerdings eher einen Diebstahl. Dann will er sie unberührt im Garten vergraben haben. Eine Darstellung, die beim Staatsanwalt ungläubiges Stauen auslöste.

In der Tatnacht habe er die Waffe mitgenommen, so der Angeklagte, weil er „der Sache nicht so recht traute.“ Auf der Rückfahrt nach Rheinhausen habe er sie von der Brücke aus in den Rhein geworfen.

Fünf weitere Verhandlungstage geplant

Ein Begleiter des Angeklagten schilderte die Situation noch bedrohlicher. „Das war kein Kinderspiel. Jemand schlug mit einer Machete in den Wagen“, erinnerte sich der 25-Jährige. „Hätte die jemand abgekriegt, wäre der tot gewesen. Ich habe das Auto nicht ans Laufen gekriegt. Dann gab es einen Knall. Und ich konnte endlich Gas geben. Ich wollte da nur noch weg.“

Für das Verfahren sind bis zum 20. August fünf weitere Verhandlungstage vorgesehen. Am Ende wird entscheidend sein, ob die Strafkammer von einer Notwehrsituation ausgeht, oder davon, dass der Angeklagte ohne direkt bedroht zu sein abdrückte und dabei den möglichen Tod eines Menschen zumindest billigend in Kauf nahm.

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