Atelierbesuch

Duisburger Fotografin malt Bilder wie aus einem Alptraum

Sarah Blümel kann nur im Sitzen malen. Dazu hat sie sich einen Pouf für ihr Atelier am Weidenweg in Duisburg-Kaßlerfeld besorgt.

Sarah Blümel kann nur im Sitzen malen. Dazu hat sie sich einen Pouf für ihr Atelier am Weidenweg in Duisburg-Kaßlerfeld besorgt.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Sarah Blümel aus Duisburg hat ihr Atelier beim Kunstverein in Kaßlerfeld. Sie malt intuitiv mit Kreide. Dabei entsteht auch Furchterregendes.

Zu Sarah Blümels Atelier führen viele Stufen. Und dann kommt der Wow-Effekt, den sie selbst erlebte, als sie durch die Tür dieses Dachgeschoss-Ateliers im Gebäudes des Kunstvereins am Weidenweg in Duisburg-Kaßlerfeld kam: Ein schöner, großer, heller Raum ist es, den sie vor drei Jahren gemietet hat, um mehr malen zu können. „Und jetzt fehlt schon wieder Platz“, sagt die 33-jährige Duisburgerin.

Einige Stufen hat sie auch nehmen müssen auf dem Weg zur Malerei. Zwar war Sarah Blümel durch ihren Vater, der „früher gemalt und fotografiert hat“, schon mit Kunst vertraut, hat aber zunächst eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht.

Duisburgerin fotografiert Mode für den Onlinehandel in Düsseldorf

„Ich habe schon immer viel fotografiert, aber mehr bei Partys und so.“ Schließlich überwog die Anziehungskraft, sich fotografisch zu professionalisieren. Weil sie sich noch nicht reif gefühlt habe für die Folkwang-Hochschule, besuchte sie zunächst eine private Kunstakademie in Essen. Von 2012 bis 2017 schloss sich dann das Folkwang-Studium an.

Sarah Blümel arbeitet als freie Fotografin in Düsseldorf, wo sie Mode für den Onlinehandel im Internet fotografiert. Diese Aufgabe hat sie auch zu einer künstlerischen Serie mit Pullovern inspiriert – ohne menschliche Träger. „Dabei muss man geduldig sein und Perfektionist“, sagt sie über die Arbeit. Beim Malen aber sei sie ungeduldig, auch deswegen und wegen der Leuchtkraft ist Kreide ihr Material. Es war zugleich der Grund, ein Atelier zu suchen, denn Kreide verteilt sich gern ganz fein im Raum.

Kinderfotos brachten sie zur Malerei

Schon im Studium hat sie sich mit Aktzeichnen beschäftigt und viel gemalt. Schließlich waren es alte Kinderfotos, die sie auf dem Weg in die Malerei bestärkt haben. „Ich war begeistert“, sagt sie dreieinhalb Jahre nach diesem zufälligen Fund. Sie übermalte diese Kinderfotos, ließ dabei aber die Augen weg, verzerrte die Münder grotesk, malte den Kopf des Kindes auf einem Arm auch schon mal schwarz: „memory“ heißt diese Serie.

Fotografie ohne Menschen, Malerei stets figürlich

Während sie bei der Fotografie Menschen nicht gerne als Motiv hat, sind es bei der Malerei gerade Menschen, die sie interessieren. Es gibt zwar die vom Vater gebaute Staffelei, aber „ich muss beim Malen auf dem Boden sitzen“, sagt Sarah Blümel. Auch muss sie erstmal runterkommen, bis sie den künstlerischen Modus und die Balance findet, sich dem weißen Blatt zuzuwenden. „Ich fange einfach an.“ Bei dieser intuitiven Methode kann alles Mögliche entstehen, zum Beispiel ein Auge oder ein Rüssel, wo sonst die Nase hingehört.

Die Bilder können auch furchterregend sein

Stets sind es kräftige Farben und figürliche Motive mit starken Linien. „Ich kann nicht filigran.“ So setzen sich nach und nach Körper zusammen, oft pro Blatt nur eine Figur, stets sind die Proportionen verschoben, der Hintergrund einfach. Es sind rohe, furchterregende Bilder, manche könnten durchaus in einem Rausch oder Alptraum entstanden sein. Blätter, die einfach so an die Wand gehängt werden. „Ein Rahmen würde zu diesen wilden Bildern nicht passen“, sagt Sarah Blümel.

Wohin es künstlerisch gehen soll, weiß sie noch nicht. „Vielleicht studiere ich doch noch Malerei in Düsseldorf.“

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