Gericht

Duisburger Raubprozess verstrickt sich im Beziehungsgeflecht

Der Haupteingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Der Haupteingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Duisburger (20) soll Schülerin Handy geraubt haben. Der behauptet, Ex-Freundin belaste ihn zu Unrecht. Doch die Zeugin bestreitet das Verhältnis.

Auf den ersten Blick schien der Fall ganz einfach: Ein 20-jähriger Homberger soll am frühen Morgen des 26. Juni 2018 ein 16 jähriges Mädchen, das gerade auf dem Weg zur Schule war, in ein Gespräch verwickelt und ihr schließlich das Smartphone entrissen haben. Die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz wartete allerdings mit einer Reihe von Überraschungen auf.

Der Angeklagte bestreitet die Tat nämlich nicht nur, sondern weiß angeblich auch ganz genau, warum ihn die Zeugin zu Unrecht belastet: „Wir waren mal zusammen, hatten ein paar mal Sex.“ Dann habe man sich im Streit getrennt.

Ungeklärte Verhältnisse

Mit echter oder gespielter Überraschung nahm die Hauptbelastungszeugin diese Darstellung zur Kenntnis. „Der und ich? Nein, wir waren niemals zusammen.“ Bis zu dem Überfall sei ihr der 20-Jährige völlig unbekannt gewesen. Aufgrund ihrer Beschreibung seien ihr bei der Polizei rund 200 Fotos vorgelegt worden. „Auf einem der Bilder habe ich den Täter erkannt.“

Erst später, so die Zeugin, will sie herausgefunden haben, dass ihr damaliger Freund den Angeklagten kannte. „Ich wollte einmal zu ihm und da hat er gesagt, dass er mich nicht herein bittet, weil der Typ, der mich überfallen hat, gerade in seiner Wohnung sei.“ Auf einem Spaziergang habe ihr der Freund die Identität des Angeklagten preis gegeben.

Zeuge: „Wir waren nie ein Paar!“

Die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts wunderte sich bereits jetzt: „Zuerst war das ein völlig fremder Mann und dann ist das auf einmal ein guter Bekannter von ihrem Freund?“ Doch es gab noch weitere Ungereimtheiten zu verdauen.

Denn der 20-Jährige, von dem die Hauptbelastungszeugin behauptet, sie habe über weite Teile des Jahres 2018 eine Beziehung mit ihm gehabt, konnte über diese Behauptung nur herzhaft lachen. „Wir waren niemals ein Paar.“ Das sei alles frei erfunden, so der Zeuge. „Mit der könnte man ja gar nicht zusammen sein. Die lügt ja nur.“ Und er habe überhaupt keine Ahnung von dem angeblichen Raub gehabt. „Ich habe erst gerade draußen auf dem Gerichtsflur erfahren, worum es überhaupt geht.“

Aufklärung erhofft sich das Gericht nun von weiteren Zeugenvernehmungen. So kann eine Cousine der Zeugin möglicherweise die Frage beantworten, wer denn nun mit wem zusammen war und damit auch Rückschlüsse auf Glaubwürdigkeiten erlauben. Man darf die für den 27. Mai geplante Fortsetzung mit einer gewissen Neugier erwarten.

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