LVR-Johanniterschule

Duisburger Schüler freuen sich auf Filmprojekt für Blinde

Spannung vor der Filmvorführung in der Aula der Duisburger LVR-Johanniterschule.

Spannung vor der Filmvorführung in der Aula der Duisburger LVR-Johanniterschule.

Foto: Foto: Stefan Arend

Duisburg.  Nach einem Filmprojekt für Blinde 2016 freuen sich die Jungen und Mädchen der Duisburger LVR-Johanniterschule auf den Workshop im nächsten Jahr.

Montag, 10.30 Uhr in der LVR-Johanniterschule im Duisburger Dellviertel: Etwa 45 Jungen und Mädchen der Förderschule drängen sich in die kleine Aula vor einer Leinwand. Gleich läuft die 16-minütige Dokumentation „Loser – Über Verlieren und Verlust“. Die meisten Schüler sehen nur eingeschränkt, einige sind blind. Und trotzdem haben sie keine Probleme, den Film zu verfolgen. Möglich macht dies ein Schulprojekt in Zusammenarbeit mit mehreren Initiativen, darunter „doxs – Dokumentarfilme für Kinder und Jugendliche“ vom Filmforum.

Projektleiter Christian Kosfeld (doxs) hat mit mittlerweile ehemaligen Schülern bereits 2016 die niederländische Dokumentation bearbeitet: In einem einwöchigen Workshop haben sie Tonaufnahmen in den Film geschnitten, die sie zuvor eingesprochen haben.

Workshop für Duisburger Schüler wird 2020 wiederholt

Die sogenannten Audiodeskriptionen sind Szenenbeschreibungen und ermöglichen, dass auch Blinde den Film verstehen können. Mit der Präsentation der Abschlussarbeit will Kosfeld nun das Werk der Schüler würdigen – und Werbung machen. Denn nächstes Jahr bietet Kosfeld in der LVR-Johanniterschule den Workshop wieder an.

Die aktuelle Dokumentation erzählt die Geschichten von drei Kindern, die alle etwas verlieren: eines kann sein Stofftier-Hund nicht mehr finden, ein Junge unterliegt in einem Fechtturnier, die Schwester eines Mädchens stirbt.

Projekt auch an Schulen in Bielefeld und Düren

„Wir wollten eine Dokumentation behandeln, die thematisch für die Schüler interessant ist“, sagt Kosfeld, der solche Workshops auch schon an Schulen in Bielefeld und Düren angeboten hat. Daneben sei auch wichtig, dass der Film längere Pausen hat, in denen nicht gesprochen wird, damit die Audiodeskriptionen eingefügt werden konnten.

Im Klassenraum beschäftigten sich zwei Gruppen mit jeweils fünf Schülern eine Woche lang mit dem Film. „So konnten sie sich gegenseitig Feedback geben“, sagt Kosfeld. Die Klassenlehrer halfen mit. Die Gruppen saßen an jeweils zwei Computern: an einem sahen beziehungsweise hörten die Jungen und Mädchen den Film, auf dem anderen tippten sie die erläuternden Texte ein – immer unter folgender Fragestellung: „Wer macht was, wann, wie und wo?“

Rege Diskussionen unter den Duisburger Schülern

Der Film soll im Vordergrund stehen, betont Kosfeld. Deshalb sind die Beschreibungen nur so lang, wie nötig. Die Audiodeskriptionen sollen zudem „möglichst objektiv sein, wobei pure Neutralität auch bizarr wirkt“, so der Projektleiter. Regelmäßig komme es unter den Schülern beim Schreiben der Texte zu regen Diskussionen, wie die Szenen zu interpretieren seien. Kosfeld: „Das Ziel ist, die Texte möglichst wertfrei zu formulieren.“

Die Texte einzusprechen, war gar nicht so leicht. „Manchmal haben wir das 20 Mal wiederholt, bis alles gepasst hat“, sagt er. Das sei aber ganz normal. Kosfeld erinnert sich mit großer Freude an einen Jungen aus dem Workshop, der kaum sprechen konnte. Seine Lehrer befürchteten, dass er nichts für die Dokumentation vertonen könne. „Am Ende hat er ganze vier Sätze flüssig eingesprochen“, so der Projektleiter. Die Schüler sind in der Arbeit über sich hinausgewachsen, haben Selbstvertrauen gewonnen. Und sie lernten Empathie, weil sie sich ständig fragen mussten, wie jemand einen Film versteht, der nur hören, aber gar nichts sehen kann.

Abschlussarbeiten motivieren Schüler, selbst am Workshop teilzunehmen

Nach der Filmvorführung gab’s auch aus dem Publikum ein dickes Lob und nur vereinzelt Kritik. Ein Schüler hätte sich nur einen Sprecher und nicht mehrere für Audiodeskriptionen gewünscht. „So konnten aber viele Schüler am Projekt teilnehmen“, erklärte Kosfeld.

Die Dokumentation hat auf jeden Fall Lust auf den Workshop im nächsten Jahr gemacht. Kosfeld freut sich, dass rund zehn Schüler jetzt schon mitmachen wollen.

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