KULTUR

Duisburger Verlag veröffentlicht Sagen aus dem Ruhrgebiet

Moritz Besel (Inhaber des Geschäfts „Farbklecks“) und Ulrike Thelen haben mit dem Buch „Geschichten und Sagen aus dem Ruhrgebiet“ das zweite Buch in ihrem Duisburger Verlag „Goldauge“ veröffentlicht.

Moritz Besel (Inhaber des Geschäfts „Farbklecks“) und Ulrike Thelen haben mit dem Buch „Geschichten und Sagen aus dem Ruhrgebiet“ das zweite Buch in ihrem Duisburger Verlag „Goldauge“ veröffentlicht.

Foto: Lars Fröhlich

Dusiburg.   Der Goldauge-Verlag hat ein zweites Buch veröffentlicht. Gesammelt hat die Ruhrpott- Sagen Sylvia Scholz, Franka Maria Kuprat hat sie illustriert

Sind Sie schon mal einem Skarbnik oder einem Schachtkickel begegnet? Nicht?! Dann wird es aber eng mit der Chance auf ein Treffen mit diesen Wesen. Denn das Ende des Steinkohlebergbaus ist nah. Aber nur die Schächte und Stollen unter Tage sind die Heimat dieser Berggeister, die wahlweise den Bergleuten helfen oder sie ins Verderben stürzen. Das hängt davon ab, ob die Gier oder die Solidarität das Handeln der Kumpel bestimmt. So künden es zumindest zwei Sagen aus dem Ruhrgebiet.

Nachzulesen sind diese in dem neuen Buch „Geschichen und Sagen aus dem Ruhrgebiet“, das Moritz Besel und Ulrike Thelen jetzt in ihrem Duisburger Goldauge-Verlag veröffentlicht haben. Es ist ihr zweites selbstverlegtes Buch im Programm nach der 2015 erschienenen, wunderschön illustrierten Fabel „Die Landmaus und die Stadtmaus“. Und die niedlichen Nager sind an dem Nachfolger nicht ganz unschuldig.

Nachdem die Duisburger Erziehungswissenschaftlerin und Bildungshistorikerin Sylvia Scholz die Mäuseriche und damit den Goldauge-Verlag entdeckt hatte, machte sie sich spontan auf den Weg, um den beiden Duisburger Jungverlegern ihr Ansinnen vorzutragen. „Anfang 2016 kam sie zu uns in den Farbklecks und erzählte von ihrer Idee, ein Buch mit Sagen und Geschichten aus dem Ruhrgebiet zu machen“, erinnert sich Besel.

Bilder für junge Leseratten

Die Idee selbst war nicht ganz so spontan, wie Sylvia Scholz verrät. Vor gut vier Jahren war sie bei der Suche nach illustrierten Märchen aus dem Ruhrgebiet nirgendwo fündig geworden. „Bücher und Geschichtensammlung in dieser Hinsicht gibt es genug, aber sie sind alle nicht bebildert“, erzählt Sylvia Scholz. „Ich wollte aber etwas Ansprechendes für Kinder und Jugendliche. Aber wenn diese Geschichten nicht illustriert sind, fällt eine ganze Altersklasse aus. Die lesen das dann nicht.“ Genau das aber war ihr Anliegen, dass Kinder und Jugendliche auch nach Schließung der letzten Zeche erfahren, was das Ruhrgebiet geprägt hat.

Ihr Fazit: Selber machen! Eine Mitstreiterin war mit Franka Maria Kuprat rasch gefunden. Die freiberufliche Illustratorin, die Scholz durch eine gemeinsame Bekannte kennengelernt hat, war von der Idee so angetan, dass sie zu einigen Geschichten Aquarelle malte.

Dennoch war dem Duo zunächst kein Glück bei den Verlagen beschieden. Sylvia Scholz: „Ich habe ganz viele Verlage angeschrieben, immer vergeblich.“ Bis sie den Goldauge-Verlag entdeckte und mit ausgesuchtem Material bei Moritz Besel und Ulrike Thelen auf der Matte stand. Beide waren von dem Projekt überzeugt, das dann vor gut einem Jahr in Angriff genommen wurde.

Liebevolle Illustrationen

Aus 40 Geschichen, die Sylvia Scholz für geeignet hielt, wurden elf ausgesucht, damit das Format eines Kinderbuches nicht gesprengt wird. Die Wahl fiel auf Klassiker wie die Entdeckung der Kohle im Ruhrgebiet durch einen Schweinehirten, oder die Legende vom Barbarazweig. Hinzu kamen eher weitgehend unbekannte Geschichten wie die des Schachtkickels oder des Skarbniks. Alle wurden liebevoll illustriert von Franka Maria Kuprat, aus deren einzelnen Aquarellen immer ein Detail auch die Buchseiten unten schmückt.

Sagen aus Duisburg zu kurz

Auffällig ist, dass viele Sagen und Geschichten in dem Buch in Essen spielen. Eine Begründung dafür sieht Sylvia Scholz darin, dass Essen ehedem schon eine „florierende Stadt“ war. Andererseits hatten die Geschichten die gewünschte Länge. „Duisburg hat auch seine Geschichten, aber die meisten sind zu kurz. Über Essen gibt es zahlreiche Bücher zu kaufen, über Duisburg weniger. Ich glaub’ es gibt noch etliche Sagen über Duisburg zu finden. Das wäre dann der Stoff für ein zweites Buch“, meint Sylvia Scholz lachend.

Oma Ruth gewidmet

Das erste hat sie ihrer Großmutter gewidmet. „Meine Oma Ruth kam aus Schlesien. Sie hatte großen Einfluss auf meine Heimatverbundenheit. Sie hat mir mitgegeben, was Wurzeln bedeuten, dass man durch sie so geprägt wird, dass man überall auf der Welt heimisch werden kann“, sagt Sylvia Scholz. Sie selbst sei „überzeugte Duisburgerin“ und „im Ruhrgebiet verwurzelt“. Deshalb wünsche sie sich, dass dieses Buch „identitätsstiftend“ wirkt und so dazu beiträgt, Menschen in dieser Region zu verbinden.

Im Buchhandel erhältlich

Das 64 Seiten starke Buch „Geschichten und Sagen aus dem Ruhrgebiet“ kostet 16,90 Euro und ist im Buchhandel erhältlich. Für die Erstauflage wurden 1000 Exemplare gedruckt.


Nächste Lesung in Duisburg

Nach zwei Lesungen in Essen steht am 11. November eine Vorstellung des Buches im Lesecafé des Stadthistorischen Museums Duisburg an.

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