Prozess in Duisburg

Duisburgerin (34) soll Baby nach der Geburt erstickt haben

Der Haupteingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz

Der Haupteingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Eine Notärztin fand den Leichnam in einer Plastiktüte neben dem Waschbecken. Die Angeklagte wollte sich bislang nicht zu den Vorwürfen äußern.

Ein grausames Verbrechen wird einer 34-jährigen Frau vorgeworfen. Wegen Totschlags steht die Duisburgerin, die erst im Zuge ihrer Heirat 2017 nach Oberhausen verzog, derzeit vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz steht. Am 10. August 2018 soll sie im Badezimmer der ehelichen Wohnung ein Kind zur Welt gebracht und es getötet haben.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg ist sich nicht sicher, ob die Frau dem Mädchen die Hand oder einen weichen Gegenstand auf das Gesicht legte oder es so fest in einer Decke einwickelte, dass es keine Luft mehr bekam. Eine Notärztin, die am Tattag in die Wohnung gerufen wurde, fand den Leichnam in einer Plastiktüte neben dem Waschbecken. Der Raum sei sauber gewesen, erinnerte sich die Ärztin. Die Patientin sei ruhig und gefasst gewesen, während ihr Ehemann fassungslos war.

Schwangerschaft geheim gehalten

Die Angeklagte wollte sich bislang nicht zur Sache äußern. Der Notärztin und wenige Stunden später einem Polizisten hatte sie allerdings berichtet, dass es sich um eine Sturzgeburt handelte und das Kind tot zur Welt gekommen sei. Sie habe erst sechs Wochen zuvor gemerkt, dass sie schwanger war. Sie habe während der Schwangerschaft keinerlei Lebenszeichen von dem Kind bemerkt. Bei einer Obduktion wurde schnell klar, dass die Angaben nicht stimmen konnten: Das Kind kam lebend zur Welt. Ihrer Familie hatte die Angeklagte die Schwangerschaft verschwiegen. Und auch ihrem Geliebten, einem 35-jährigen Duisburger, der sich im Zuge der Ermittlungen als Vater des Kindes entpuppte, hatte sie laut dessen Zeugenaussage Lügengeschichten über ihren Zustand aufgetischt.

Zwei Koryphäen der deutschen Gerichtsmedizin, Thomas Bajanowski vom Uni-Klinikum Essen und sein Kollege Michael Tsokos von der Berliner Charité trugen am Dienstag ihre sachverständige Meinung über den Tod des Kindes vor. Eindeutige Antworten für die Juristen gab es nicht: Der eine hält den äußeren Erstickungstod für die einzig verbleibende Todesursache, der andere sieht auch eine Komplikation bei der Geburt als mögliche Todesursache. Durch ein Zusammenpressen der Nabelschnur im engen Geburtskanal hätte es zu einer Sauerstoffunterversorgung kommen können die ohne ärztliche Hilfe nach der Geburt zum schnellen Tod führte.

Bis Anfang März sind noch zwei weitere Verhandlungstage geplant.

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