Awo-Besuchsdienst

Ehrenamtliche im Einsatz gegen die Einsamkeit von Senioren

Rudolf Lührs im Awo-Kranichhof in Wanheimerort. Von dort koordiniert

Foto: Awo

Rudolf Lührs im Awo-Kranichhof in Wanheimerort. Von dort koordiniert

Duisburg.   Rudolf Lührs organisiert mit Fred Groß den ehrenamtlichen Besuchsdienst bei der Awo in Duisburg – für viele Senioren der Höhepunkt in der Woche.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Seit 2004 organisieren Rudolf Lührs und Fred Groß bei der Awo den ehrenamtlichen Besuchsdienst für allein lebende Senioren. Ein Anruf im Wanheimerorter Kranichhof genügt, und schon schauen die beiden nach passenden Gästen, die einmal in der Woche für ein bis zwei Stunden vorbeikommen. Auf ein Quätschchen bei Kaffee und Kuchen, einen gemeinsamen Spaziergang oder einen kleinen Einkaufsbummel. Zuletzt haben die Anfragen allerdings deutlich abgenommen. WAZ-Redakteur Daniel Wiberny sprach darüber mit Rudolf Lührs (76).

Herr Lührs, schämen sich viele ältere Menschen zuzugeben, dass sie einsam sind?

Rudolf Lührs: Nein, das glaube ich nicht. Zunächst einmal sind einige Senioren, die von uns besucht wurden, weggezogen, andere sind leider auch verstorben. Ich denke eher, dass unser Angebot immer noch nicht bekannt genug ist.

Dann dürfen Sie jetzt mal die Werbetrommel rühren...

Lührs: Für viele der aktuell 30 Senioren sind unsere Besuche das Highlight der Woche. Diese Rückmeldungen bekomme ich immer wieder. Und das ist sehr befriedigend. Dann weiß ich, dass sich die Zeit, die ich zusammen mit Fred Groß investiere, auch tatsächlich lohnt.

Es zeigt aber auch, wie wenige Kontakte Menschen im Alter offenbar noch haben. Aus ihrer Erfahrung: Wie einsam sind die Senioren in Duisburg?

Lührs: Manche sind schon sehr allein, nur noch in der Wohnung, haben keinen Ehepartner und auch keine Freunde mehr. Dann kommen die Angehörigen oft nur am Wochenende vorbei. Da freuen sich viele Senioren auf unsere Besuche, um mal wieder neue Menschen kennen zu lernen, andere Gesichter zu sehen.

Gibt es eine Geschichte, die Sie besonders bewegt hat?

Lührs: Eine ältere Dame ist vor drei Jahren zwei Tage vor unserem Besuch verstorben. Das hatte niemand im Haus mitbekommen, bis unsere Ehrenamtliche vor der Tür stand...

Wie gehen die Ehrenamtlichen mit dem Thema Tod um?

Lührs: Es ist immer schlimm, wenn ein Mensch stirbt, den man oft jahrelang besucht hat. Da werden ganz enge Beziehungen aufgebaut. Als wir mit dem Besuchsdienst angefangen haben, wollten wir genau das verhindern, um unseren Ehrenamtlichen solche Erfahrungen zu ersparen. Wir haben aber schnell gemerkt, dass die Senioren feste, vertraute Bezugspersonen haben wollen.

Stichwort Vertrauen: Die Senioren müssen sich auch darauf verlassen können, dass die Menschen, die zu ihnen kommen, vertrauenswürdig sind.

Lührs: Das stimmt. Wir sprechen im Vorfeld mit jedem, der sich ehrenamtlich im Besuchsdienst engagieren will. Wenn uns irgendwer dubios vorkommt, kann er sich sofort wieder verabschieden.

Schaffen Sie es denn immer, dass die Chemie zwischen den Ehrenamtlichen und Besuchten stimmt?

Lührs: In den allermeisten Fällen schon. Es ist in all den Jahren vielleicht fünf-, sechsmal passiert, dass es einfach nicht harmoniert hat. Dann wechseln wir eben. Aber wir achten schon auf gemeinsame Interessen und darauf, dass es auch intellektuell passt.

Sind Sie eigentlich auch mal selbst bei solchen Besuchen dabei?

Lührs: In erster Linie übernehme ich mit Fred Groß die Koordination. Aber ganz selten, wenn jemand mal kurzfristig ausfällt, springen wir auch mal gerne ein.

>>>Das erste Kennenlerntreffen ist kostenlos

40 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit im Besuchsdienst bei der Awo. Das erste Kennenlerntreffen ist kostenlos, die erste Stunde danach kostet 3,50 Euro, jede weitere 2,50 Euro, um die Fahrtkosten der Ehrenamtlichen zu decken. Diese werden wohnortnah eingesetzt.

Infos gibt es bei Rudolf Lührs, der vor seinem Ruhestand als IT-Berater gearbeitet hat, und beim früheren Bahnmitarbeiter Fred Groß. Sie sind montags von 10 bis 13 Uhr und mittwochs von 14 bis 16 Uhr bei der Awo, Düsseldorfer Straße 505, oder unter 0203/ 30 95-630 zu erreichen.

Neben der Awo gibt es weitere Anbieter von ehrenamtlichen Besuchsdiensten wie zum Beispiel die Malteser, die auch mit Besuchshunden unterwegs sind, oder das Christophoruswerk mit ihrem Häuslichen Unterstützungsdienst.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik