Kommentar

Ein nüchterner Blick auf das Trinkverbot in der City

WAZ-Redakteur  Oliver Schmeer  kommentiert das Alkoholverbot für die Innenstadt.

WAZ-Redakteur Oliver Schmeer kommentiert das Alkoholverbot für die Innenstadt.

Foto: WAZ Grafik

Duisburg.  Das Alkoholverbot in der Innenstadt soll bestehen bleiben. Immerhin, die Betreuung der Szene wird zugleich ausgeweitet.

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Nun will die Stadt das Promilleverbot in der Innenstadt also verlängern und begründet dies mit vorzeigbaren Erfolgen und einem besseren Stadtbild - es gibt danach also weniger Störungen und Belästigungen durch die missliebige Trinkerszene. Laut einer Umfrage bestätigen das auch Anwohner und City-Besucher. Zugleich ist danach aber nur jeder Fünfte davon überzeugt, dass das Verbot allein etwas nutzt. Vor allem soll und muss es begleitende Maßnahmen geben, meint die Mehrheit.

Immerhin, es gibt mehr Betreuung

Man muss der Stadt zu Gute halten, dass sie es in der Tat nicht bei dem Verbot, der Repression, ihrer Kontrolle und Verdrängung der Szene, belassen will. Es gibt einen runden Tisch und eine offenbar gute Zusammenarbeit mit Sozialdiensten und Suchthilfe. Ein Streetworker ist bereits im Einsatz und Ansprechpartner für die Klientel. Er scheint in der Szene akzeptiert zu werden. Nun soll eine zweite Kraft auf die Straße. Außerdem soll es eine Anlaufstelle für die Sozialarbeiter und die Trinkerszene in der Innenstadt geben. Ein Treff für Betreuung und Beratung, aber kein Trinkraum. Anerkennung dafür. Also alles gut?

Immerhin deutlich besser als befürchtet. Im Grunde hat eigentlich sogar erst das Alkoholverbot den Blick auf die Notlage der betroffenen Klientel geschärft. Statt nur Bänke abzuschrauben und Platzverweise zu erteilen, intensiviert die Stadt nun flankierende Maßnahmen, greift in ihren Etat und ermöglicht Hilfs- und Betreuungsangebote von Sozialdiensten und Vereinen, die bisher eher allein gelassen wurden.

Scheinwerferlicht auf der Innenstadt

Aber zur Ernüchterung: Auslöser und Antriebsfeder für das Trinkverbot waren nicht Suchthilfe oder sozialer Impetus, sondern die gewünschte Imagepflege für ein „sauberes Stadtbild“, für eine angeblich attraktivere Innenstadt, in der man keine herumlungernden, mitunter sicher auch pöbelnden Trinker wollte – dabei sind sie wahrlich das geringste Problem der Innenstadt. Soziale Hotspots, alte wie junge Menschen am Rand der Gesellschaft, triste Treffs für Trinker und Drogenabhängige gibt es auch an anderen Stellen in der Stadt. Die liegen nur nicht so im Scheinwerferlicht von Stadt und Politik. Dort im Schatten der City wünschten sich die Suchthelfer ähnliches Engagement.

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