Kommentar

Ein schmaler Grat zwischen Wert und Preis

WAZ-Redakteur Martin Ahlers kommentiert den Steelworks-Stahlrahmen von Thyssenkrupp-Steel.

WAZ-Redakteur Martin Ahlers kommentiert den Steelworks-Stahlrahmen von Thyssenkrupp-Steel.

Foto: Foto: SE / WAZ FotoPool

Duisburg.  Ein angemessener Preis für einen innovativen Stahlrahmen zu finden ist fast so schwierig, wie die Entwicklung des Steelworks-Renners.

Welcher Preis ist angemessen für das Steelworks, den Rennrad-Rahmen, mit dem die Ingenieure den Stahlrahmenbau völlig neu interpretiert haben? Hinsichtlich der Marktgängigkeit des Renners ist das eine Gretchenfrage. Viele Reaktionen auf die aufgerufenen Preise, 9000 und 6000 Euro für die beiden Komplettrad-Versionen, schwankten zwischen Erschrecken und Häme. Das war erstens zu erwarten, lässt aber noch keine Rückschlüsse zu auf den Verkaufserfolg.

Drei Jahre Entwicklung und preisgekröntes Design

Zum Schnäppchenpreis würde das Steelworks nicht zu haben sein, das ist klar. Drei Jahre Entwicklung stecken im Rahmen und seinem Red-Dot-Preis gekrönten Design. Da es sich verbietet, an einen High-Tech-Rahmen Billigteile zu schrauben, musste die erste Zahl auf dem Preisschild wohl mindestens eine sechs sein. Diese Beträge werden auch von der Kunstfaser-Konkurrenz aufgerufen für Modelle, die nicht der letzte Schrei der Technik sind. Bei Top-Versionen wird längst schon keiner der großen Namen der Branche mehr rot, wenn er fünfstellige Summen für ein Rad verlangt.

Und dennoch wird sich beim Steelworks-Vertrieb von einiges bewegen müssen, damit das Projekt auch zum Geschäft wird. Stahl ist im Rahmenbau ein Nischenmaterial mit Enthusiasten und Maßrahmen-Manufakturen, weil er den erheblichen Gewichtsnachteil gegenüber Carbon nicht aufholen kann. Auch das Steelworks liegt näher am traditionellen Rohrsatz als an der Kunstfaser. Viel Luft nach oben bleibt nicht.

Kunden wünschen Konfiguration nach Wunsch

Damit der Rahmen in nennenswerter Zahl auf die Straße kommt und nicht eine Anekdote aus dem technischen Raritätenkabinett bleibt, wird wohl auch der alleinige Online-Vertrieb von zwei Versionen und drei Lackierungen nicht reichen. Der qualifizierte Fachhandel ist der geeignete Partner, um kaufkräftige Kundschaft zu begeistern. Nur dort besteht auch die Möglichkeit, den Rahmen individuell zu einem Komplettrad aufzubauen. Wer 90 Hunderter für ein Fahrrad auf den Tisch des Hauses legt, hat in der Regel sehr genaue Vorstellungen davon, wie sein Traumrad auszusehen hat.

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