Kommentar

Polizeieinsatz in Bruckhausen: Ein Tumult und seine Folgen

Die Reinerstraße in Duisburg Bruckhausen. Hier eskalierte am Sonntag vergangener Woche ein Polizeieinsatz wegen Falschparkerei.

Die Reinerstraße in Duisburg Bruckhausen. Hier eskalierte am Sonntag vergangener Woche ein Polizeieinsatz wegen Falschparkerei.

Foto: Annette Kalscheur

Duisburg.  Wie der Polizeieinsatz wegen eines Knöllchens zeigt, dass die Gesellschaft weiter auseinanderdriftet. Ein Kommentar von Oliver Schmeer.

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In Bruckhausen ist am vergangenen Sonntag mehr als ein Polizeieinsatz beim Knöllchen-Schreiben eskaliert. Noch tiefgreifender als die Tumulte an dem Tag sind die Reaktionen danach: die Bilder im Kopf, die Vorurteile, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft.

Der schwarze Block aus vermummten Linksautonomen greift Polizisten brutal an, wirft Steine. Rechtsradikale treten mit Springerstiefeln gegen Einsatzhundertschaften, praktisch jedes Wochenende prügeln sich Fußball-Hooligans untereinander oder mit Polizisten, Betrunkene greifen bei Einsätzen Beamte an. Das empört alle und alle sind sich einig, dass der Staat das nicht zulassen darf, aber sie bleiben gewalttätiger Alltag. Soweit, so schlecht.

Recht ist Recht, überall und bei jedem

Und dann gibt es Konflikte um Polizeieinsätze, bei denen sich berechtigtes und unstrittiges Staatshandeln vermengt mit gesellschaftlichen Parallelwelten, mit Feindbildern, die sich dann auch noch trefflich hinterher pflegen lassen. Warum eskalierte das Falschparken in der ruhigen Reinerstraße? Weil jemand die Anweisung der Polizei nicht befolgte, die Polizei als staatliche Gewalt nicht akzeptierte. Das kommt leider allzu oft vor, bleibt aber meist eine Episode. Aber dort eskalierte es zum vermeintlichen Angriff einer „fremden“ Ordnungsmacht bzw. wurde dazu stilisiert – Aufruhr in der Menschenmenge. Dabei muss doch klar sein: Recht ist Recht, überall und bei jedem.

Zugleich fällt die Empörung in gefährlicher Pauschalisierung über alle und alles her, was und in welcher Art auch immer nicht „deutsch“ ist, was oft im Gewand des aufrechten Staatsbürgers daherkommt, aber durchwoben ist mit Ressentiments. Und auf der „anderen Seite“ sieht man sich in der Ausgrenzung bestätigt und wendet sich ab.

Rasch muss ermittelt werden, ob Polizeibeamte brutal und ungesetzlich gehandelt haben. Aber diese Klärung ist nicht die Kernfrage. Es geht um die Gefahr, dass die Gesellschaft weiter auseinanderdriftet.

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