Einzelhandel

Einzelhändler am Niederrhein kämpfen gegen Leerstand an

Mit vollen Einkaufstüten nach einem Einkaufsbummel nach Hause: Bilder wie diese werden in Zeiten des Online-Handels seltener.

Mit vollen Einkaufstüten nach einem Einkaufsbummel nach Hause: Bilder wie diese werden in Zeiten des Online-Handels seltener.

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Am Niederrhein.  Einzelhändler in Duisburg und am Niederrhein fordern: Die Städte müssen attraktiver werden, mehr Wettbüros und Shisha-Bars verhindert werden.

Der Wettbewerb um die Marktanteile im Einzelhandel wird härter. Auch in Duisburg und am Niederrhein. Erneut sind die Umsätze im Onlinehandel gestiegen. Die hiesigen Einzelhändler blicken trotz leichter Umsatzzuwächse in 2019 und einem hohen Konsumklima nur verhalten optimistisch ins Jahr und zunehmend mit Sorge auf die Leerstände in der Stadt. Das ergibt die Jahresumfrage des Handelsverband NRW Niederrhein, die Dienstag veröffentlicht wurde. Aus Sicht der Unternehmer müssten die Innenstadt und auch Stadtteilzentren „attraktiver gestaltet werden und falsche Nutzungsformen wie Wettbüros und Shishas verhindert werden“, erklärt Wilhelm Bommann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.

Gut 70 Prozent der Unternehmen im Verbandsgebiet Duisburg und Kreis Wesel verzeichneten im vergangenen Jahr ein leichtes Plus oder konnten ihr Ergebnis zumindest halten. Vor allem die Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte waren nicht so stark, was auf einen eher sommerlichen Herbst und ein etwas schwächeres Weihnachtsgeschäft im stationären Handel zurück zu führen ist.

Grundsätzlich seien die Aussichten für 2020 auch nicht schlecht. Nach wie vor niedrige Zinsen veranlassten manchen Bürger, Möbel, Elektronikartikel aber auch Textilien, Spielwaren oder Hausratsartikel zu kaufen. Dennoch aber machen auch eine sinkende Einwohnerzahl und dadurch bedingte rückläufige Kaufkraft den Städten und Gemeinden in Duisburg und am Niederrhein zu schaffen. Inwieweit die zunehmende Anzahl von Flüchtlingen die Kaufkraft vor Ort beeinflussen wird, könne überhaupt noch nicht abgeschätzt werden.

„Der Fachhandel hat an Marktanteilen verloren“

Nach wie vor ist das große Problem der Onlinehandel. „Der Fachhandel hat an Marktanteilen verloren“, sagt Wilhelm Bommann. Der Bruttoumsatz mit Waren stieg im Onlinehandel 2019 auf den Rekordwert von bundesweit 72,6 Milliarden Euro an. Das entspreche einem Plus von mehr als elf Prozent. Auch für das Jahr 2020 erwartet die Branche eine Zunahme. Jeder Einzelhändler müsse für sich prüfen, inwieweit er den Handel über das Internet für sich nutzen kann. „E-Commerce ist das Top-Thema im Einzelhandel“, betont Bommann. Der zusätzliche Service, den der Fachhandel anbiete und der sich im Preis widerspiegeln muss, werde immer wichtiger. Nach wie vor „befindet sich der Einzelhandel im größten Strukturwandel seit Einführung der Selbstbedienung.“

Bringservice, freies WLAN, Heimat shoppen als Pluspunkte für den stationären Handel

Man müsse die unterschiedlichsten Konzepte prüfen. Buy lokal, Bringservice, freies WLAN, Heimat shoppen, Lokale Verkaufsplattformen, OnlineCity, und lokale Apps werden als Stichworte genannt. Im Frühsommer wird das „DigitalMobil Handel (DiMo)“ in sechs Städte an den Niederrhein kommen. Es soll den klein- und mittelständischen Einzelhändlern bei einem 360-Grad-Rundgang per App durch einen Laden die Chancen der Digitalisierung nahe zu bringen. „Das DiMo hat die verschiedensten Lösungen für den Einzelhändler an Bord“, sagt Bommann.

Dies alles werde aber nicht reichen, wenn die Innenstädte und Stadtteilzentren nicht gestärkt werden. „Die Interessen der Einzelhändler müssen in die Entscheidungen der Politik vor Ort einfließen“, so Bommann. Dazu gehöre auch die Unterstützung der Politik beim Thema „Verkaufsoffener Sonntag“. Diese seien für den stationären Handel eine Chance, seine Leistungen zur „Schau zu stellen“. „Wir fordern von der Landespolitik: Weg mit dem Anlassbezug.“ Stattdessen sollte man eine begrenzte Anzahl von verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr im Ladenöffnungsgesetzt NRW ermöglichen, um mehr Rechtssicherheit für die Werbe- und Interessengemeinschaften zu erhalten.

Weniger Arbeitslose im Verkauf, Ausbildungsverträge auf hohem Niveau

Ein positiver Lichtblick: Trotz all dieser Faktoren zeige sich der Arbeitsmarkt im Einzelhandel stabil. Die Zahl der Arbeitslosen im Verkauf ist weiter zurückgegangen. Die Agentur Wesel (Kreise Wesel und Kleve) verzeichnete ein Minus von 8,6 Prozent auf 2746 und in Duisburg meldete die Agentur für Arbeit einen Rückgang von 6,9 Prozent auf 2979. Nach wie vor bilde der Einzelhandel auf einem sehr hohem Niveau aus. „Mit 986 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Kammerbezirk ist die Bestmarke aus dem Jahr 2015 zwar nicht erreicht worden, aber die Quote ist stabil und auf einem sehr hohen Niveau“, erklärt Wilhelm Bommann.

Forderung nach einheitlichen Öffnungszeiten wird nach wie vor diskutiert

Immer wieder diskutiert wird die Frage nach einheitlichen Öffnungszeiten in den Handelszentren. 58,3 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, über zwölf Prozent weniger als im Jahr zuvor. Nach Schätzungen des Verbandes, können die Kunden heute mehr als 20 Prozent länger einkaufen als dies noch vor Jahren der Fall war. Viele Geschäfte haben entweder länger am Abend geöffnet oder die Öffnungszeiten an den Samstagen ausgedehnt. Im Lebensmitteleinzelhandel ist der Einkauf von 6.30 bis 22 Uhr keine Seltenheit mehr. „Doch bei allem Verständnis für unsere Kunden, zusätzliche Öffnungszeiten müssen sich auch betriebswirtschaftlich rechnen“, sagt Bommann. Deshalb fordert der Verband standortbezogene Kernöffnungszeiten. Über die debattiert auch immer wieder der Duisburger Einzelhandel beim Innenstadtdialog, allerdings bislang ohne Ergebnis. Nach wie vor schließen die Geschäfte im Forum, Citypalais und in der Königsgalerie um 20 Uhr, die entlang der Königstraße teilweise bereits um 19 Uhr und die Läden am Sonnenwall Samstags teilweise schon um 15 oder 16 Uhr.

Dennoch aber sieht Wilhelm Bommann gerade in Duisburg gute Ansätze. „Die Innenstadt entwickelt sich“, sagt er. Zwar sei die Zahl der Geschäfte seit 2008 um rund 27 Prozent gesunken, und die der Verkaufsflächen um zehn Prozent. Wichtig seien aber für den Handel Planungen, die auf dem ersten Blick nicht handelsrelevant erscheinen, wie die Projekte „6-Seen-Wedau“ oder das Mercator Quartier. Und auch die Weiterentwicklung der Duisburger Freiheit sei von „sehr großer Bedeutung.“ Doch trotz aller zu erwartenden Bautätigkeit müsste die Erreichbarkeit der City und Stadtteile gewährleistet bleiben. Umgehungsverkehre hätten auch Auswirkungen auf die Duisburger Stadtteile. Nach wie vor wären Großbaustellen vorhanden, die die Erreichbarkeit erschwere. Die Verbandsvertreter begrüßen daher die Einstellung einer Baustellenmanagerin für Duisburg.

Professionelles Marketing für die Stadtteilzentren

Und noch mehr begrüßen würden sie es, wenn auch die Stadtteile gestärkt werden würden. Ihre Entwicklung dürfe nicht abgekoppelt werden. Positive Ansätze seien die Arbeitsgruppen für Hamborn, Meiderich, Marxloh und Rheinhausen. Man müsse auch über Konzepte nachdenken, wie die Vermarktung der Stadtteile verbessert werden kann. Es sei aber auch festzustellen, dass die Zahl der Werbe- und Interessengemeinschaften abgenommen hat. Derzeit gibt es noch 37 im Kreis Wesel und 15 in Duisburg. In einigen Stadtteilen hätte man leider aufgegeben. Bommann: „Es ist schade, wenn das ehrenamtliche Engagement in den Stadtteilen nachlässt.“ Aber es gäbe auch positive Ansätze wie in Rheinhausen oder Marxloh. Einmal mehr würde sich zeigen, wie wichtig das Ehrenamt für die „Vitalitität der Stadtteile“ sei.

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