Schule und Bildung

Eltern und Lehrer geben schlechte Noten für Frau Kraft

Klassenzimmer voll, Lehrezimmer leer: Junglehrer machen einen Bogen um den schwierigen Standort Duisburg. Es fehlen Grundschullehrer. Foto:Jörg Schimm

Klassenzimmer voll, Lehrezimmer leer: Junglehrer machen einen Bogen um den schwierigen Standort Duisburg. Es fehlen Grundschullehrer. Foto:Jörg Schimm

  Kurz vor der Landtagswahl erneuern Eltern, Lehrer und die GEW ihre offenbar überhörten Forderungen nach zwei neuen Grundschulen und mehr Lehrern

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Aufgaben „Polizei“ und „Schule“, das sind die beiden einzigen Bereiche, über die eine Landesregierung komplett in politischer Eigenregie, ohne Abhängigkeiten und Mitsprache durch Berlin, walten und schalten kann. Kein Wunder also, dass sich gestern gut eine Woche vor der Landtagswahl NRW die Lehrer wie Eltern aus Duisburg noch einmal zum Thema „Schule und Bildung“ zu Wort gemeldet haben.

Ihre Klagen: Vor allem die 75 vorhandenen Grundschulen der Stadt seien nun mittlerweile durch Flüchtlinge und Zuwanderung massiv überfüllt und ein Ende der überfüllten Klassenzimmer sei auch mittelfristig nicht in Sicht. Die Forderung der Lehrergewerkschaft GEW, wie aber auch der neu aufgestellten Duisburger Stadtelternschaft, gestern vor der Presse vertreten durch Uwe Meyer, lautet daher klar und unmissverständlich: „Die Stadt muss schnell zwei neue Grundschulen errichten, eine im Norden der Stadt (Marxloh-Bruckhausen), eine zweite in Mitte (Hochfeld-Wanheimerort).“

„Duisburg ist kein Ort wie jeder andere!“

Diese beiden neuen Schulen müssten 2020 in Betrieb gehen und nicht erst ab 2020 geplant werden. GEW-Chef Norbert Müller: „Hier muss das Schulministerium sofort die nötigen Mittel bereitstellen. Duisburg ist kein Ort wie jeder andere!“

Und diese bittere Lage-Einschätzung lasse sich auch leider auf die katastrophale Lehrerversorgung in Grundschul- und Förderschulen übertragen. Die Probleme und Aufgabenstellungen an die Pädagogen für die I-Dötzchen steigen gerade in der Stahlstadt rasant.

Aber Junglehrer aus NRW machten nach wie vor einen großen Bogen um den pädagogischen Problemstandort Duisburg. Und die Landesregierung, so GEW-Chef Müller, steuere in der Lehrerversorgung noch längst nicht und spürbar dagegen, obwohl sie das könnte.

„Es kommt hier unten einfach zu wenig an!“

Soll heißen: Das Land NRW solle endlich Abschied nehmen, von der „schulscharfen Lehrerbesetzung“ (jede Lehrer, jede Schule sucht sich den Partner seiner Wahl aus) solle in Duisburg nun jetzt endlich und schnellstens zur „steuernden Zuweisung“ zurückkehren. Damit nicht, wie aktuell wieder in der Duisburger Grundschulen nachzuschauen, von 85 ausgeschriebenen Stellen nur 18 besetzt seien.

Alte Schulgebäude aus Kaiserszeiten oder uralt Container-Klassenzimmer (wie bei der GGS Am Knappert, Rahm), überfüllte Klassenzimmer, immer viel zu wenig Pädagogen: Die Duisburger Eltern, Lehrer und Gewerkschaften zeigten sich gestern alles andere als begeistert über die rot-grüne Leistungsbilanz in Sachen „Schule und Bildung“. Müller: „Es gibt viel Sonntagsreden, aber es kommt hier unten einfach zu wenig an!“ Darüber sei man in Duisburg sauer.

Investitionen in Toiletten statt in Pädagogik

Elternsprecher Uwe Meyer kritisiert einen in der Stadt praktizierten „Schulbau nach Kassenlage“. „Dabei müssten die Schulen mit Personal und Räumen auch im Bestand Pflichtaufgaben erfüllen, erst recht seit sie Inklusion machen müssen.“ Das viel gerühmte 86 Mio.-Euro-Programm „Gute Schule“ würde in Duisburg für notwendige Grundsanierungen (marode Toiletten erneuern) von Uralt-Schulen verwendet, statt für pädagogisch „wirklich gute Sachen wie Smart-Boards, Laptops oder andere wichtige Grundausstattung.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik