Kultur

Ensemble „Pulk Fiktion“ eröffnet Spielarten-Festival

Das Kinder- und Jugendtheaterfestival Spielarten wird am Montag, den 27.11.17 mit dem Stück All about nothing im Komma Theater in Duisburg Rheinhausen eröffnet. Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Das Kinder- und Jugendtheaterfestival Spielarten wird am Montag, den 27.11.17 mit dem Stück All about nothing im Komma Theater in Duisburg Rheinhausen eröffnet. Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Beim Eröffnungsstück „All about nothing“ dreht sich alles um das liebe Geld und wie es ist, zu wenig davon zu haben. Festival läuft bis Sonntag.

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Er könne sich schon denken, dass es für sie jetzt Schöneres gäbe, als dem Kulturdezernenten zuzuhören, erklärte Thomas Krützberg den schwer pubertierenden Schülern im Kom’ma-Theater vorneweg. Krützberg eröffnete am Montag nämlich das „Spielarten“-Festival, das noch bis zum kommenden Sonntag, 3. Dezember, läuft und in vielen NRW-Städten, vor allem aber in Duisburg stattfindet. Bei den „Spielarten“ geht es nicht nur um Theater für Jugendliche und Kinder, sondern auch um Theater über Jugendliche und Kinder – zum Beispiel im Eröffnungsstück „All About Nothing“ der Kölner Theatertruppe „Pulk fiktion“.

20 Euro als verbindendes Element

Die weiße Bühne wirkte nur auf den ersten Blick spartanisch ausgestattet, denn das Künstlerquartett Elisabeth Hofmann, Manuela Neudegger, Sebastian Schlemminger und Norman Grotegut hatte viele Trittplatten zum Aktivieren von Einspielern, einen abgefilmten Zeichentisch und einen multifunktionellen Lamellenvorhang mitgebracht. Das klingt zunächst verwirrend und entlockte auch dem jugendlichen Publikum einige Lacher, schon wenige Minuten später aber verstummten die Teenager und setzten eine ernste Miene auf.

Die seltsame, ironisch-bedrückend Atmosphäre des Stücks hatte sich im Raum ausgebreitet. Vom 21. Geburtstag der schwer greifbaren, metaphorischen Hauptfigur bis zur Geburt wanderte das Stück rückwärts, immer mit Sprachaufnahmen von Jugendlichen, die über ihre Zukunft, ihre Wünsche und ihre Realität in der Kinderarmut sprachen. Davon, von Kinderarmut, handelte das Stück nämlich, und hätte es nicht schon der Flyer verraten, hätte das Publikum diese Erkenntnis erst im Laufe des Stücks erreicht.

Lügen über den Sommerurlaub

Verbindendes Element war ein 20-Euro-Schein, den sich Hauptdarstellerin Manuela Neudegger von einem Schüler lieh. Fortan ging es auf der Bühne und in den Einspielern um die Realität von Kindern und Jugendlichen in Armut, um Lügen über den Sommerurlaub, damit niemandem auffällt, dass die Familie nicht wegfahren kann und vor allem um die Abwärtsspirale, in die Kinder aus armen Familien von Beginn an eingesaugt werden. Es ging, zum Beispiel, um den Gang zum Amt, wo ein Zuschuss für den Führerschein beantragt werden soll, ohne den es keinen Ausbildungsplatz gibt. Würde die Antragstellerin aber jobben gehen, um sich das Geld zu verdienen, würde das wiederum den Eltern vom Hartz IV abgezogen werden.

Viel tiefer noch trafen die jungen Zuschauer aber die Einspieler, die sich mit den kleinen Dingen, den Nadelstichen der Armut, beschäftigten. So erzählt eine Mädchenstimme aus dem Off von dem sozialen Ausschluss aus ihrer Freundesgruppe, weil ein Kinobesuch finanziell einfach nicht drin sei, ein Junge spricht von der schlimmen Situation, in der sich seine Freunde über ihr Taschengeld unterhalten. Dem einen oder anderen Jugendlichen im Publikum dürfte das Thema Geldknappheit nicht so unbekannt sein.

Armut vererbt sich

Auch in Duisburg gibt’s immer mehr Familien, die von Armut betroffen sind. Dies zeigt sich eben daran, dass sie in der Freizeit nicht alles mit ihren Freunden unternehmen können.

Dass das Stück ein hypothetisches, aber typisches Leben eines Kindes in Armut von der Geburt bis zum 21. Geburtstag begleitete, zeichnete eindrucksvoll die Entwicklung der Armut. Angefangen von kleineren Einschnitten bis zum existenzbedrohenden Koloss wächst das Monster und droht, auch die Nachkommen der jungen Armen einzusaugen.

>>FESTIVAL LÄUFT NOCH BIS 3. DEZEMBER

Das „Spielarten“-Festival läuft noch bis 3. Dezember und zeigt Stücke für Kinder und Jugendliche ab fünf Jahren. Die jungen Besucher sollen in Kontakt mit Theater kommen.

„Spielarten“ ist ein Festival, das in acht NRW-Städten stattfindet. Nähere Informationen zu den einzelnen Terminen gibt’s im Internet auf der Seite www.spielarten-nrw.de.

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