Medikamenten-Streit

Erfolgreich Leukämie behandelt: Arzt soll 43.000 Euro zahlen

Weil er weiter das Orginalmedikament statt des billigeren Generikums verordnete, muss Dr. Rüdiger Lang nun gegen Regressforderungen der Pronova BKK, der Krankenkasse seines Patienten kämpfen.

Weil er weiter das Orginalmedikament statt des billigeren Generikums verordnete, muss Dr. Rüdiger Lang nun gegen Regressforderungen der Pronova BKK, der Krankenkasse seines Patienten kämpfen.

Foto: Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Warum ein Duisburger Arzt trotz erfolgreicher Therapie eines Leukämie-Patienten 43.000 Euro an die Krankenkasse BKK Pronova zurückzahlen soll.

Weil er einen Leukämie-Patienten nicht auf ein Nachahmer-Medikament (Generikum) umstellte, fordert die Krankenkasse Pronova BKK rund 43.000 Euro vom Duisburger Arzt Dr. Rüdiger Lang zurück. Der hat wegen des Ärgers seine Praxis in Rumeln-Kaldenhausen zum Jahresende aufgegeben. „Ich bin nicht nur finanziell bedroht, sondern auch seelisch zutiefst getroffen und entmündigt“, sagt der 63-Jährige, der sich gegen die Forderung zur Wehr setzt. Dass sein Patient, ein Bayer-Beschäftigter aus Rumeln, seine lebensbedrohliche Krankheit fast besiegt hat, interessiert weder ehemalige Betriebskrankenkasse des Konzerns, wie die Prüfungsstelle der Ärzte und Krankenkassen bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein: Sie hat die Rückforderung der Kasse bestätigt.

Mitte 2016 diagnostizierte Lang eine chronisch myeloische Leukämie bei dem heute 62-Jährigen – gut behandelbar mit so genannten Tyrosinkinasehemmern, welche die Blutkrebs-Zellen absterben lassen. Von drei zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Präparaten verordnete der internistische Onkologe das Medikament Glivec.

„Das verursacht mit rund 8500 Euro pro Quartal gehobene Kosten, die beiden anderen waren aber noch teurer“, erklärt Lang.

Studie: Höhere Therapie-Abbruchrate bei Generika-Gabe

Die ersten Generika mit einem rund 1500 Euro pro Quartal niedrigeren Listenpreis, kamen 2017 auf den Markt. Tatsächlich kann der Preis noch niedriger sein – wenn die Kassen Rabattverträge mit dem Hersteller abgeschlossen haben. Das Problem: Ist nicht ausdrücklich die Ausgabe des Originalpräparats auf dem Rezept vermerkt, kann die Apotheke verschiedene Nachahmerpräparate ausgeben. „Sie müssen nicht schlechter sein, die Menge des verfügbaren Arzneistoffs muss sich zwischen 80 und 125 Prozent des Originals bewegen. „Das kann aber zu Wirksamkeitsschwankungen und zu mehr oder weniger Nebenwirkungen führen“, erklärt Rüdiger Lang.

Auch weil sein Patient den Generika äußerst skeptisch gegenüberstand – bei einer Bluthochdruck-Erkrankung hatte er schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht – blieb der Arzt bewusst bei dem teureren Glivec. „Nur die konsequente Medikamentengabe verhindert, dass die Leukämiezellen wieder erstarken“, betont Lang, der sich auf kanadische Studien beruft. Sie stellen eine schlechtere Verträglichkeit dieser Generika fest, die zu einer höheren Therapie-Abbruchrate führt. „Ich habe befürchtet, dass ich durch irgendwelche Nachahmer-Präparate andere Nebenwirkungen in meinem Körper feststelle“, erklärt der Patient.

Das, so die Prüfungsstelle in der Begründung ihrer Entscheidung, sei in diesem Fall nicht zu befürchten gewesen: Das Generikum der Novatis-Tochter Hexal sei „identisch zum Originalpräparat“, habe der Hersteller auf Nachfrage versichert: „Gründe für Unverträglichkeiten sind nicht erkennbar.“

Ärzte unterliegen einem „Wirtschaftlichkeitsgebot“

Hätte er sich die Verordnung des teureren Medikaments von der Kasse genehmigen lassen müssen? Ja, sagt die BKK Provnova in einer Stellungnahme, ein erfolgreicher Antrag auf Kostenübernahme hätte den Arzt von Rückforderungen geschützt. Die Prüfungsstelle bestätigt diese Position: Dieses Verfahren entspreche „bei einem umstrittenen Arzneimitteleinsatz ständiger Rechtsprechung“.

Nein, sagt Dr. Rüdiger Lang: „Das betrifft nur Medikamente außerhalb meiner ärztlichen Zulassung. Meine Verordnung war medizinisch begründet.“ In 15 Jahren seiner Niederlassung, betont er, habe er stets das ärztliche „Wirtschaftlichkeitsgebot“ beachtet und die Generika-Quote erfüllt: „Ich setze nicht gedankenlos teure Präparate ein.“ Paradox dabei: Hätte er sich am Beginn der Behandlung für eines der beiden teureren Original-Medikamente entschieden, wäre nichts passiert: Für diese kamen keine Generika auf den Markt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben