Beerdigung

Evangelische Gemeinden kämpfen um Zukunft der Friedhöfe

Der Friedhof der Evangelischen Gemeinde in Hamborn existiert schon seit dem siebten Jahrhundert. Der Kirchenkreis möchte auch hier nun neue Begräbnis-Möglichkeiten anbieten.

Der Friedhof der Evangelischen Gemeinde in Hamborn existiert schon seit dem siebten Jahrhundert. Der Kirchenkreis möchte auch hier nun neue Begräbnis-Möglichkeiten anbieten.

Foto: Andreas Reinsch

Duisburg.  Immer mehr Duisburger entscheiden sich für kleine Urnengräber, das Budget für Friedhöfe sinkt. Welche neuen Wege der Kirchenkreis jetzt geht.

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Hinter schmiedeeisernen Gittern und zugewucherten Steinmauern ruhen die Toten in Särgen und Urnen. Der Friedhof, mystisch dargestellt oder gruselig inszeniert in Horrorfilmen. In der Realität entdecken Besucher und Angehörige imposante Grabsteine und Familiengruften ehemaliger Gutsherren, sie sehen mit bunten Blumen dekorierte Gräber und im Frühling eine grüne Oase inmitten der Stadt. „Es ist vielmehr ein Ort des Lebens, statt des Todes“, sagt Pfarrerin Anja Humbert. Das wolle der Evangelische Kirchenkreis klarstellen, damit der Raum – zugleich von Vergänglichkeit und Auferstehung – eine Zukunft hat.

Sechs evangelische Gemeinden in Duisburg verantworten fünf Friedhöfe: In Hamborn, Marxloh, Meiderich, Wanheim und Beeck. Teilweise sind die Ruhestätten mehrere Jahrhunderte alt. Der Pfarrfriedhof in Meiderich etwa entstand im Jahre 1834. Die Kapelle am Friedhof Lange Kamp in Beeck „ist nach aktuellem Wissensstand aus dem siebten Jahrhundert“, berichtet der dort zuständige Pfarrer, Rüdiger Klemm. Übermannshohe Grabsteine, detailreich verziert und gemeißelt, sind Relikte einer vergangenen Epoche. Und immer noch ragen sie imposant hervor.

Trend auf Duisburger Friedhöfen: Immer mehr Menschen entscheiden sich für Urnengrab

Doch solch ein Aufwand wird längst nicht mehr betrieben – im Gegenteil.„Der Trend ist klar. Immer mehr Leute entscheiden sich für pflegefreie Gräber oder kleine Urnengräber“, stellt Werner Prost fest. Er ist Presbyter für die Gemeinde Wanheim. „Das, und ‚Discounter-Bestattungen‘ haben zur Folge, dass immer mehr freie Flächen entstehen“, sagt Prost.

Das Erscheinungsbild sowie die daraus resultierende Atmosphäre für Hinterbliebene und Spaziergänger, kann Risse erleiden. Hinzu kommen weitere Herausforderungen auf die Friedhöfe zu: Sinkendes Budget und immer weniger Personal erschweren den Friedhofsbetrieb.

Anonyme Beerdigungen wird es auf Friedhöfen nicht geben

Doch die Verantwortlichen stellen klar, dass auch zukünftig die Friedhöfe die Würde der Toten weiter wahren werden. Dafür stellen sich die Begräbnisstätten breiter auf: Baumgräber werden angeboten, weitere pflegefreie Gräber stehen zur Verfügung, mit pflegearmen Blumen und Gräsern setzt man sich auseinander und es gibt Gemeinschafts-Grabanlagen.

Nur eines wird es auf den Friedhöfen nicht geben: Anonyme Beerdigungen. Um die Ruheorte zu präsentieren, hat der Evangelische Kirchenkreis eigens eine Internetseite eingerichtet. Sie unter www.friedhoefe-duisburg.de. Außerdem wurde eine Broschüre herausgegeben. Diese kann, solange der Vorrat reicht, kostenlos zugesandt werden. Telefonische Bestellungen beim Evangelischen Kirchenkreis unter 0203 2951 3501. Für die Pfarrer steht indes fest: Friedhöfe gehören zum Stadtbild. Auf ihnen kann man trauern, Trost finden, sich erholen oder ins Gespräch kommen. Es ist eben mehr als die letzte Ruhestätte, es ist „ein Ort des Lebens“.

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