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Familie Savaş macht Werbung für ihre zweite Heimat Duisburg

Müserref Savaş  und ihr Mann Hüseyin posieren auf der Buckelbrücke an der Sechs-Seen-Platte in Duisburg. An diesen Ort haben sie ganz besondere Erinnerungen.

Foto: Stephan Eickershoff

Müserref Savaş und ihr Mann Hüseyin posieren auf der Buckelbrücke an der Sechs-Seen-Platte in Duisburg. An diesen Ort haben sie ganz besondere Erinnerungen. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Müserref Savaş kam früher oft zum Picknicken zur Sechs-Seen-Platte. Auf der Brücke wünschte sie sich sogar eine Tochter - hat geklappt.

Für Müserref Savaş ist die Sechs-Seen-Platte ein Ort des Glücks. Hier hält sie sich gerne auf, kam früher oft zum picknicken her und auf der Buckelbrücke hat sie sogar gebetet, dass Gott ihr nach dem Sohn bitte ein Mädchen schenken möge. „Hat geklappt“, sagt die 68-Jährige glücklich. Inzwischen ist sie sogar schon Großmutter. Ab Dienstag ist Müserref Savaş, die vor 45 Jahren nach Duisburg kam, auf riesigen Plakaten in der Stadt zu sehen – aus Liebe zu ihrer zweiten Heimat. Aus über 200 Einsendungen wurde ihr Geschichte für die Image-Kampagne der Stadt ausgewählt. Bereits im Frühjahr wurden fünf Motive in Duisburg gezeigt, nun gibt es fünf weitere. Motto: „Das Beste an Duisburg sind die Duisburger.“ Die alten Bilder wurden dazu vom Fotografen Bernd Obermann nachgestellt. Dass sie bald berühmt sein könnte und auf der Straße angesprochen wird, darüber hat sie sich noch gar keine großen Gedanken gemacht. Doch sie freut sich, den anderen von ihrer Geschichte zu erzählen.

Wenn der Mann „auf Schicht“ war, lernte sie Deutsch

„Ich bin den grünen Augen meines Mannes gefolgt“, erinnert sie sich lächelnd. Und Hüseyin Savaş erzählt: „Ich bin eigentlich aus Abenteuerlust nach Duisburg gekommen. Ich konnte Englisch, aber Landsleute hatten mir von Deutschland erzählt.“ Später arbeitete der Elektrotechnikmeister bei Thyssen. Aus Liebe kam seine Frau also mit – und fand im Duisburger Norden neue Freunde, ja sogar „Vater, Mutter und einen Schwesternersatz.“ Wenn der Mann „auf Schicht“ war, lernte sie Deutsch. Für die Savaş selbstverständlich. „Wenn ich in ein neues Land komme, will ich wenigstens die Höflichkeitsformeln und ein paar Zahlen kennen“, erklärt der 70-Jährige. Nach vier Monaten konnte er richtig gut Deutsch. Und Müserref Savaş lernte mit der Zeit. „Wir hatten immer deutsche Nachbarn, das war gut.“

Sehnsucht kommt schnell

An der Weseler Straße betrieb sie ein Änderungsatelier. „Ich habe viele tolle Leute kennen gelernt. Ich kann behaupten, dass ich auch Teil dieses Landes bin“, erzählt die Walsumerin. Sie und ihr Mann haben sich zahlreichen Gruppen angeschlossen, darunter der Arbeiterwohlfahrt, besuchen regelmäßig das Nostalgiecafé in Hamborn. Müserref Savaş geht zudem zum Frauenturnen. „Man sagt ja, wo zwei Deutsche zusammen kommen, wird direkt ein Verein gegründet“, scherzt Hüseyin Savaş. Seine Frau schreibt regelmäßig Geschichten auf. Eine davon ist sogar in dem „Klartext“-Band „Oma und Opa, erzählt doch mal“ veröffentlicht worden. Neulich war die Familie beim Stadtteilspaziergang durch Walsum dabei. Oberbürgermeister Sören Link ist so alt wie ihr Sohn. Das Fotomodel sagt: „Wir sind natürlich auch oft in der Walsumer Rheinaue, aber an der Sechs-Seen-Platte fühle ich mich besonders wohl.“

Einmal im Jahr ist die Familie noch in der Türkei. „In der Türkei möchte ich meine Knochen aufwärmen, das Wetter, das Mittelmeer, das Obst und Gemüse und die Natur genießen. Doch nach ein oder zwei Monaten habe ich wieder Sehnsucht nach Deutschland, meinen Kindern, Enkeln, Nachbarn und Freunden.“

>> FOTOSERIE UMFASST FÜNF MOTIVE

Die Foto-Kampagne ist Teil des so genannten Leitbild-Prozesses. In verschiedenen Veranstaltungen konnten die Duisburger mitreden, was sich an ihrer Stadt verbessern sollte. Die meisten Teilnehmer befanden: „Das Beste an Duisburg sind die Duisburger.“

Aus den anderen Ergebnissen sollen Leitlinien entwickelt werden, die die Politiker im Rat diskutieren sollen.

Weitere Motive der Foto-Serie sind zum Beispiel eine Frau, wie sie als Kind und als Erwachsene an der Regattabahn zu sehen ist.

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