Freizeit

Familientag auf der Kirmes: Wer gut hinschaut, kann sparen

Nach der Schule direkt zur Kirms.

Nach der Schule direkt zur Kirms.

Foto: Sivani Boxall / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Dienstags gibt es von 15-18 Uhr Rabatt auf der Rheinhauser Kirmes. Aber nicht alles ist reduziert. An den Buden sind einzelne Artikel günstiger.

Mike Bengel hat schon mal fröhlicher geklungen. Wenn von vier Tagen Kirmes zwei verregnet sind, dann ist das nie gut. Wenn es dann aber auch noch ausgerechnet an den beiden wichtigsten Tagen am Wochenende grau, nass und kühl ist, dann kann das Wetter dem Schausteller auch schon mal die Laune verhageln. „Das holt man leider nicht mehr rein“, zog Bengel Dienstag bei bestem Spätsommerwetter eine vorzeitige Bilanz. Dennoch: Auf einen umsatzstarken letzten Tag mit anschließendem Feuerwerk hoffte Mike Bengel bei unserem Gespräch am Morgen des Kirmesdienstags natürlich trotzdem.

Denn traditionell lockt der Rummel auf dem Hochemmericher Markt dienstags unter dem Motto „Familientag“ mit Sonderangeboten. Jeder Schausteller kann selber entscheiden, wie viel Rabatt es gibt. Ein Angebot, das für Hatice Sabinli und Angelika Michel tatsächlich ausschlaggebend war, als die Mütter spontan entschieden, mit ihren kleinen Jungs Can-Milan und Salich noch ein zweites Mal auf die Kirmes zu gehen. Allerdings waren sie ein bisschen enttäuscht, dass der Rabatt doch geringer war, als sie gehofft hatten. „Das sind teilweise nur 50 Cent weniger als sonst.“ Dafür durften die Kinder auf dem Bungee-Trampolin etwas länger springen.

Um sich die Kirmes für ihren Sohn leisten zu können, verzichtet Hatice Sabinli darauf, dort selber etwas zu essen. „Am Sonntag habe ich nur für mein Kind 50 Euro ausgegeben.“ Für die junge Friemersheimer Mutter Jenny, die für Töchterchen Mila (3) beim Entenangeln sieben Euro aus dem Portemonnaie holte, hatten sich die Ausgaben zu diesem Zeitpunkt auf 30 Euro summiert – für ein paar Leckereien, Karussell und die Enten. Letztere waren am Familientag übrigens nicht günstiger. „Am Preis dürfen wir nichts ändern“, begründete eine Mitarbeiterin die sieben Euro. Dafür durfte Mila dann immerhin 40 statt 35 Enten in ihr Körbchen legen.

Riesenrad, Autoscooter, Karussell. Mike Bengel muss nicht lange überlegen, um die beliebtesten Fahrgeschäfte zu nennen. Es sind die Klassiker, die immer noch das meiste Publikum anziehen. Gestern Nachmittag allerdings war die Anzahl der Besucher auf vielen Fahrgeschäften überschaubar. Und das, obwohl überall die gelben Schilder mit den Sonderpreisen lockten.

Lange Gesichter gab es am Stand von „Walk & Roll“. Die großen Plastik-Kugeln, in denen man für vier statt fünf Euro fünf Minuten lang über das Wasser turnen kann, waren leer. „Hier ist gar nichts los“, sagte ein enttäuschter Mitarbeiter. Auch nebenan am Stand mit den gebrannten Mandeln waren die Inhaber unzufrieden: „Gestern war auch wenig, trotz Sonne.“ Beide hofften auf den späten Nachmittag und den Abend, der mit dem Feuerwerk lockte.

So mancher Besucher hatte übrigens gar nicht gemerkt, dass am Dienstagnachmittag andere Preise gelten. „Ach, echt, Familientag?“, staunte eine Mutter, die süße Kringel zum vollen Preis gekauft hatte. Rabatt gab es an den Essensbuden nur auf einzelne Artikel. So hatte der Wurststand Mettwurst für 3,50 Euro, während die beliebte Bratwurst weiterhin vier Euro kostete, am Stand mit holländischen Spezialitäten waren nicht die Pommes reduziert, sondern Bami und Käsesoufflé – je einen Euro statt 2,50 Euro.

Fazit: Wer das im Blick behält und seinen Kirmesbesuch streng an den Sonderangeboten orientiert, der kann unterm Strich sparen. Popcorn gab es für 2,50 statt drei Euro und das klassische Kinderkarussell kostete 1,50 statt 2,50 Euro. Hier ging es am Familientag auch tatsächlich schon am frühen Nachmittag rund. Während beim Dosenwerfen (3,50 für drei Bälle“) wenig los war und auf dem rasanten Heart Breaker nur eine einzige Gondel besetzt war, tummelten sich jede Menge kleine Gäste auf dem Karussell.

>>> GETEILTE MEINUNGEN ÜBER DIE HOCHEMMERICHER KIRMES

„Früher war montags und dienstags auf der Kirmes viel mehr los.“ Daran erinnern sich Kollegen, die einst an diesen Tagen traditionell auf den Hochemmericher Markt gingen. Warum sie das heute nicht mehr tun? „Auf der Kirmes in Moers ist die Stimmung viel besser“, meint der eine. „Als die Kirmes noch so richtig im lokalen Brauchtum verankert war, war der Dienstag tatsächlich so etwas wie der traditionelle Kirmes-Tag. Aber in dem Maße, wie die ‘Innenstadt’ hier in Rheinhausen ihre Funktion verloren hat, hat auch die Kirmes keinen Rückhalt mehr“, meint der andere.

Und dann gibt es noch die Kollegin, die das ganze Gejammer nicht versteht: „Wir können doch froh sein, dass wir hier in unserem kleinen Rheinhausen überhaupt eine so tolle, große Kirmes haben.“

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