Textilhandel

Volle Container: Duisburgs Altkleidermengen stark gestiegen

Altkleider-Container wie dieser zuletzt an der Düsseldorfer Straße sind oft überfüllt. Die Sachen werden dann einfach davor gelegt.

Altkleider-Container wie dieser zuletzt an der Düsseldorfer Straße sind oft überfüllt. Die Sachen werden dann einfach davor gelegt.

Foto: Katja Burgsmüller

Duisburg.  Die Altkleidermengen sind in Duisburg stark gestiegen, Container quellen oft über. Das müssen Sie über das mitunter kriminelle Geschäft wissen.

Immer wieder ärgern sich Anwohner in Duisburg über proppenvolle Altkleider-Container. Die Sachen werden oftmals einfach davor abgelegt, werden nass und verschmutzen. Das hat auch mit stark gestiegenen Kleidermengen durch das „Fast Fashion“-Geschäftsmodell einiger Textilhändler wie Kik und Primark zu tun. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Geschäft mit Altkleidern, das mitunter auch ein kriminelles ist.

Wie viele Container gibt es in Duisburg?

Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg (WBD) verfügen über rund 430, die im gesamten Stadtgebiet aufgestellt sind. Dazu können Altkleider auf den vier Recyclinghöfen abgegeben werden. Wie viele Container darüber hinaus noch auf privaten Flächen stehen, lässt sich aufgrund der zahlreichen, verschiedenen Anbieter nicht genau sagen. Das Deutsche Rote Kreuz etwa hat 24 an 18 Standorten, die Malteser nur drei und die Caritas hingegen gar keine Container aufgestellt, dafür aber mehrere Gebrauchtkleiderläden. Bekannt ist auch das Kaufhaus der Diakonie.

Wer betreibt Altkleider-Container in Duisburg?

Auf öffentlichen Flächen sind dies laut einer Stadtsprecherin ausschließlich die Wirtschaftsbetriebe. Anträge von gewerblichen, aber auch von gemeinnützigen Anbietern wurden bisher abgelehnt – mit der Begründung, dass eine Bewirtschaftung stets in Verbindung mit Glascontainern angestrebt werde. Anbieter wie das Deutsche Rote Kreuz sowie andere Organisationen und Vereine nutzen zum Teil eigene oder andere private Flächen, um ihre Container aufzustellen. Die Genehmigung dafür geben die jeweiligen Grundstückseigentümer, die nicht verpflichtet sind, diese Container zu melden.

Wie stark sind die Altkleidermengen in den vergangenen Jahren gestiegen?

Die Wirtschaftsbetriebe verzeichneten 2014 noch 1547 Tonnen, 2018 waren es schon 2205 Tonnen. Entsprechend ist die Zahl der 200 Kilogramm fassenden Container in den vergangenen vier Jahren von 245 auf 430 erhöht worden. „Unsere Container werden in der Regel einmal in der Woche geleert“, sagt WBD-Sprecherin Silke Kersken. „Aber oft reicht das nicht mehr. Zu manchen Standorten fahren wir mittlerweile drei Mal pro Woche hin.“

Beim Deutschen Roten Kreuz haben sich laut Andreas Ehmke, Leiter Zentrale Dienste, die Mengen in den vergangenen zwei Jahren von 25 auf 50 Tonnen verdoppelt. „Bisher reicht es aber aus, die Container einmal pro Woche zu leeren.“

Warum sind die Textilmengen so gestiegen?

Das Stichwort dazu lautet „Fast Fashion“. „Dabei geht es um sehr billige Bekleidung, die massenhaft auf den Markt geworfen wird“, sagt Thomas Ahlmann vom Dachverband Fairwertung mit Sitz in Essen, einem Zusammenschluss von über 130 gemeinnützigen Altkleider-Sammelorganisationen, zu dem auch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung St. Peter in Rheinhausen gehört. „Seit dem Frühjahr 2018 sind die Mengen bundesweit geradezu explodiert. Die Altkleider-Container sind dadurch konstant das ganze Jahr voll und ab und an auch überfüllt. Das war früher noch anders. Der Juli zum Beispiel war immer der schwächste Sammelmonat, unter anderem weil viele Menschen im Urlaub sind. Das gilt nicht mehr. Das liegt auch daran, dass die Nutzungsdauer von Textilien stark gesunken ist. Wir reden da nur noch von durchschnittlich einem Jahr, bevor die Textilien wieder aussortiert werden.“

Was passiert mit den Altkleidern?

Sie werden an Entsorger beziehungsweise Sortierbetriebe verkauft, die die Kleider weiter verwerten. Laut WBD werden die Textilien über eine mehrstufige Vollsortierung überwiegend per Hand sortiert. Die Qualität der Ware sinkt weiter. Nur bei etwa 50 Prozent handelt es sich noch um tragbare Kleidung, die in unterschiedlichen Mengenanteilen an Kleiderkammern in Deutschland und weltweit verteilt werden. 46 Prozent werden industriell verwertet und etwa zu Dämmmaterialien oder Putzlappen verarbeitet. Die restlichen vier Prozent landen in der Müllverbrennung, weil sie so verschmutzt und dadurch unbrauchbar seien.

Wie lukrativ ist das Geschäft mit den Altkleidern?

„Grundsätzlich gibt es eine große weltweite Nachfrage nach sogenannter Secondhand-Ware“, sagt Ahlmann von Fairwertung. „Allerdings sind die Preise aufgrund der großen Mengen sehr stark unter Druck. Bei den Sortierbetrieben stapeln sich die Altkleider. Sie können sich aussuchen, wo sie kaufen wollen.“ Andererseits sei der Absatz für diese Betriebe derzeit schwierig. „Das liegt an problematischen Märkten in Afrika durch Kapitalmangel und in Osteuropa etwa durch den schwachen Rubel in Russland oder die politische instabile Lage in der Ukraine“, sagt Ahlmann. Insgesamt liege der Preis für eine Tonne gesammelter Textilien mittlerweile bei unter 300 Euro – abzüglich der Kosten für die Sammlung und den Transport, so der Experte.

Was verdienen die Anbieter in Duisburg mit den Altkleidern?

Das hängt von den individuellen Verträgen mit den Entsorgern ab. Die Wirtschaftsbetriebe sprechen von einem hohen sechsstelligen Betrag pro Jahr. Nach Informationen der Redaktion soll dies der eigentliche Grund dafür sein, dass die Stadt bisher keine anderen Anbieter auf öffentlichen Flächen zulässt.

Das Deutsche Rote Kreuz gibt bei den Erlösen auch keine konkreten Zahlen an. Laut Andreas Ehmke geht es um einen niedrige fünfstellige Summe pro Jahr. Bei den Maltesern machen sich die schwierige Märkte bemerkbar. Laut Sprecher Benjamin Schreiber ist der Erlös von 9500 Euro (2017) auf 4000 Euro (2018) zurückgegangen. „Vor zwei Jahren hatten wir zwar noch einen Container mehr“, so Schreiber, „aber die Entwicklung ist schon sehr deutlich.“

Was passiert mit den Erlösen?

Bei den Wirtschaftsbetrieben fließt das Geld in die Gebührenberechnung mit ein, sagt Sprecherin Silke Kersken. „Das Geld kommt also dem Bürger zu Gute.“ Das DRK finanziert damit eigene Projekte. „Das sind frei verfügbare Mittel, um die ehrenamtliche Mitarbeit, den Katastrophenschutz oder die Sanitätsdienste zu unterstützen“, sagt Andreas Ehmke. Das gilt auch für die Malteser. Da fließt das Geld in Projekte wie den Besuchsdienst mit Hunden. „Grundsätzlich denken und wollen die meisten Menschen, wenn sie Altkleider entsorgen, dass mit den Erlösen Gutes getan wird“, sagt Thomas Ahlmann von Fairwertung. Es lohne sich deshalb immer ein genauer Blick auf die Altkleider-Container, um gezielt gemeinnützige Zwecke zu unterstützen.

Wie erkenne ich seriöse Anbieter?

Es gibt immer mal wieder Container, die illegal aufgestellt werden. Die Verbraucherzentrale rät, nur an Sammlungen zu spenden, die mit einer deutschen Adresse und einer Festnetznummer erreichbar sind. Infos dazu gibt es etwa am Container selbst. So ist es zum Beispiel bei den Wirtschaftsbetrieben. Über die angegebene Telefonnummer oder E-Mail-Adresse können auch überquellende Container gemeldet werden. Darüber hinaus rät die Verbraucherzentrale, sich zu informieren, wie die Kleider verwertet werden und wofür die Gewinne benutzt werden. Verlässliche Altkleidersammler zeigen demnach oft das DZI-Spendensiegel, das Logo Fairwertung oder das BVSE-Qualitätssiegel Alttextilsammlung auf ihren Containern und auf ihrer Webseite.

Wie oft werden Altkleider-Container in Duisburg aufgebrochen?

Laut Polizei kann die Anzahl der Diebstähle mangels Recherchemöglichkeit nur anhand einer „händischen“ Auswertung der Kurzsachverhalte ermittelt werden. Daher sind die nachfolgenden Zahlen möglicherweise nicht vollständig: 2018 gab es demnach 17 Fälle, von denen sechs geklärt werden konnten. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren wurden Container in sieben Fällen komplett entwendet. Die Polizei konnte hier die Täter nicht ermitteln. Dies gelang aber 14 Mal bei insgesamt 35 Fällen im Jahr 2017. Bei den aufgeklärten Delikten handelt es sich laut Polizei überwiegend um Diebstähle geringerer Mengen Altkleider.

Wer sind die Täter?

Die meisten Tatverdächtigen stammen aus dem osteuropäischen Raum, sagt die Polizei. In einigen Fällen seien auch Kinder und Jugendliche beteiligt gewesen.

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