Faust als Ein-Personen-Stück

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THEATER. Christine Sohn bringt den Pakt ungekürzt und solo auf die Bühne.

35 Figuren, eine Schauspielerin. Christine Sohn hat sich viel vorgenommen für ihre "Faust-Premiere" am Donnerstag, 9. Oktober, im Hundertmeister. Eine weitere Vorstellung findet am 14. Oktorber statt. Den Pakt, also den ersten Teil des ersten Teils von Goethes Klassiker will sie allein und ungekürzt auf die Bühne bringen. Nur unterstützt von Tisch, Stuhl und Becken.

Gegen den Nimbus spielen

Denn der Faust, das habe ja schon der große Dichter Goethe gesagt, sei ja eigentlich ein dramatisches Gedicht". Also sei das mit den 35 Figuren, von denen einige ja auch sehr klein seien, kein Problem. "Das funktioniert", ist Sohn überzeugt. Überzeugt ist sie auch, dass man den Faust zurückerobern muss von den Germanisten, den Gelehrten: "Ich will gegen den Nimbus spielen." Denn eigentlich sei dieses Sinnbild deutschen Kulturguts nicht nur die Auseindersetzung mit einer intellektuellen Krise, wie sie in den großen Inszenierungen immer wieder hervorgehoben werde, sondern ein Stück mit Elementen des Volkstheaters.

"Ein packender Text mit einer Sprache, die man gut kommunizieren kann", findet Christine Sohn. Allein schon deshalb, weil sie auf der Bühne die magischen Momente spielen kann, die sonst häufig gestrichen werden, ist der Faust in ihren Augen kein Stück des verstaubten Bildungsbürgertums, sondern eigentlich ein "Kracher", den es sich lohnt, näher kennenzulernen. "Jeder weiß was über den Faust, hat eine Meinung", hat sie bei diesem Projekt festgestellt. Aber die wenigsten hätten den Faust wirklich gelesen. Zu abschreckend. Das will sie ändern mit ihrer Inszenierung. Denn gespielt wirkt ein Text eindringlicher als gelesen. Also lädt sie ein zum Faust für alle. Und das 200 Jahre nachdem der Klassiker in Druck gegangen ist. (auf)

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