Gericht

Faustschläge: Junge Türkin schützt Bruder vor Gericht

Wegen gefährlicher Körperverletzung fand sich ein 28-Jähriger aus Duisburg-Duissern vor dem Strafrichter wieder. Laut Anklage hatte er am 31. Januar seine jüngere Schwester attackiert.

Wegen gefährlicher Körperverletzung fand sich ein 28-Jähriger aus Duisburg-Duissern vor dem Strafrichter wieder. Laut Anklage hatte er am 31. Januar seine jüngere Schwester attackiert.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Duisburg.  Weil er seine Schwester brutal attackiert haben soll, stand ein Duisburger vor Gericht. Er ertrage nicht, dass sie ein eigenes Leben führen will.

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Wegen gefährlicher Körperverletzung fand sich ein 28-jähriger Duisserner vor dem Strafrichter wieder. Laut Anklage hatte er am 31. Januar seine jüngere Schwester attackiert. Doch da die Hauptbelastungszeugin gar nicht mehr an einer Bestrafung interessiert war, war es am Ende auch das Gericht nicht.

Reichlich brutal soll der Angeklagte seine Schwester am Tattag aufgefordert haben, mit ihm nach Hause zu kommen. Als sie sich weigerte, soll er sie mehrfach mit der Faust geschlagen und sie gewürgt haben, so dass ihr für einige Sekunden die Luft wegblieb.

Zeugin schilderte Tat abweichend von früheren Darstellungen

Der Angeklagte schwieg zu dem Vorwurf. Die Hauptbelastungszeugin schilderte, dass er sie aus einem Auto zog, sie schlug und sie an den Hals packte. „Es war aber nicht so, dass ich keine Luft mehr bekommen hätte.“

Die junge Frau ließ wenig Zweifel am Motiv des Angeklagten: „Er kann es nicht ertragen, dass ich ein eigenes Leben führen will.“

Kurz zuvor hatte sich die türkischstämmige 22-Jährige eine eigene Wohnung genommen. „Das ist in unserer Kultur nicht üblich, dass Frauen ausziehen, bevor sie verheiratet sind“, so die Zeugin.

Gericht stellt Verfahren ein

Auf die Frage, ob sie überhaupt noch an einer Bestrafung interessiert sei, gab sie eine ehrliche Antwort: „Nein. Schließlich ist er mein Bruder. Und das bleibt er ja auch.“ Und seit ihrer Anzeige sei es zu keinen weiteren Übergriffen gekommen.

Da der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung ohnedies aufgrund der Tatschilderung der Zeugin vom Tisch war und höchstens eine einfache Körperverletzung übrig blieb, fand der Strafrichter, dass er den Rechts- und den Familienfrieden am besten ohne Urteil wahren könne. Er stellte das Verfahren gegen den bislang unbescholtenen Angeklagten ein, nachdem er ihn eindringlich ermahnt hatte.

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