Tag der deutschen Einheit

Festakt zur deutschen Einheit im Zeichen des AfD-Resultats

Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreis Duisburg, bei seiner Ansprache zur Feierstunde am Tag der Deutschen Einheit im Duisburger Rathaus.

Foto: Tanja Pickartz

Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreis Duisburg, bei seiner Ansprache zur Feierstunde am Tag der Deutschen Einheit im Duisburger Rathaus. Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Zu einer Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit hatte OB Sören Link ins Rathaus eingeladen. Superintendent Armin Schneider hielt die Festrede.

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Den Tag der Deutschen Einheit im Duisburger Rathaus zu begehen, ist gute Tradition. OB Sören Link hatte am Dienstag eingeladen, dieses wichtige Datum mit einem Festakt im Ratssaal zu würdigen. Die Festrede hielt der Superintendent des Ev. Kirchenkreises, Armin Schneider.

Keine gleichen Lebensbedingungen in Ost und West

Bevor er über „Freiheit und Verantwortung“ sprach, erinnerte Sören Link daran, dass nach 27 Jahren und „Transferleistungen im dreistelligen Milliardenbereich“ in den neuen Ländern noch keine gleichen Lebensbedingungen herrschten. Das habe bei der Bundestagswahl mit zum Wahlerfolg der AfD beigetragen, so Link: „Unser Land ist vereint, die Gesellschaft allerdings gespalten.“ Der OB forderte dazu auf, die Situation nicht als unabänderlich hinzunehmen: „Wir brauchen einen Aufbruch in Deutschland.“

Mit einem Rückblick begann Armin Schneider seine Festrede. „Ich bin mit der deutschen Teilung aufgewachsen, sie war ein Stück Realität, die DDR war für mich ein unbekanntes Land.“ Diese Einstellung änderte sich erst, als die Menschen dort auf die Straße gingen und Freiheitsrechte einforderten. „Da wurde mir erst richtig bewusst, das Glück gehabt zu haben, auf der richtigen Seite der Grenze geboren zu sein.“

Spaltung der Gesellschaft nimmt zu

Der Seelsorger – Schneider arbeitet als Krankenhauspfarrer im Duisburger Norden -- machte deutlich, dass den Bürgern im Osten nach 1989 gravierende Änderungen zugemutet wurden: „Die Menschen fühlten sich entwertet.“ Zum Teil sei damit auch der hohe AfD-Stimmenanteil im Osten zu erklären, vermutet der Theologe. Schneider erschrecken aber auch die Wahlergebnisse der Protestpartei im Duisburger Norden. Hohe zweistellige Ergebnisse in einzelnen Stimmbezirken seien „sehr beunruhigend“.

Der Politik empfahl Schneider, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und zitierte Martin Luthers Worte: „Ihr müsst dem Volk aufs Maul schauen.“ Es gelte nicht, populistische Strömungen zu bedienen, sondern „den Menschen zuzuhören, genau hinzuschauen und Position zu beziehen“. Die Politik fragte Schneider: „Werden Antworten auf Probleme oft zu schnell gegeben, blickt man nur noch nach Umfrageergebnissen?“. Zugleich empfahl er zuzugeben, dass es manchmal „keine schnellen Antworten zu komplexen Themen“ geben kann. Den Superintendenten besorgt die zunehmende Spaltung der Gesellschaft: „Finden wir uns damit ab, dass ganze Gruppen von der Teilhabe ausgeschlossen sind, schauen wir wirklich noch hin?“

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