Flotte und stürmische Aufführung

Foto: waz duisburg

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Adolf Dresens Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ aus dem Jahr 2000 ist die erfolgreichste Wagner-Inszenierung, die sich zurzeit im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein findet. Die aktuelle Wiederaufnahme ist bereits die 86. Vorstellung dieser Produktion. Trotz ihres Alters ist die Aufführung sehenswert, zumal mit Gerd Grochowski ein gefragter Sänger die Titelrolle verkörpert.

Bariton Gerd Grochowski lebt zwar in Wuppertal, doch auf den Bühnen der Region ist er so gut wie nie zu sehen, weil er international gefragt ist. Grochowski fesselt ab dem ersten Ton mit seiner genauen und emotionalen Interpretation der Rolle. Die Stimme hat eine angenehm abgedunkelte Farbe und tönt in allen Lagen ausgewogen. Während andere Baritone in der Tiefe nur noch röhren, singt Grochowski seine Partie. Die Mittellage klingt voll und farbig, selbst die Höhe bleicht nie aus.

Der zweite Seemann des Abends, Kapitän Daland, ist mit Ensemblemitglied Thorsten Grümbel besetzt. Er gestaltet die Partie mit seinem hellen Bass sehr textverständlich, hätte allerdings in genauer Feinabstimmung mit Dirigent Lukas Beikircher noch mehr den Humor seines Charakters entfalten können. Im Duett mit Grochowski wirkt Grümbels Stimme etwas bieder.

Mit frischem und jugendlichem Sopran singt die Schwedin Elisabeth Strid die Senta. Jedoch kann sie sich in den Höhenlagen nie richtig freisingen. Corby Welch ist als Jäger Erik stimmlich in seinem Element. Rena Kleifeld ist eine zuverlässige und durchsetzungsfähige Mary, während Cornel Frey einen glanzvollen Steuermann gibt.

Starke Auftritte hat der Chor: Besonders die erste Hälfte des 3. Aktes mit dem „Steuermann“-Chor und dem Gesangswettstreit zwischen Matrosen und Geistern ist ein Fest. Kapellmeister Beikircher dirigiert eine flotte und stürmische Aufführung, die nicht einmal zweieinviertel Stunden dauert. Jedoch gibt es in den Bläsergruppen immer wieder falsche Töne.

Spielleiter Volker Böhm hat dafür gesorgt, dass die 16 Jahre alte Inszenierung immer noch frisch und lebendig wirkt. Jedoch gibt es Eingriffe in die Inszenierung, die rechtfertigen würden, dass die Aufführung auf dem Besetzungszettel nur noch als „Inszenierung nach Adolf Dresen“ deklariert wird. So fehlt der Glühbirnenrahmen, der dem „Steuermann“-Chor eine ausgelassene Kirmesatmosphäre gibt. Unverständlich ist zudem, dass seit einigen Jahren eine ganze andere Fassung der Oper gespielt wird, als sie 2000 unter Rheinopern-Generalmusikdirektor Zoltan Pesko Premiere hatte. Statt dem harten unversöhnlichen Original-Finale, der Sentas Selbstmord als sinnlos erscheinen lässt, erklingt nun der Erlösungsschluss, den Wagner erst 17 Jahre nach der Uraufführung nachkomponierte. Natürlich kann man argumentieren, dass so Wagners „letzter Wille“ zu diesem Werk erfüllt wird. Dies hat aber zur Folge, dass Dresens Inszenierung verändert wird und heller Lichtschein auf der Hinterbühne eine Erlösung des Holländers suggeriert.

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