In der Bibliothek

Foto-Ausstellung: Duisburger Schüler verarbeiten KZ-Besuch

Die Schüler der Gesamtschule Globus am Dellplatz haben eine Ausstellung konzipiert, die noch bis Ende August in der Stadtbibliothek zu sehen ist. Im Bild: Die Schüler Joanna, Mirjana und Omar (v.l.).

Die Schüler der Gesamtschule Globus am Dellplatz haben eine Ausstellung konzipiert, die noch bis Ende August in der Stadtbibliothek zu sehen ist. Im Bild: Die Schüler Joanna, Mirjana und Omar (v.l.).

Foto: DANIEL ELKE / Foto: DANIEL ELKE / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Schüler der Gesamtschule Globus haben das Konzentrationslager Auschwitz besucht. In einer Ausstellung verarbeiten die Schüler ihre Eindrücke.

Im Unterricht spielen der Nationalsozialismus und der Holocaust eine wichtige Rolle. Es ist ein dunkles Kapitel im Geschichtsbuch. Das Ausmaß der Vernichtung wurde für die Schüler der Gesamtschule Globus am Dellplatz aber erst mit einem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz deutlich. In einer Fotoausstellung verarbeiten die Zehntklässler ihre Eindrücke.

„Auschwitz hat mich verändert“ lautet der Titel der Ausstellung, die aktuell in der Stadtbibliothek zu sehen ist. Es ist das Zitat eines Schülers, das die Fotografie-Ausstellung rahmt. Die Bilder stellen das Grausame dieses Ortes subtil in den Vordergrund. Dennoch wurden nur Motive gewählt, die für Jugendliche nicht verstörend sind. Die Fotografien sind aber auch selbstreflektiv: Gezeigt werden die Schüler vor Ort, wie sie sich verhalten haben und was sie empfanden – angesichts der unzähligen Morde, die sich im Konzentrationslager ereignete.

Schüler begreifen Ausmaß der Vernichtung

„Man kann diesen Ort nicht beschreiben“, sagt Mirjana. Die 16-Jährige hat mit ihren Mitschülern im Rahmen einer fünftägigen Bildungsreise das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besucht. Bestellformulare für das Giftgas Zyklon B, die Baracken und die zurückgelassenen Habseligkeiten der Opfer – die Eindrücke sind vielfältig und weckten in den Schülern nur ein Bedürfnis: „Wir wollten den anderen Schülern von diesem Ort erzählen“, sagt Omar. „Viele meiner Freunde wussten aber nicht, was da passiert ist.“

So wächst in den Schülern die Idee der Ausstellung. Gemeinsam mit Deutschlehrerin Joanna Obrusnik-Jagla wurde die Galerie im Unterricht erarbeitet. Neben großformatigen Motiven sind den Bildern lesenswerte Zitate der Schüler beigestellt: „Früher war mir die Geschichte nicht wichtig und ich habe nie darüber nachgedacht. Jetzt weiß ich, wie sehr Juden gelitten haben. Und das Traurigste ist, dass so lange niemand was dagegen unternommen hat.“ Oder es heißt dort: „Besonders gut erinnern kann ich mich an die Mengen der ‘überlebenden’ Schuhe und die Kälte im Lager.“ Die in Auschwitz unzähligen versteckten Schicksale werden bei der Reise für die Schüler sichtbar.

Von der Vergangenheit in die Gegenwart

Es ist aber keine Reise alleine in die Vergangenheit, in ein längst vergangenes dunkles Kapitel der deutschen Geschichte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass sowas nochmal passiert“, sagt Omar. Auschwitz wird so für den Schüler zu einem Ort zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Er spricht dabei etwa von der „rechten Szene“, die gesellschaftlich Ausgrenzungsprozesse vorantreibt.

Mit dem Eindrücken der Gedenkstätte wächst bei dem 16-Jährigen auch die Verantwortung: „Wir müssen Diskriminierung ernst nehmen und dürfen darüber keine Scherze machen, denn man sieht, wie es enden kann.“ Schulleiter Erhard Schoppengerd: „Die Bilder geben wieder, wie es auf die Schüler gewirkt haben muss.“ Er ist überzeugt, dass „die Schüler eine Haltung entwickelt haben.“

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