Soziales

Geld für Duisburgs mobile Obdachlosenhilfe

Die Awo-Vorsitzende Astrid Hanske und Horst Hinninghofen übergeben den symbolischen Scheck an Kurt Schreiber

Die Awo-Vorsitzende Astrid Hanske und Horst Hinninghofen übergeben den symbolischen Scheck an Kurt Schreiber

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburger Westen.  Der Verein „Gemeinsam gegen Kälte“ versorgt Obdachlose in ganz Duisburg. In Rheinhausen sollen es weniger als fünf sein, in Homberg etwas mehr.

Eine Frau sitzt täglich mit einem Pappbecher neben einem Parkautomaten. Manche neigen sich zu ihr und legen Cents in den Becher. Wenige Kilometer weiter lebt ein Mann, der allen Motorradfahrern auf der Brücke freundlich zuwinkt. Abends legt er sich unter die Brücke, deckt sich notdürftig zu und hört das Brummen der Lastkraftwagen über seinem Schlafplatz. Etwas gegen dieses Frieren, diese Gefühlskälte tun und Wärme schenken – das hat sich der Verein „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg“ zur Aufgabe gemacht.

Seit der Ortsvereinsgründung im Jahr 1990 ist Kurt Schreiber als Vorsitzender tätig. Engagement liegt in seiner Familie: „Meine Eltern waren bei der Arbeiterwohlfahrt engagiert. Vater arbeitete als Bergmann im Pütt.“ 1962 begann Schreiber seine Arbeit in der Stadtverwaltung und war später als Abteilungsleiter im Bereich Soziales aktiv.

Zahlen aus Homberg und Rheinhausen

1997 gab Thomas Beckmann, Cellist und Urgründer des Vereins „Gemeinsam gegen Kälte“ ein Benefizkonzert in der Duisburger Salvatorkirche. Die Verwaltungsmitarbeiter fragten sich: Wie kann das Spendengeld bestmöglich bei Obdachlosen ankommen? Schnell fiel die Entscheidung, ehrenamtlich eine lokale Anlaufstelle zu gründen. Das 1980 fokussierte Projekt, Familien aus Obdachlosenunterkünften zu holen und ihnen Wohnraum zu verschaffen, konnte von 1997 bis 2001 realisiert werden.

Der Hilfsbedarf bleibt groß. Jörn Esser, Pressesprecher der Stadt Duisburg, teilt mit, dass von 50 obdachlosen Personen in Duisburg ausgegangen wird. Duisburgs Westen sei unauffällig, eine richtige „Obdachlosenszene“ gebe es hier nicht: „In Rheinhausen wird die Anzahl Obdachloser auf unter fünf Personen geschätzt.“ In Homberg sei die Obdachlosenzahl geringfügig höher.

Auch von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen, die behördliche Hilfesysteme nicht erreichen können, werden von der Obdachlosenhilfe betreut. Astrid Hanske, Rheinhausens Bezirksbürgermeisterin und Vorsitzende des Awo-Ortsvereins Rumeln-Kaldenhausen, wollte nicht länger zusehen: „Jederzeit und angesichts der Corona-Krise ist es wichtig, Bedürftige nicht aus den Augen zu verlieren. Das ist der Grundgedanke der Awo, die in Krisenzeiten, etwa nach Kriegen, Speisungen durchführte.“

1000 Euro für den Verein

Stellvertretend für alle Rumeln-Kaldenhausener Awo-Mitglieder überreichte Hanske jetzt mit Vorstandsmitglied Horst Hinninghofen einen 1000-Euro-Scheck an den Verein „Gemeinsam gegen Kälte“. Das Geld fließt in die aufwendige Arbeit, wie Schreiber erzählte: „Zwei Mal wöchentlich versorgen unsere ehrenamtlich tätigen Ärzte und Krankenschwestern im mobilen Dienst die Obdachlosen, verteilen Mundschutz, behandeln Krätze und heilen Wunden.“Hier gibt es mehr Artikel aus dem Duisburger Westen

Unter den Obdachlosen treffe man Akademiker und Handwerksmeister, die durch ihnen vorenthaltene Gehälter und Räumungsklagen in die Wohnungslosigkeit gerieten. „Wir fahren mit unserem Mobil in die Duisburger Stadtteile, geben den Obdachlosen Kaffee, Speisen und Kleidung, helfen bei Antragsausfüllungen und vermitteln Kontakt zu Beratungsstellen.“ Niemand bleibe mit seinen Problemen allein, denn die Helfer schenken vor allem eins: Zeit für Gespräche.

>>> Ehrenamtliche Dolmetscher gesucht:

Der Verein „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg“ mit Sitz auf der Wintgensstraße 67 in Duissern, ist auf Spenden angewiesen, um die Kosten für Fahrzeuge zu decken sowie Lebensmittel, Kleidung, Medikamente und Verbandsmaterial für Obdachlose zu besorgen. Wer spenden möchte, findet alle Informationen unter www.gemeinsam-gegen-kaelte-duisburg.de.

Aktuell werden dringend Dolmetscher auf ehrenamtlicher Basis gesucht (Muttersprachler), um zum Beispiel mit polnischen Obdachlosen zu kommunizieren: 0203/3468084.

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