Rettungsdienst

Gewalt gegen Retter: Duisburgs Sanitäter testen Schutzwesten

So sehen die Schutzwesten für den Rettungsdienst aus: Jerome Mauritz präsentiert auf der Feuerwache in Hamborn eine der schusssicheren und stichfesten Westen.

So sehen die Schutzwesten für den Rettungsdienst aus: Jerome Mauritz präsentiert auf der Feuerwache in Hamborn eine der schusssicheren und stichfesten Westen.

Foto: Jörg Schimmel

Duisburg.  Rettungssanitäter im Duisburger Norden tragen testweise schusssichere und stichfeste Westen. Feuerwehr-Chef beklagt zunehmende Respektlosigkeit.

Gewalt gegen Retter, die helfen wollen: Vor rund drei Jahren ist ein Mitarbeiter auf der Feuerwache in Duisburg-Hamborn mit einem Messer attackiert worden. „Er ist zum Glück nicht schwer verletzt worden, aber die Tat hat uns beschäftigt“, sagt Oliver Tittmann. Viel mehr möchte der Chef der Duisburger Feuerwehr über den Vorfall nicht erzählen. Er war aber Anlass für eine gründliche Gefährdungsanalyse. Die hat auch dazu geführt hat, dass die zehn Mitarbeiter und der Einsatzleiter des Rettungsdienstes im Duisburger Norden seit vier Monaten schusssichere und stichfeste Schutzwesten bei der Arbeit tragen können.

Testphase im Duisburger Norden bis Ende 2019

Es ist eine Testphase, die noch bis zum Jahresende läuft. Dann wird entschieden, ob die neongelben Westen flächendeckend für alle Alleinfahrer und Zweier-Teams in Duisburg zum Einsatz kommen.

Die ersten Erfahrungen der Mitarbeiter der Hamborner Feuerwache seien positiv. Nach jedem Einsatz mit den Westen füllen sie einen Fragebogen aus. „Sie können selbst entscheiden, ob sie die Westen tragen wollen“, sagt Tittmann. „Bei Massenschlägereien oder Messerstechereien werden sie in der Regel angezogen. Die Westen wiegen natürlich etwas, aber man kann mit ihnen arbeiten. Und das Sicherheitsgefühl wird dadurch definitiv gestärkt.“

30 bis 40 Angriffe bei 60.000 Einsätzen

30 bis 40 körperliche Angriffe auf Rettungsdienstmitarbeiter gibt es pro Jahr in Duisburg, sagt der Chef der Feuerwehr und stellt klar: „Jeder Angriff – am häufigsten sind Schläge und Tritte – ist selbstverständlich einer zu viel, aber die Zahlen sind zuletzt nicht gestiegen. Es bleiben bei rund 60.000 Rettungsdiensteinsätzen im Jahr Einzelfälle, und es gibt auch keine Stadtteile, in denen sich körperliche Übergriffe häufen.“

Die Täter stammen laut Tittmann unabhängig vom Alter und von Nationalitäten aus allen Gesellschaftsschichten. „Vom Kind über die junge Mutter bis zum Anzugträger ist quer durch die Bank alles dabei.“

Feuerwehr-Chef spricht von zunehmender Respektlosigkeit

Was sich allerdings geändert habe, sei der Ton, der Umgang mit seinen Mitarbeitern, die sich so manche Beleidigungen und mehr anhören müssen. „Sie müssen sich schon ein dickes Fell zulegen“, sagt Tittmann. Er spricht von zunehmender Respektlosigkeit.

Die Westen seien deshalb auch nur eine von mehreren Maßnahmen, um das Rettungsdienstpersonal besser zu schützen. „Wir machen zum Beispiel Deeskalationstraining und kulturelles Training“, erklärt der Chef der Feuerwehr. „Wenn eine aufgebrachte Familie mit 20 bis 30 Personen plötzlich vor einem steht, kann jedes einzelne Wort die Situation ent-, aber eben auch verschärfen.“

Feuerwehr-Chef wurde als Streitschlichter geschlagen

Oliver Tittmann selbst hat das beim vergangenen Rosenmontagszug in Duisburg am eigenen Leib erfahren müssen. Er war im Dienst, trug entsprechende Kleidung und wollte einen Streit schlichten. Dabei bekam er einen Schlag ins Gesicht. „Ich bin nicht stark verletzt worden, aber das macht etwas mit Dir“, erzählt Tittmann. „Das hat mich mehr bewegt, als ich dachte. Es ist ein Gefühl der Ohnmacht.“

Deshalb werde nicht nur jeder Angriff angezeigt. Die Betroffenen können nachher von einem Team auch psychosoziale Unterstützung bekommen. Das hilft allerdings nicht immer: Nach der Messerattacke vor rund drei Jahren war das Opfer nicht mehr in der Lage, Dienst auf der Hamborner Wache zu tun.

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