Kita-Plätze

Großer Engpass droht: Duisburg braucht 600 neue Kita-Plätze

Wohl dem, der einen Kita-Platz bekommen hat – wie hier in der Gruppe „Seeräuber“ der Kindertagesstätte „Rheinpiraten“ in Rheinhausen.

Wohl dem, der einen Kita-Platz bekommen hat – wie hier in der Gruppe „Seeräuber“ der Kindertagesstätte „Rheinpiraten“ in Rheinhausen.

Foto: Volker Herold

Duisburg.   Viele Eltern sind verzweifelt: Ein großer Engpass droht aufgrund steigender Geburtenzahlen und Zuwanderung. Der Jugendausschuss tagt dazu.

Der Stadt droht ein Engpass bei den Plätzen in den Kitas und der Kindertagespflege. Der Grund: Binnen kurzer Zeit ist durch steigende Geburtenzahlen und Zuwanderung die Zahl der unter Dreijährigen um fast 400, die der Drei- bis Sechsjährigen um gut 500 gestiegen. „Um die erforderliche Betreuung zu sichern, sind kurz- bis mittelfristig rund 600 neue Kita-Plätze – respektive sechs neue große Einrichtungen notwendig“, rechnet die Verwaltung in einer Verwaltung für den Jugendhilfeausschuss vor, der am morgigen Dienstag die sogenannte „Bedarfsanmeldung“ beim Land für das kommende Kindergartenjahr beschließen soll.

Sonderzuschüsse

Durch Sonderzuschüsse der Stadt, so führt das Jugendamt aus, sollen freie und konfessionelle Kita-Träger bewogen werden, zusätzliche Plätze und Gruppen in ihren Einrichtungen zu schaffen. Weitere Kapazitäten erhofft sich die Verwaltung durch neue Tagespflege-Personen, die in diesem Jahr ihre Ausbildung abschließen und vorwiegend in Groß-Tagespflegestellen tätig werden könnten. Weitere Entlastung könnte die Fortführung des „FlüKids-Projekts“, angesiedelt beim DRK, bringen. Darin werden nun rund 440 U3-Betreuungsplätze für Zuwanderer- und Flüchtlingskinder angeboten, 110 mehr als noch im vergangenen Jahr. Ob diese Rechnung aufgeht, muss sich noch zeigen: Denn die Stadt hält nur für 32 Prozent aller U3-Kinder einen Platz vor. Zum kommenden Kindergartenjahr sind das 4868 Plätze für 15.213 Mädchen und Jungen. Für die Ein- und Zweijährigen – sie haben einen Rechtsanspruch auf einen Platz – werde rechnerisch eine Betreuungsquote von 45 Prozent erreicht.

Für die Drei- bis Sechsjährigen liegt die Versorgungsquote mit Plätzen bei 95 Prozent. Damit konnten zuletzt Nachfrage und Angebot in Deckung gebracht werden. Die Unbekannte in der Rechnung sind rund 700 zugewanderte Sechsjährige: „Deutlich mehr als zehn Prozent werden bei der Einschulung zurückgestellt, weil sie noch nicht schulfähig sind“, erklärt das Jugendamt. Dennoch ist die Behörde optimistisch, für das Kita-Jahr 2919/20 mit insgesamt 14.623 Ü3-Plätzen eine Quote von 97 Prozent zu erreichen.

Defizit auch bei inklusiven Plätzen

Ein Defizit wird es aber voraussichtlich bei inklusiven Plätzen für Kinder mit besonderem Förderbedarf geben. Weil bei rund 400 Plätzen jeweils etwa 50 sowohl für U3- und Ü3-Kinder fehlen, sollen sie zwar einen Kita-Platz erhalten, die zusätzliche Unterstützung soll in den Frühförderstellen stattfinden.

Frühestens im Laufe des nächsten Kindergartenjahres könnten neue Einrichtungen die Lage entspannen. Stadtweit sind elf Kitas mit 700 Ü3- und 200 U3-Plätzen (38 davon inklusiv) in Planung oder bereits im Bau. „Ungewiss ist aber, ob der Betrieb planmäßig aufgenommen werden kann, oder sich verzögert“, so das Jugendamt in der Ausschuss-Vorlage. Deshalb bangen aktuell viele Duisburger Eltern, ob sie überhaupt einen Platz in einer Kita bekommen können.

„Die Eltern sind schier verzweifelt“

„Die Eltern sind schier verzweifelt“, sagt die Mitarbeiterin einer Kita, die auf lange Listen von Interessenten blickt. Die Stadt betont, dass man bislang jedem Kind einen Platz anbieten konnte. Bei U3-Kindern war das häufig auch ein Platz in einer Kindertagespflege. Wer aktuell im U3-Bereich leer ausgeht, bekommt die Empfehlung, sich bei einer Tagespflege anzumelden. Die Beitragssätze sind allerdings höher und die Mehrkosten werden nicht von der Stadt übernommen. Das gilt auch für private Kitas, die nicht öffentlich gefördert werden und oft teurer sind.

In den sozialen Netzwerken häufen sich die Nachfragen, wer schon eine Platzzusage bekommen hat, warum man selbst noch keinen hat, wer Tagesmütter empfehlen kann etc. Die Unsicherheit ist groß, das Vertrauen in die Kitaplatz-Webseite noch übersichtlich.

Anmeldung über das Online-Portal Kita Place

Wer sein Kind in einer der 200 Duisburger Kitas anmelden möchte, muss das über das Portal Kita-Place machen. Hier gibt es eine Übersicht über alle 200 Einrichtungen. Acht Kindertagesstätten kann jedes Elternpaar auswählen, das sein Kind für einen Platz in Duisburg anmelden will. Über die Webseite https://kitaplatz.duisburg.de werden die Wünsche der Eltern zentral erfasst.

Eine Garantie für einen Betreuungsplatz in der Wunschkita gibt es allerdings nicht, „Kita Place ist ein Vormerkungssystem, kein Vergabeverfahren“ heißt es auf der Webseite. Auch ein Ranking sei nicht möglich, alle angegebenen Kitas würden gleich behandelt. In der Folge könne es sein, dass man mehrere Betreuungsangebote erhält, von denen man aber natürlich nur eins wählen kann.

Verfahren zur Platzvergabe läuft bis 30. April

Das Platzvergabeverfahren hat am 15. November 2018 begonnen und läuft bis zum 30. April. Im Onlineportal Kita-Place melden Eltern nur ihren Bedarf an. Über das Programm erfolgt keine Platzvergabe.

Der Platz wird von der jeweiligen Kita selbstbestimmt vergeben. Jede Zusage wird von der Einrichtung im Onlineportal gekennzeichnet, gleichzeitig fallen die Kennzeichnungen der Eltern bei anderen Wunscheinrichtungen weg.

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