Immobilien

Hochbunker vom Bund zu kaufen: noch 59 Objekte in NRW

Im Herzen von Duisburg-Beeckerwerth: 2017 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben schon einmal versucht, den Hochbunker zu verkaufen. Es fanden sich aber keine Interessenten, die den Mindest-Kaufpreis von 250.000 Euro bezahlen wollten. Nun prüft die Bundesanstalt, ob, wann unter zu welchen Konditionen das Objekt erneut auf den Markt gebracht wird.

Im Herzen von Duisburg-Beeckerwerth: 2017 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben schon einmal versucht, den Hochbunker zu verkaufen. Es fanden sich aber keine Interessenten, die den Mindest-Kaufpreis von 250.000 Euro bezahlen wollten. Nun prüft die Bundesanstalt, ob, wann unter zu welchen Konditionen das Objekt erneut auf den Markt gebracht wird.

Foto: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Duisburg/Oberhausen/Gelsenkirchen.  Der Bund hat bereits 289 Hochbunker für insgesamt 78,4 Millionen Euro verkauft. Als nächstes kommt ein Objekt im Ruhrgebiet unter den Hammer.

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Für den Ernstfall werden sie zum Glück schon seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Manche stehen leer, manche dienen Bands als Proberäume, in einem in Oberhausen ist ein Museum, auf einem in Hamm hat ein Architekt ein Penthouse gebaut. Seit Jahren verkauft der Bund seine Hochbunker, die er für den Zivilschutz nicht mehr benötigt - das Geschäft ist für die Staatskasse lukrativ. Der eindeutige Schwerpunkt im Portfolio liegt in NRW.

In Deutschland kümmert sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) seit ihrer Gründung vor 15 Jahren um die Weltkriegsrelikte. „Von 2005 bis heute wurden bundesweit insgesamt 289 Hochbunker mit einem Gesamterlös in Höhe von 78,4 Millionen Euro veräußert“, sagt Andreas Platvoetz, der bei der Bundesanstalt in der Sparte Verkauf tätig ist: „In NRW hat die BImA in diesem Zeitraum 113 Hochbunker verkauft mit einem Gesamterlös in Höhe von 20 Millionen Euro.“

Der Durchschnittspreis für einen Bunker liegt bei rund 271.000 Euro

Die Erlöse, die die Bundesanstalt erziele, variierten je nach Lage und Standort des Bunkers, erklärt Platvoetz. Daher ließe sich ein durchschnittlicher Preis auch nur rein rechnerisch ermitteln: Bei 289 Bunkern und einem Erlös von fast 80 Millionen Euro liege der also bei rund 271.000 Euro. Der Preis, den die Bundesanstalt jeweils als Mindest-Gebot aufruft, unterscheidet sich aber von Bunker zu Bunker massiv.

Bei drei Objekten in Oberhausen, Duisburg und Gelsenkirchen ist derzeit viel in Bewegung. Allen dreien ist neben zahlreichen Graffiti als Verzierungen, größtenteils nicht (mehr) vorhandenen Fenstern, massiven Wänden und einer dicken Abschlussdecke auf dem Dach gemeinsam, dass sie leer stehen und wegen fehlender Anschlüsse an das Gasnetz nicht beheizbar sind. Da die dort liegenden Wasser-, Abwasser- und Stromleitungen teils seit Jahren nicht mehr genutzt worden sind, sollte deren Zustand von einem neuen Besitzer mindestens überprüft werden. Alle drei Bunker seien vor den öffentlichen Verfahren auch den jeweiligen Kommunen angeboten worden, sagt die BImA, die hätten allerdings kein Interesse an einem Erwerb gezeigt.

  • Noch bis zum 6. Dezember können Interessenten telefonisch oder schriftlich ein Gebot für den Bunker an der Bahnstraße in Oberhausen-Holten abgeben, der dann am 14. Dezember über das Auktionshaus Karhausen an der Friedrichstraße in Berlin öffentlich versteigert wird. Auch bei Immobilienscout24 wird das fensterlose Gebäude beworben und als „Hochbunker mit vielen Möglichkeiten“ gepriesen. Die viergeschossige Immobilie soll mindestens 180.000 Euro einbringen. Dafür erhalten Käufer einen Hochbunker aus dem Jahr 1942 mit 1.656 Quadratmetern Fläche. Das Grundstück misst rund 2000 Quadratmeter. Der Bunker befindet sich laut Anzeige „in einem gepflegten Zustand“. Denkmalschutz besteht demnach nicht, allerdings könnte eine Kirche in unmittelbarer Nähe wohl mögliche Aufbauten erschweren. An dem Hochbunker angebaut befindet sich in Richtung der Elisenstraße ein Trafo-Häuschen, dessen Stromleitungen über das Grundstück verlaufen, was die Energieversorgung Oberhausen laut Anzeige aber als entbehrlich einschätzt. Käufer müssen eine Provision von 7,14 Prozent inklusive Mehrwertsteuer zahlen, die auf den bei der Auktion erzielten Zuschlagspreis erhoben wird.
  • Beeckerwerth in Duisburg ist an markanten Gebäuden nicht gerade reich. Am ehesten trifft das in dem kleinen Stadtteil noch auf den Bunker zu, der mitten in der Siedlung liegt. Vom Dach aus, auf dem die Mobilfunkantennen stehen, wäre im Norden das Werk von Thyssenkrupp Steel jenseits der A 42 zu sehen und im Westen und Süden der Rhein. Die einzigen Fenster unter dem Dach sind allerdings zugemauert. 2017 hat die Bundesanstalt bereits erfolglos probiert, das unterkellerte sechsgeschossige Gebäude aus den 1940er Jahren zu verkaufen. Möglicherweise, weil die Preisvorstellung mit 250.000 Euro zu hoch war. Ob und wann diese Immobilie erneut in den freien Verkauf gebracht wird, stehe derzeit noch nicht fest, sagt die BImA. Klar aber ist bereits: Das Start-Gebot von 250.000 Euro stünde dann auf dem Prüfstand. Die Dachfläche nutzen zwei Mobilfunkanbieter. Der Bunker erwirtschaftet laut BImA dadurch Jahreseinnahmen im niedrigen fünfstelligen Bereich.
  • Ein wahres Schnäppchen ist dagegen der zwischen zwei Wohnhäusern eingekeilte Bunker an der Blumendelle in Gelsenkirchen gewesen. Eine Mindest-Kaufpreisvorstellung von 50.000 Euro hatte die BImA für das fünfgeschossige Gebäude genannt. Die Frist für die Abgabe von Geboten lief bis Ende Oktober. „Das Verwertungsverfahren ist derzeit noch nicht abgeschlossen und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, teilt die Behörde nun mit. Ob und wie viele Interessenten es gibt und wie hoch deren Gebote liegen, verrät die BImA nicht. Eine Freifläche an der Rückseite des Gebäudes ist derzeit als Spielplatz verpachtet, das generiert Mieteinnahmen von rund 1800 Euro pro Jahr. Der Weg dorthin führt an der rechten Seite unter dem Gebäude durch. Bis Ende 2011 nutzte die Stadt Gelsenkirchen die Immobilie noch als Zivilschutzbunker.

Theoretisch wären ein Abriss und Neubau möglich, aber schwierig

Den neuen Besitzern sei es grundsätzlich überlassen, die Immobilien selbst zu nutzen oder zu mieten, sagt Andreas Platzvoetz von der BImA. Die im Fall von Gelsenkirchen und Duisburg bestehenden Mietverträge überdauerten zwar einen Kauf, könnten perspektivisch aber „interessengerecht“ gekündigt werden. Theoretisch denkbar wären auch ein Abriss der Bunker und ein Neubau an gleicher Stelle. Allerdings müsste das unter anderem mit den jeweiligen Kommunen abgesprochen werden und wäre vor allem wegen der massiven Bauweise auch äußerst kostspielig.

Mit den unterschiedlichen Verfahren - Verkauf über die Bundesanstalt selbst oder über eine öffentliche Aktion - verfolge die BImA das Ziel, „den Markt in seiner gesamten Breite anzusprechen und unterschiedliche Käufergruppen zu erreichen“, sagt Platvoetz. Die jeweiligen Verfahren seien dabei im Wesentlichen gleichwertig. Der Markt ist noch längst nicht leer gefegt: „Die Bundesanstalt wird weiterhin entbehrliche Bunker zum Verkauf anbieten. Sie hat noch 97 Hochbunker im Bestand und davon 59 in NRW“, sagt Platvoetz. Welche Objekte als nächstes an die Reihe kämen, ließe sich allerdings nicht belastbar sagen. Schon Anfang 2017 hatte die BImA ein besonders markantes Exemplar erfolgreich veräußert: den Hochbunker mitten im Autobahnkreuz Kaiserberg in Duisburg in der Werthacker-Siedlung. Über Käufer und Kaufpreis sagt die BImA nichts: Er könnte unter dem Durchschnitt gelegen haben. Die Ausgangsforderung lag damals bei 170.000 Euro.

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