Prepaid-Strom

Immer mehr Prepaidstrom gegen Energiearmut in Duisburg

So sieht ein Prepaidstrom-Zähler aus.

So sieht ein Prepaidstrom-Zähler aus.

Foto: DVV

Duisburg.  Die Stadtwerke Duisburg forcieren im Kampf gegen Energiearmut den Einbau von Prepaidstrom-Zählern. Das müssen Sie zu dem Thema wissen.

Die Stadtwerke Duisburg setzen im Kampf gegen Energiearmut verstärkt auf Prepaidstrom-Zähler. Zuletzt hat sich die Zahl in den Duisburger Haushalten binnen weniger Monate von 200 auf 400 verdoppelt. Laut Christian von Bargen, Experte für Prepaid-Strom beim hiesigen Energieunternehmen, werden derzeit acht bis zehn solcher Zähler pro Woche eingebaut. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem Thema und erklären, warum Prepaid-Strom nicht nur für Kunden mit finanziellen Sorgen sinnvoll sein kann.

Wie funktioniert das mit einem Prepaidstrom-Zähler?

Kunden mit einem Handy oder E-Mail-Zugang können damit ihren Strom im Voraus bezahlen. Sie schließen einen Vertrag im Stadtwerke-Kundencenter, Friedrich-Wilhelm-Straße 47, in der Stadtmitte ab – zunächst quasi als Testphase für drei Monate, danach verlängert sich der Vertrag jeweils um zwölf Monate. Nach Vertragsabschluss dauert es, so von Bargen, rund zwei Wochen, bis die Netze Duisburg zu Hause den alten Zähler aus- und den neuen eingebaut haben. Die Zwischenzeit sollte deshalb genutzt werden, um das gewünschte Strompaket mit einem Guthaben von 50 bis 1500 kW/h (Kilowattstunde) zu kaufen.

Wie kann ich ein Strompaket kaufen?

Das funktioniert entweder unter Angabe der Prepaid-Vertragskontonummer per Überweisung beziehungsweise per Dauerauftrag. Es ist auch eine Direktzahlung möglich, bei Hartz-IV-Empfängern zum Beispiel durch das Jobcenter. Wer möchte, kann sich außerdem im Kundencenter nach Vertragsabschluss gleich einen Zahlschein mitgeben lassen – nach vorheriger Anmeldung auch auf mein.swdu.de als Download verfügbar. Auf dem Schein sind die einzelnen Strompakete mit QR-Codes aufgeführt. Der jeweilige Code kann an 120 Fahrkartenautomaten der DVG eingescannt und so das gewünschte Guthaben gekauft werden. Es ist zudem möglich, den Zahlschein bei zehn Servicepartnern der Stadtwerke wie Lotto-Toto-Annahmestellen abzugeben. Einfach das Strompaket angeben und bezahlen. In allen Fällen erhält der Kunde kurz darauf eine TAN per E-Mail oder per SMS aufs Handy. Dieser neunstellige Code muss dann nur noch zu Hause am Prepaid-Zähler eingegeben werden, um das Guthaben freizuschalten.

Was kostet so ein Zähler?

Nichts, Zähler und Einbau sind kostenlos. Es muss „nur“ der Preis für das Strompaket bezahlt werden. Dabei richtet sicht der Arbeitspreis an der Grundversorgung, liegt laut von Bargen bei rund 32 Cent pro Kilowattstunde. Beim kleinsten Strompaket von 50 kW/h wären das 16 Euro. Es gibt keine Grundgebühr, es fallen auch keine weiteren Nebenkosten an.

Warum können Prepaidstrom-Zähler vor allem für Kunden mit häufigen Liquiditätsproblemen sinnvoll sein?

Wer seine Rechnungen nicht bezahlen kann, läuft Gefahr, irgendwann den Strom abgesperrt zu bekommen, sagt von Bargen. Dabei entstehen weitere Kosten, mal ganz abgesehen von den Mahngebühren. Mit einem Prepaidstrom-Zähler hat der Kunde zwangsläufig die volle Kostenkontrolle. Und selbst wenn er einmal vergessen haben sollte, sein Guthaben rechtzeitig wieder aufzuladen, gibt es eine Notversorgung von bis zu 30 kW/h. So sitzt man nicht sofort im Dunkeln und Kühlschrank oder Gefriertruhe können auch noch betrieben werden.

Was hält die Verbraucherzentrale von Prepaidstrom-Zählern?

Beraterin Claudia Bracht kämpft in einem Projekt seit März 2016 gemeinsam mit den Stadtwerken gegen Energiearmut, agiert als neutrale Vermittlerin und Vertrauensperson für Kunden mit Zahlungsschwierigkeiten. Neben Ratenzahlungen seien Prepaidstrom-Zähler eine weitere gute Möglichkeit, die Schuldenspirale zu durchbrechen. Grundsätzlich sei es allerdings wichtig, sich frühzeitig seinen finanziellen Problemen zu stellen, sagt Bracht, die durch die Kooperation mit den Stadtwerken bereits vielen Kunden helfen konnte. Wurden 2016 noch 30 Stromsperren verhindert, waren es 2018 schon 66. Zur Einordnung: Im Auftrag aller Energieversorger in Duisburg haben die Netze Duisburg 2016 8400 Stromsperren und 2018 6595 Stromsperren veranlasst. Insgesamt sind 531 Duisburger Haushalte mit Zahlungsproblemen in den vergangenen drei Jahren bis Ende 2018 in 1347 Beratungsgesprächen unterstützt worden. 80 neue Fälle sind im ersten Halbjahr 2019 dazugekommen. Allerdings: „Duisburg bleibt im Kampf gegen Energiearmut negativer Spitzenreiter in NRW“, so Bracht.

Für wen können Prepaidstrom-Zähler außerdem interessant sein?

Einmal für sicherheitsbewusste Kunden, aber auch für Wohngemeinschaften mit häufig wechselnden Mietern. Der Haus- beziehungsweise Wohnungseigentümer lässt einen Prepaid-Zähler einbauen, die Bewohner bezahlen den Strom je nach Bedarf und müssen auch nicht mehr individuelle Verträge mit dem Energieversorger abschließen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben