Männerbund

In Duisburg-Duissern entsteht eine neue Schlaraffenburg

Friedemann Vietor freut sich schon auf die Treffen in der neuen Schlaraffenburg.

Foto: Tanja Pickartz

Friedemann Vietor freut sich schon auf die Treffen in der neuen Schlaraffenburg. Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Ein Männerbund, der mit viel Augenzwinkern zum munteren Ritterabend bittet, hat an der Königsberger Allee in Duissern ein neues Zuhause gefunden.

Früher hatten sie auf der Wilhelmshöhe ihr Domizil. Doch im Zuge der Neugestaltung des Quartiers ziehen die Schlaraffen innerhalb von Duissern in neue 240 Quadratmeter große Räume an der Königsberger Allee. Dort sind die 30 Mitglieder des Männerbundes gerade mit handwerklicher Hilfe dabei, ihre Schlaraffenburg im Stil eines mittelalterlichen Rittersaales wieder aufzubauen.

Freundschaft, Kunst und Humor – das sind die drei Säulen der am 10. Oktober 1859 in Prag von Kunstbegeisterten gegründeten Vereinigung, die überall in der Welt zum Ritterspiel bittet. „Es ist eine Persiflage mit Vorträgen und viel Musik – mal hochgeistig, mal kompletter Nonsens“, erklärt Friedemann Vietor (74), seit fast 44 Jahren Teil von Schlaraffia Duisbargum. „Für jedes dumme Wort, das wir sagen, gibt es einen Orden...“, schiebt der frühere Buchhändler mit einem Augenzwinkern nach und deutet auf die Rostra, in Anlehnung an die Rednerplattformen im antiken Rom. Vorne prangt der Wahlspruch „In arte voluptas“: „In der Kunst liegt Vergnügen“.

Das Pult hat ebenfalls bereits einen Platz in den neuen Räumen gefunden wie ein ausgestopfter Uhu an der Wand dahinter. Er ist seit jeher Schirmherr von Schlaraffia und steht für eine eigene Zeitrechnung, die mit Gründung des Männerbundes begonnen hat. Auch anno Uhui 158 verbeugen sich die Vereinsmitglieder zudem bei jedem Treffen vor dem Tier und signalisieren damit, dass sie sich auf das schlaraffische Spiel in eigener, mittelalterliche Sprache einlassen. Dann verwandelt sich auch Friedemann Vietor in den Ritter Mien Jong samt passendem Gewand.

Von Oktober bis Ende April haben Vietor und Co. einmal in der Woche dienstags „Glock 8 des Abends“ den Schalk im Nacken. Die Treffen ausschließlich in der so genannten Winterung haben ihren historischen Ursprung. „Die Schlaraffen hatten früher als Schauspieler in den Sommermonaten keine Zeit, regelmäßig zusammenzukommen, weil sie da als Sänger oder Schauspieler auf Tour waren“, erklärt der 74-Jährige.

Noch wird gebohrt und geschraubt

Die Vorfreude auf die nun nahende Schlaraffenzeit ist ihm anzumerken. An einigen Stellen muss zwar noch gebohrt, geschraubt und gehämmert werden, doch das neue Zuhause hat bereits deutliche Formen angenommen. Zwei mächtige Kronleuchter hängen über den langen Tischen, die bleiverglasten Fenster mit den bunten Rittermotiven sind schon montiert. Sogar auf den Steinkranz, bereits auf der Wilhelmshöhe über der Eingangstür zum großen Saal, müssen die Schlaraffen nicht verzichten – ebenso wenig auf den kleinen Kerker in der Ecke mit Durchreiche, falls es den „Gefangenen“ dürsten sollte. Der Thron hat den Umzug ebenfalls gut überstanden. Er ist für die drei Herrlichkeiten reserviert, die ranghöchsten Schlaraffen. „In der Mitte sitzt der Spielleiter, unfehlbar in seinen Anordnungen“, so Vietor.

In einer knappen Woche, am 10. Oktober, wird die neue Schlaraffenburg offiziell eingeweiht, also auf den Tag genau 158 Jahre nach Gründung der Vereinigung in Prag. Vietor kann es kaum erwarten: „Es ist einfach ein Glück, auf diese Weise dem Alltag zu entfliehen.“

Schlaraffen in Duisburg gibt’s seit 1923

Schlaraffia Duisbargum wurde 1923 gegründet.


Die aktuell 30 Mitglieder sind laut Vietor zwischen 29 und 89 Jahre alt und stammen aus Duisburg und der Region.

Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf knapp 200 Euro im Jahr.


Weitere Informationen zum Verein gibt es auf www.schlaraffia-duisbargum.de.

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