Jazz-Konzert

In Rheinhausen erklang Multikulti-Jazz vom Quartett Masaa

Das preisgekrönte Quartett Masaa hat Jazz als multikulturellen Dialog im Gemeindehaus erklingen lassen

Das preisgekrönte Quartett Masaa hat Jazz als multikulturellen Dialog im Gemeindehaus erklingen lassen

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Das preisgekrönte Jazz-Quartett hat in einem Gemeindehaus in Rheinhausen gespielt und nebenbei den Zuschauern einen kleinen Sprachkurs gegeben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Im Gemeindehaus „Auf dem Wege“ hängen noch die Bilder der Ausstellung „Jüdische Porträts“. Bedeutende Vertreter dieses Glaubens, wie Erich Fried oder Marcel Reich-Ranicki, blicken als Schwarz-Weiß-Aufnahme gewohnt kritisch, aber gespannt von den Wänden herab. Unten spielt die Band Masaa ihr in gedämpftes Licht getauchtes Konzert mit Liedern, die deren deutsch-libanesischer Frontmann Rabih Lahoud meist auf Arabisch singt. Und es ist so, als ob sich in diese heimelige Abendstimmung hinein ein harmonischer arabisch-jüdischer Dialog hineinschleicht.

„Denn Masaa bedeutet nun mal so etwas wie ein Zusammensein mit Gleichgesinnten am Abend, bei dem bei uns im Libanon alles gesagt werden darf, bei dem man sich austauscht“, erzählt Rabih Lahoud den 80 Gästen. Und ein spannender musikalischer Austausch unter den vier Musikern beginnt, bei dem der einzelne Mitspieler nie wirklich weiß, was gerade geschieht. So hoch ist der Improvisationsfaktor, wobei aber der „Rabih“ stimmlich das Dirigat führt. Immer wieder setzt er im Improvisationsgesang harmonische Terzen mit seinem Trompeter Marcus Rust oder ergänzt die Sololäufe seines Gitarristen Reentko Dirks – der übrigens ein doppelhalsiges Instrument bedient – später sinnvoll zu einem Akkord. Es ist so, als ob Lahoud an einer Schnüre seine ausgebildete Stimme von ganz unten bis hoch zu den höchsten Tönen über drei Oktaven ziehen kann.

Masaa hat bereits „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ abgeräumt

„Quand le soleil“ gibt es vom preisgekrönten Album „outspoken“, das 2017 den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ abräumte. Französische Lyrics ertönen, denn das ist Lahouds zweite Sprache. „Bis zum Alter von sechs Jahren wusste ich gar nicht, dass das, was ich spreche, zwei Sprachen, also Arabisch und Französisch, waren“, lächelt der Ausnahmesänger, der im Alter von 19 Jahren nach Deutschland kam. Die Gitarre schadet dem Stück nicht wirklich, denn ursprünglich ist das Lied mit dem Pianisten Clemens Pötzsch eingespielt worden. Ganz nebenbei bekommt Schlagwerker Demian Kappenstein ein Solo, bei dem er sich mal richtig über seinem Drum-Kit austoben kann. Und der multikulturelle Dialog geht weiter.

Für das Publikum gibt es Arabisch für Anfänger vom 37-jährigen Sänger. Der Titel „Dafa“ bedeutet ‚Wärme‘, das Lied „Hala“ handelt weitestgehend von so etwas wie ‚Schönheit‘. Und die etwa 80 Zuhörer lernen, dass Arabisch eine lyrische, ja weiche Sprache ist. „Ihr dürft das H am Anfang von Hala nur ganz leicht hauchen“, erklärt Sänger Lahoud, der in Monheim lebt. Manche Stücke handeln von Träumen, schönen, so wie angstvollen. Das Lied „Ruhakayar“ spielt in einer nicht existierenden Phantomstadt, die in Lahouds Träumen entstand. In „Lullaby for Jasu“ heißt es übersetzt „Der Donner ist laut, er kommt und nimmt uns den Schlaf.“

Die Band befindet sich in einem multikulturellen Dialog

Immer wieder tauchen auch Kriegsängste in den Liedern auf. Mal fliegen Schmetterlinge in den Songs umher, meist sind es Lahouds eigene Gedichte, die Masaa in Musik setzen. Genauso abwechslungsreich wie die Themen ist auch die musikalische Ausarbeitung, die meist auf eine Katharsis im gewaltigen Zusammenspiel von Stimme, Schlagwerk, Gitarre und Flügelhorn hinarbeitet.

Und über allem schwebt der multikulturelle Dialog, der auch von den jüdischen Intellektuellen der Ausstellung von den Wänden herab inzwischen wohlwollend betrachtet wird….

Das neue Album von Masaa, „Irade“, erscheint mit zwölf Titeln bei Traumton Records im Februar 2020.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben