Kabarett

Jochen Malmsheimer begeistert in der Rheinhausen-Halle

Kritische Blick und spitze Zunge: Jochen Malmsheimer.

Kritische Blick und spitze Zunge: Jochen Malmsheimer.

Foto: Heiko Kempken / Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Ode an den Meister des gesprochenen Wortes: Der Kabarettist Jochen Malmsheimer beeindruckte in Rheinhausen mit seinem rasanten Sprach-Witz.

Eigentlich müsste man als Kritiker Oden an ihn schreiben. Oder Elegien. Zumindest irgendeine dem Jetzt entrückte Stilform jenseits der profanen Rezension. Denn so antiquiert sprachverliebt wie sich Jochen Malmsheimer in seinem Programm „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“ gibt, so könnte es auch von der Journaille zurück schallen – für diesen selbstverliebten Meister des Wortes. Vielleicht wenigstens in Jambusform, wenn schon nicht als Hexameter oder Daktylus? Leider fehlt dem Rezensenten dieses Abends in der Rheinhausenhalle die dichterische Fähigkeit, während der Protagonist auf der Bühne mit metaphorischen Bildern und stilistischen Blüten um sich wirft.Hier gibt es mehr Artikel aus dem Duisburger Westen

Gerade wenn er schneller als ein Rapper in einen sprachlichen Rausch gerät und mit „gehaltvoll ziselierten“ Adjektiven und nicht zensierten Hauptwörtern redet – da streift er nicht nur „Kopf und Kragen“ - nein, vielmehr macht er aus einer Busfahrt von Herne nach Venedig ein Helden-Epos wie die „Ilias“ von Homer. Dabei lässt der 58-Jährige frühkindliche literarischen Helden von WinneOne, über WinneTwo, bis WinneThree in einer Traumsequenz auftauchen. „Für sie ist das eine klassische Win-Win-Win-Situation“, scherzt Jochen Malmsheimer über die fiktiven Drillings-Häuptlinge der Apachen. Dann aber Spannung: „Capitän James Cook, nein nicht der insolvente Reiseveranstalter, sondern der von der Endeavour, beugte sich im Kerzenschein über die von Hand gemalte Karte – sollte dies etwa Lüdenscheid sein?“, liest Malmsheimer sinntragend. Ja, und man merkt ihm ein innerliches Hadern mit eben seinem Selbst an, denn als Kind des Ruhrgebiets bleibt für ihn nach fast eineinhalb Stunden aufwühlender Reiseerzählung die Sinnsuche als Frage: Sollte sein lyrisches Ich es gerade mal von Bochum in den Märkischen Kreis geschafft haben? Und etwa 460 Gäste liegen in ihren Stühlen, als es zum Schluss doch noch „Dogen-Suppe Herzogin“ beim Fürsten von Venedig gibt.

Zum Schluss gibt es noch eine Ode an alle „Kleinode“, an denen Malmsheimer vielleicht schon aufgetreten ist. „Sie hörten auf zu Xanten. Nach dem Rinteln, begann sie zu Aachen, denn er konnte nicht Cochem, dafür wollte er umso lieber Essen.“ Aufgetischt wurde auch noch die Whatsapp-Sprache: „Ey, was für Beschiss is das?“ Und auch die Zuschauer äußerten ihren Unmut über solch merkwürdige, aber inzwischen gängige Grammatik. Für das Auseinandernehmen derartiger linguistischer Absonderlichkeiten und für den sprachlich grandiosen Vortrag gab es tosenden Applaus.

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