Junge Meister begeistern

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Solch einen jungen Dirigenten hat man am Pult der Duisburger Philharmoniker lange nicht erlebt: Dominik Beykirch ist gerade einmal 26, arbeitet als 2. Kapellmeister am Nationaltheater Weimar und ist Stipendiat des Deutschen Musikrats, bei dem er auch als „Maestro von Morgen“ gelistet ist. In der Mercatorhalle gab er ein beachtliches Debüt mit einem klug konzipierten Programm.

Zwei „Romeo und Julia“-Kompositionen bilden den Rahmen: Peter Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre sowie Leonard Bernsteins jazzige Sinfonische Tänze aus „West Side Story“. Dazwischen erklingen Werke für Saxofon und Orchester von Claude Debussy und Darius Milhaud, der mit seinem französischen Swing die perfekte Überleitung zu Bernstein ist.

Der großartige Saxofon-Solist ist der Armenier Koryun Asatryan, gerade einmal fünf Jahre älter als Beykirch. Bereits mit seinen ersten Tönen fesselt er die Zuhörer. Der weiche nasale Saxofon-Klang geht eine perfekte Symbiose mit den mediterran leuchtenden Akkorden des Orchesters ein. Beykirch koordiniert das Zusammenspiel sehr genau und lässt immer wieder Glückmomente aufleuchten.

Großer Aufritt für die Schlagwerker

Wie eine verspielte Kirmesmusik mit französischem Flair wirbelt die „Scaramouche“-Suite von Milhaud dahin. So leicht und pfiffig klingt diese Musik bei den Philharmonikern unter Beykirch im Zusammenspiel mit Asatryan, dass man als Zuhörer schon vom nächsten sommerliche Open-Air-Konzert träumt. In seiner Zugabe, die er leider nicht ansagt, steigert der junge Virtuose seine Leistung noch einmal, lässt einen wahren Strudel an Tönen, Klappengeräuschen und mehrstimmigen Klängen erzeugen. Umwerfend!

Schon bei der „Romeo und Julia“-Ouvertüre hatte Beykirch gezeigt, wie fein er mit dem Orchester gearbeitet hat. Natürlich besitzt die Musik in den richtigen Momenten eine kantige Dramatik, aber „Romeo und Julia“ ist halt auch eine Liebesgeschichte, und so kostet Beykirch sehr genau die Mischungen der Holzbläser aus, ohne dabei die Innenspannung zu vernachlässigen. Ähnlich differenziert und sorgfältig behandelt er auch die Dynamik in ruhigen Milhaud-Mittelsatz oder der Debussy-Rhapsodie

Bei Bernstein zeigen die Philharmoniker einmal mehr, wie sicher sie im sinfonischen Jazz zu Hause sind und entfalten in der „Cool Fugue“ eine mitreißende Sogwirkung. Einen großen Auftritt haben die Schlagwerker des Orchesters, die geradezu entfesselt aufspielen, und auch die Blechbläser können richtig losfetzen.

Beykirch zeigt aber auch, wie klug Bernstein die einzelnen Nummern ineinander fließen lässt, so dass hier kein aneinander gereihtes Potpourri entsteht, sondern die Musik einen großen sinfonischen Bogen erhält. – Großer Beifall.

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