Kindergarten

Kleine „Spatzen“ haben Glück: U3-Betreuungsplätze sind rar

Julia Plew und die Kinder spielen. Die Gruppe ist in einer umfunktionierten Wohnung untergebracht.

Julia Plew und die Kinder spielen. Die Gruppe ist in einer umfunktionierten Wohnung untergebracht.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Hochfeld ist ein kinderreicher Stadtteil. Der Bedarf an Betreuung für Kinder unter und über drei Jahren ist groß. Er wird nur zum Teil gedeckt.

Juri-Karlsson, Emily, Yannick und Lara sitzen im Kreis und klatschen. Die Kinder gehören zu den „Spatzen“, einer Tagespflege für Jungen und Mädchen unter drei Jahren. Untergebracht ist die Gruppe in einer umfunktionierten Wohnung an der Gerokstraße. Im Hausflur hängen ganz viele Bilder - von echten Spatzen und den kleinen Besuchern. „Als ich damals hier eingezogen bin, gab es kaum Kinder. Inzwischen wohnen hier einige Familien“, erklärt Leiterin Julia Plew.

Die gelernte Erzieherin arbeitete zunächst als Angestellte bei den „Spatzen“ – nun hat sie die Gruppe als Tagesmutter übernommen. Der Bedarf ist da. Hochfeld ist ein kinderreicher Stadtteil: 1489 Jungen und Mädchen bis fünf Jahren wohnen hier. „Jede Woche klopfen Leute ans Fenster und fragen, ob wir einen Platz frei haben“, erzählt sie. Sie muss sie vertrösten. Auch wenn im Sommer drei Kinder die Einrichtung wechseln, sind die Plätze schon wieder längst vergeben. „Wenn ich mit jemandem zusammen arbeiten würde, könnten wir neun Kinder betreuen, aber dann müssten wird noch einmal umbauen, um mehr Platz zu schaffen.“

Ausflüge in den Rheinpark

In einem Zimmer stehen kleine Betten. Im Nachbarraum wird gespielt, es liegen Bücher herum, Matten und andere Spielsachen. Es gibt Waschbecken in Kleinkindhöhe und in einem Nebenraum werden Deko-Gegenstände für alle Jahreszeiten gesammelt. Auf der Terrasse können die Kinder mit Bobbycars um die Wette fahren.

„Manchmal machen wir auch einen Ausflug in den Rheinpark, aber so viele Möglichkeiten im Umkreis gibt es gar nicht, wo wir gerne spielen gehen. Da ist es gut, dass wir so eine schöne Terrasse haben.“ Mit dem Kindergarten St. Peter an der Brückenstraße hat Julia Plew eine Kooperation geschlossen, dass sie die Turnhalle mitbenutzen dürfen. „Das ist super, die Kleinen sind immer ganz stolz, wenn sie zu den Großen dürfen.“

Bedarf ist nur zu 14 Prozent gedeckt

Insgesamt werden für das Kindergartenjahr 2018/2019 108 U-3-Plätze in Hochfeld angeboten – das deckt den Bedarf gerade zu 14 Prozent ab. 138 Plätze fehlen. Für Kinder über drei Jahren stehen in dem Stadtteil 637 Plätze zur Verfügung. Somit sind 89 Prozent des Nachwuchses versorgt. Im Bereich der Über-Dreijährigen sieht es in der Altstadt (Versorgungsquote 101 Prozent), Kaßlerfeld (112 Prozent) und Neudorf-Süd (109 Prozent) besser aus. In Neuenkamp liegt die Quote bei 84 Prozent, in Duissern bei 83 Prozent und in Neudorf-Nord bekommen 86 Prozent der Kinder einen Platz.

„In der Regel empfehlen wir den Eltern dann, ihre Kinder in einem angrenzenden Stadtteil anzumelden. Oft ist es aber auch so, dass die Eltern den Nachwuchs in eine Kita bringen, die näher am Büro liegt“, erklärt Stadtsprecherin Gabi Priem. Immerhin: Die Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes an der Heerstraße hat eine zusätzliche fünfte Gruppe eingerichtet, an der Hochfeldstraße wurde eine Gruppe für Ältere umgewandelt.

Eltern klappern Einrichtungen ab

Derzeit klappern Eltern auf der Suche nach einem Betreuungsplatz sämtliche Einrichtungen ab - oft schon kurz nach der Geburt. Da sie dann bei verschiedenen Anbietern auf der Warteliste stehen, bleiben bei einigen Kindergärten doch manchmal noch Plätze frei.

Ab 1. August führt die Stadt ein zentrales Vergabesystem ein, bei dem sich die Eltern online um einen Kindergartenplatz bewerben. Auch Zu- und Absagen werden online verschickt. Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, wenn die Kinder ein Jahr alt sind.

Sonderzuschüsse sollen Platzmangel beheben

Insgesamt leben 14 820 Jungen und Mädchen unter drei Jahren in Duisburg. 13 858 sind zwischen drei und sechs Jahre alt. Die Zahl der Kinder aus Zuwandererfamilien stagniert, allerdings gibt es nun mehr Nachwuchs aus Flüchtlingsfamilien. „Wenn die Kinder traumatisiert sind oder erst an das System gewöhnt werden müssen, werden sie teilweise von den Flükids betreut. Diese Angebote sind direkt an die Flüchtlinsgeinrichtungen angegliedert“, erläutert Gabi Priem von der Stadt.

Im Bezirk Mitte ist absehbar, dass der Bedarf im kommenden Kindergartenjahr nicht komplett gedeckt werden kann. Geplante Einrichtungen wie im Mercatorviertel oder an der Friedenstraße helfen zwar langfristig, aber nicht aktuell. Die Stadt will über Sonderzuschüsse und Verstärkung von Gruppen versuchen, die Zahl der Plätze kurzfristig zu erhöhen

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